Sportevents für Stadtentwicklung nutzen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beratung der Kommunalverwaltungen der EURO-2012-Austragungsorte
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ukraine
Politischer Träger: Ukrainisches Ministerium für Infrastruktur; Ministerium für Regionalentwicklung
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2015

Ukraine. Berufliche Fortbildung zur Steigerung der Servicequalität. Konditoren aus der Schokoladenstadt Lwiw bei der Meisterklasse © GIZ

Ausgangssituation

Die Städte Lwiw, Kharkiw, Donezk und Kiew waren Spielorte der Fußballeuropameisterschaft 2012, die die Ukraine gemeinsam mit Polen ausrichtete. Von ihr versprach sich das sportbegeisterte Land eine stärkere EU-Integration. Die zentrale Frage lautete: Wie können Großveranstaltungen im Sport genutzt werden, damit sie der nachhaltigen Entwicklung von Land und Leuten dienen?

Ziel

Die Ressourcen und die Leistungsfähigkeit der Verwaltungen zur nationalen und internationalen Vermarktung und Wirtschaftsförderung sowie für die städtischen Transportsysteme sind an den vier Spielorten der Europameisterschaft 2012 gesteigert.

Ukraine. Sportliche Großevents für das Stadtmarketing nutzen. Im Rahmen der Euro 2012 wurden Medienkontakte mit einem Marktwert von annähernd 500 Millionen Euro erzeugt. © GIZ

Vorgehensweise

Das Vorhaben konzentriert sich auf zwei Arbeitsfelder: kommunale Wirtschaftsförderung, mit besonderem Akzent auf dem Thema Stadtmarketing, sowie Verbesserung des öffentlichen Verkehrs. Beide Bereiche stärken die lokale Wirtschaftsleistung und erhöhen die Qualität von Planung und Organisation des öffentlichen Verkehrs für fast acht Millionen Menschen. Gemeinsam mit den zuständigen Fachabteilungen der Städte organisierte die GIZ vor dem Turnier zahlreiche Workshops und Trainingsmaßnahmen sowie Studienreisen. Bei den Maßnahmen für den Verkehrsbereich wirkte vor allem ein Konsortium um das Leipziger Unternehmen VCDB mit.

Die Mitarbeitenden lernten, wie die Besucherinformation in den Stadtzentren optimiert, wie gezielte Marketingaktionen durchgeführt werden können oder wie der öffentliche Verkehr besser geplant und organisiert werden kann.

Seit Sommer 2012 unterstützt die GIZ die neu geschaffenen Strukturen, wie etwa die Abteilungen für Tourismusförderung, auf der Basis von mittel- und langfristigen Strategien. Ein Kernpunkt dieser Strategien sind öffentlich-private Tourismusallianzen, verbesserte Marketinginstrumente, wie Onlineverkäufe oder Messeauftritte, sowie der Aufbau eines Monitoringsystems, das die sozioökonomischen Wirkungen des Tourismus erfasst. Im Arbeitsfeld Mobilität gewinnen neue umweltfreundliche Verkehrsträger wie Fahrrad oder Schnellbusverkehr im Mix der städtischen Verkehrsträger an Bedeutung. Eine strategisch herausragende Rolle spielen die Städtepartnerschaften, beispielsweise zwischen Nürnberg und Kharkiw oder München und Kiew.

Wirkungen

Bis Ende 2013 verzeichneten die beteiligten Städte ebenso wie die gesamte Ukraine einen rasanten Anstieg der Besucherzahlen auf die Rekordmarke von auf 25,7 Millionen. In Lwiw verdoppelte sich gegenüber 2011 die Zahl der Touristen auf knapp zwei Millionen Besucher pro Jahr. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew verdienen inzwischen rund 17.000 Menschen ihren Lebensunterhalt im Tourismus. Zwei neue öffentlich-private Allianzen sorgen dafür, dass Synergien im Marketing und in der Entwicklung der Tourismusstandorte erschlossen werden. Die neu geschaffenen Abteilungen für Tourismus arbeiten mit eignen Budgets in Kharkiw, Kiew und Lwiw, zuletzt mit einem starken Akzent auf der systematischen Erschließung des Geschäftstourismus.

Rund 4.000 Fachleute wurden im Rahmen überbetrieblicher Weiterbildungsmaßnahmen geschult und helfen, das Serviceniveau kontinuierlich zu verbessern. Nach Angaben des ukrainischen Wirtschaftsministeriums trägt der Tourismus knapp neun Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Erstmals gibt es in den Städten Markenprofile. Unter dem Slogan „All about U“ verfügt das Land seit 2013 über eine touristische Dachmarke.

Ukraine. Eine neue Dachmarke für die Tourismusdestination Ukraine, entwickelt im Rahmen des Euro-2012-Vorhabens. © GIZ

Im Arbeitsfeld Mobilität ist das Wissen um moderne Planungsinstrumente deutlich gewachsen. Drei neue Konzepte für die Einführung von Schnellbusverkehren liegen in Kiew, Donezk und in Lwiw vor. Die Zahl der Masterpläne für den Radverkehr stieg von einem im Jahr 2011 auf inzwischen 14 landesweit. Die Anzahl an bedarfsgerecht gebauten Fahrradwegen hat sich verfünffacht.

In zwei Arbeitsgruppen fließen die Erfahrungen aus Planung und Bau vor Ort in die Anpassung der Normen für den Bau städtischer Verkehrssysteme an das EU-Regelwerk ein.