Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge in Zentralamerika nach dem Hurrikan Stan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Wiederaufbau und Katastrophenvorsorge in Zentralamerika nach dem Hurrikan Stan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: El Salvador und Guatemala
Politischer Träger: Sozialfond zur Förderung der lokalen
Entwicklung und Stärkung der Gemeinden (FISDL), El Salvador; Amt des Vizestaatspräsidenten, Guatemala
Gesamtlaufzeit: 2006 bis 2011  

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Ausgangssituation

Guatemala und El Salvador sind regelmäßig von extremen Naturereignissen wie tropischen Wirbelstürmen, Überschwemmungen, Hangrutschungen, Erdbeben und Vulkanausbrüchen betroffen. Allein der Hurrikan Stan hat in beiden Ländern 2005 mehr als 2.000 Opfer gefordert und für über 1 Milliarde US-Dollar Schäden angerichtet. Die ohnehin unzureichenden Einkommen werden so immer weiter verringert und müssen für den notdürftigen Wiederaufbau von Häusern und Produktionsgrundlagen verwendet werden. Eine Investition in produktive Maßnahmen und eine nachhaltige Entwicklung ist kaum möglich.

Ursachen für die Anfälligkeit gegenüber extremen Naturereignissen sind die Ausdehnung von Siedlungs- und Nutzflächen in Risikogebiete sowie die unsachgemäße Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen. Die unsachgemäße Bewirtschaftung ist bedingt durch die politische und wirtschaftliche Marginalisierung armer Bevölkerungsschichten, hauptsächlich der ländlichen Bevölkerung, in Guatemala auch der indigenen Bevölkerung. Aus mangelndem Zugang zu geeignetem Ackerland werden Böden und Wälder an steilen Hanglagen übernutzt, was Schlammlawinen, Hangrutschungen und Überschwemmungen zur Folge hat.

Ziel

Die Bevölkerung der Projektregionen, etwa 2.000 Quadratkilometer, fünf Gemeinden in El Salvador und sieben Gemeinden in Guatemala, stellt in Zusammenarbeit mit den nationalen Institutionen ihre Produktionsgrundlagen wieder her. Außerdem verringert sie ihre Anfälligkeit gegenüber Bedrohungen durch extreme Naturphänomene wie Überschwemmungen und Hangrutschungen.

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Vorgehensweise

Das Projekt unterstützt betroffene Familien dabei, ihre land- und forstwirtschaftlichen Lebensgrundlagen wiederherzustellen. Dies wird verknüpft mit Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge auf lokaler Ebene, die aus einer Risikoanalyse abgeleitet sind. Dazu gehören infrastrukturelle Schutzmaßnahmen, Maßnahmen zur Organisationsentwicklung sowie die Ausbildung und Ausstattung dörflicher Notfallkomitees. Durch Beratung, Ausbildungsseminare und gemeinsame Planungsprozesse werden lokale Gemeindevertreter sowie Vertreter der Basisorganisationen und der staatlichen Institutionen unterstützt, Katastrophenvorsorge in die Planung und Umsetzung von Entwicklungsmaßnahmen zu integrieren. Der Erfahrungsaustausch innerhalb der Länder und zwischen El Salvador und Guatemala soll ebenfalls gefördert werden.

Das Projekt hat drei Förderschwerpunkte:

  • Nachhaltige Wiederherstellung der land- und forstwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen
  • Schutzmaßnahmen für Bevölkerungen in besonders gefährdeten Tälern
  • Förderung lokaler Kompetenzen und Leitungsfähigkeit für die Katastrophenvorsorge

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

Die Motivation der Dorfbevölkerungen und Gemeindeverwaltungen, sich an den Wiederaufbau- und Vorsorgemaßnahmen zu beteiligen, ist mit der Einführung konkreter Maßnahmen ständig gestiegen. Es wurden bisher deutliche, sogar über die Planung hinausgehende Fortschritte gemacht. Durch die wachsende Beteiligung der Dörfer und Gemeinden konnte die Anzahl der direkten Nutznießer des Projekts erhöht werden.

In partizipativen Risikoanalyse-Workshops mit den Gemeinden und Dörfern konnten vielfältige Maßnahmen zur Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen sowie zur Vorsorge und Stärkung der lokalen Kompetenzen und Leistungsfähigkeit nach ihrer Wichtigkeit festgelegt werden. Die Maßnahmen trugen dazu bei, ein stärker präventiv ausgerichtetes Risikobewusstsein in der Bevölkerung und bei den verantwortlichen Institutionen zu schaffen.

In enger Zusammenarbeit und Koordination des Projekts mit anderen bi- und multilateralen Programmen und Projekten wurden Methoden und Techniken ausgetauscht, wie Risikoanalyse; Fortbildungsbesuche und andere.

Die wichtigsten Maßnahmen in den drei Förderbereichen:

  • Nachhaltige Wiederherstellung der land- und forstwirtschaftlichen Produktionsgrundlagen von 1.700 Familien durch mit Obstbäumen, Kaffee und Forstpflanzen diversifizierte und bodenkonservierende Bodennutzungssysteme, die Anlage von Terrassen, die Anpflanzung von Schutzstreifen und die Einrichtung von Agroforstsystemen.
  • Zum Schutz der rund 4.500 gefährdeten Familien in vorrangig eingestuften Tälern wurden Maßnahmen wie Aufforstungen und Erhalt sowie Management von etwa 250 Hektar Waldflächen und infrastrukturelle Schutzmassnahmen durchgeführt.

Die wichtigsten Maßnahmen zur Förderung von lokalen Kompetenzen und Leistungsfähigkeit zur Katastrophenvorsorge sind:

  • Partizipative Durchführung von Risikoanalysen in Dörfern und Gemeinden
  • Erarbeitung von Katastrophen-Notfallplänen
  • Vorbereitung und Einführung von Frühwarnsystemen gegen Überflutungen und Durchführung von Katastrophenschutzübungen
  • Ausbildung und Ausrüstung der Notfallkomitees
  • Beratung der Gemeindeverwaltungen und der nationalen Planungsbehörde SEGEPLAN bei der Erarbeitung von vorsorgeorientierten Planungsmethoden, bei denen die Risikoanalyse Bestandteil des Planungsprozesses ist.
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