Landwirtschaftliche Wasserproduktivität als Anpassung an den Klimawandel

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Landwirtschaftliche Wasserproduktivität als Anpassung an den Klimawandel
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Ägypten
Politischer Träger: Ägyptisches Ministerium für Landwirtschaft und Landgewinnung
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2016

Ausgangssituation
Mit insgesamt 650 m³ verfügbarem Wasser pro Jahr und Einwohner leidet Ägypten hinsichtlich der Nahrungsmittelproduktion unter relativer Wasserknappheit. Eine beschränkte Wassermenge gekoppelt mit einem steigenden Bedarf aus unterschiedlichen Sektoren erfordern eine effiziente Wassernutzung in der Landwirtschaft deren Anteil an Ägyptens jährlichem Wasserverbrauch 85% beträgt. Die Wasserverfügbarkeit in der Landwirtschaft wird von den Auswirkungen der Klimaveränderung betroffen sein. Es werden eine erhöhte Durchschnittstemperatur und eine Zunahme von extremen Hitzewellen erwartet. Daraus resultiert u.a. ein Mehrbedarf an Wasser für die Landwirtschaft. Vor dem Hintergrund bestehender Herausforderungen der landwirtschaftlichen Betriebe bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen und der langfristig abnehmenden Verfügbarkeit der Wasserressourcen steigt die Wasserproduktivität zu langsam, um unter den Auswirkungen des Klimawandels genügend Nahrungsmittel zu produzieren und Einkommen zu generieren.

Ziel
Die institutionellen und fachlichen Kapazitäten der Akteure im Nil-Delta zur effizienteren Wassernutzung für die landwirtschaftliche Produktion, inkl. Anpassung an den Klimawandel, sind verbessert.

Vorgehensweise
Der Fokus liegt auf 3 Handlungsfeldern:

  1. Stärkung der institutionellen Leistungsfähigkeit des MALR zur Beratung der Marwa-Komiteemitglieder. Sogenannte Marwa Komitees sind als Interessensvertretung der bäuerlichen Kanalanrainer eine treibende Kraft für die Bereitstellung verbesserter Bewässerungsinfrastruktur und sollen u.a. auch dazu beitragen, Wassernutzungskonflikte entlang des Endkanals sowie zwischen damit verbundenen größeren Kanälen zu lösen.
  2. Vertiefung der fachlichen Kompetenzen von BeraterInnenn und Kleinbauern/bäuerinnen zu Methoden und Techniken der Anpassung an den Klimawandel. Als Grundlage wird die Aufklärungsarbeit zu den erwarteten landwirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels vorangetrieben. Gleichzeitig werden erprobte Anpassungsmethoden und -techniken für die Landwirtschaft über den Beratungsdienst an die Bauern weitervermittelt. Dazu werden die bei den landwirtschaftlichen Forschungsinstituten und anderen wissenschaftlichen Institutionen vorliegenden Informationen in zielgruppenorientierten Formaten für das MALR aufbereitet.
  3. Etablierung des Farmer-Field-School-Ansatzes zur Verbreitung von Techniken einer effizienten landwirtschaftlichen Wassernutzung. Der Farmer Field School Ansatz sieht reguläre Treffen zwischen Farmergruppen und ein Moderator aus dem Beratungsdienst während der Anbausaison vor, um relevante Themen zu besprechen und neue Anbaumethoden auf einem Demonstrationsfeld gemeinsam zu testen. Farmer Field Schools können auch auch als Ausgangspunkt für gemeinsame Verbesserungsaktionen an den Bewässerungskanälen dienen.

IP CONSULT (Teil der Arge NIRAS) bearbeitete den Bereich: Stärkung des landwirtschaftlichen Beratungsdienstes durch die Einführung des Farmer Field School Ansatzes.

Wirkungen
Auf nationaler Ebene, wurden als Voraussetzung für die Gründung von Marwa-Komitees, eine Aufgaben- und Zuständigkeitsbeschreibung im Landwirtschaftsministerium verabschiedet. Gemeinsam mit dem Beratungsdienst wurde ein M&E- System entwickelt für eine einheitliche Bewertung von Marwa-Komitee Aktivitäten.

Auf lokaler Ebene wurden in zwei Governoraten (Beheira und Kafr El-Sheikh), 8 Farmer field Schools (FFS) und dazugehörige Demonstrationsfelder für Frauen eingerichtet. Aufgrund des Erfolgs des Farmer Field School Ansatzes bei der Zielgruppe, stellte das Weltbank-Projekt mit MALR und die Afd (Agence française de développement) die Mittel für die Errichtung von 14 weiteren FFS zur Verfügung, die sowohl Frauen als auch Männern dienten. Insgesamt wurden 550 Farmer (mit einem Frauenanteil von mind. 40%) über zwei Anbauzyklen erreicht. Die verbesserten landwirtschaftlichen Praktiken, die gemeinsam in der FFS getestet wurden führten bei den teilnehmenden Farmern zu bis 50% höheren Erträgen bei gleichzeitiger Einsparung von bis zu 20% des Wasserverbrauchs für Bewässerung.

Der Dialog und die Kommunikation zwischen Forschung und dem Beratungsdienst führten zur Stärkung von Verbindungen zwischen lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Beratungsinhalte zu angepassten Anbau- und effizienten Bewässerungsmethoden, die gleichzeitig zum Schutz von Boden- und Wasserresourcen beitragen und Genderaspekte berücksichtigen, wurden entwickelt.

Kontakt

Kirsten Nyman
kirsten.nyman@giz.de