Beratung und Ausbildung für den maritimen Bereich

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Beratung und Ausbildung für den Maritimen Bereich in Timor-Leste
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Timor-Leste
Politischer Träger: Ministerium für öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikation
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2016

Timor-Leste. Praktische Übungen auf See sind wichtiger Teil der Ausbildung. © GIZ

Ausgangssituation

Sowohl für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung Timor-Lestes als auch für die Einbindung abgelegener Gebiete ins Land ist maritimer Transport von großer Bedeutung. Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur als Voraussetzung für weiteres Wirtschaftswachstum und mehr Beschäftigung in Tourismus, Fischerei, Logistik und Transport, ist erklärtes Regierungsziel und im nationalen Entwicklungsplan verankert. Die institutionellen Voraussetzungen für den Aufbau eines funktionierenden maritimen Sektors sind jedoch bisher nicht gegeben. Ein hoher, voraussichtlich weiter steigender Bedarf an ausgebildeten Seeleuten und anderen qualifizierten Fachkräften besteht bereits jetzt. Das Berufsbildungssystem kann den aktuellen und künftigen Bedarf weder qualitativ noch quantitativ decken.

Ziel

Institutionelle, rechtliche und personelle Kompetenzen und Leistungsfähigkeit der maritimen Verwaltung und der Ausbildungseinrichtungen für den maritimen Sektor wurden entwickelt und entsprechen internationalen Standards und Anforderungen.

Vorgehensweise

Das Vorhaben fördert die Gründung einer neuen Schifffahrtsverwaltung sowie die größere Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte für den maritimen Sektor. Projektgebiet sind vor allem die Küstenregionen.

Das Ministerium für öffentliche Arbeiten, Verkehr und Kommunikation wird dabei beraten, wie es die notwendigen rechtlichen, organisatorischen und administrativen Grundlagen zum Aufbau einer Schifffahrtsverwaltung nach internationalen Standards schaffen kann. Weitere Themen der Beratung sind die Entwicklung beschlussfähiger Gesetzesvorlagen sowie die Aufgabenverteilung zwischen Hafen- und Schifffahrtsverwaltung.

Eine Fachkraft unterstützt die neue Schifffahrtsverwaltung bei der Entwicklung von Organisationsstrukturen und Arbeitsplatzbeschreibungen sowie beim Aufbau des Schiffsregisters. Mit der Einführung eines Schiffsregisters wird Timor-Leste erstmalig Schiffe unter eigener Flagge registrieren können.

Der Fährbetreiber wird bei Management und Betrieb der Fähre „Berlin Nakroma" unterstützt, Fachpersonal wird on the Job qualifiziert; ferner wird darauf eingewirkt, den Fährbetrieb internationalen Standards anzupassen.

Aufgrund des ausgeprägten Fachkräftemangels im maritimen Sektor unterstützt das Vorhaben ferner kurzfristige Maßnahmen zur Deckung des unmittelbaren Arbeitskräftebedarfs und berät Berufsbildungseinrichtungen langfristig bei der Entwicklung und Einführung von Ausbildungsgängen. Hier arbeitet das Vorhaben eng mit der Hafenverwaltung, der noch zu gründenden Schifffahrtverwaltung und verschiedenen staatlichen Berufsbildungseinrichtungen zusammen. Das Staatssekretariat für berufliche Bildung und Beschäftigungspolitik wird bei der Integration der Ergebnisse in das nationale Berufsbildungssystem beraten, die Themen Geschlechtergerechtigkeit und Konfliktprävention werden dabei besonders berücksichtigt.

Die Consultingfirma AMBERO unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkung

Entscheidungsträger in Regierung und Parlament sind in Bezug auf die Ratifizierung maritimer Konventionen sensibilisiert. Organigramme und Arbeitsplatzbeschreibungen für die zu gründende Schifffahrtsverwaltung liegen bereit und sind durch ein Handbuch mit grundsätzlichen Aufgaben ergänzt. Es wurden bislang 33 timoresische Seefahrer für die von Deutschland finanzierte Fähre „Berlin Nakroma" ausgebildet. Das Vorhaben unterstützt und berät die neu gegründete Abteilung der Hafenverwaltung „Seeverkehrsdienstleistungen“, die für die Wartung und den Betrieb der Fähre verantwortlich ist.

Eine Gesetzesvorlage zur Gründung der nationalen Schifffahrtsverwaltung liegt vor. Sie wurde von einer technischen Arbeitsgruppe verfasst, die aus Führungspersonal der Hafenverwaltung und dem Hafenmeister besteht und vom Projekt beraten wurde. Der Beitrittsprozess zu den internationalen Kernkonventionen der International Maritime Organization (IMO) ist vom Projekt angestoßen worden und wird kontinuierlich begleitet.

Konzepte und Materialien für mehrere Kurse sind an die Maritime Training Unit am Nationalen Zentrum für berufliche Bildung übergeben worden. Sie umfassen Kurse für das Training von Besatzungsmitgliedern der Fähre „Berlin Nakroma" und von Mitarbeitern der Schifffahrtsverwaltung.

Das Vorhaben unterstützte sowohl die Hafen- als auch die Schifffahrtsverwaltung bei der Konzeption eines strategischen Plans sowie eines Operationsplans für die nächsten fünf Jahre (2014 bis 2018). Ein Such-und Rettungsplan sowie das dazugehörige Handbuch wurde gemeinsam mit dem Hafenmeister von Dili und der zivilen Luftfahrtbehörde entworfen und dem nationalen Katastrophenausschuss zur Beschlussfassung vorgelegt. Der Hafen und der Öl-Terminal Dili wurden bei der Bewertung der Sicherheitsrisiken und dem Entwurf eines Sicherheitsplans gemäß dem Internationalem Code für die Gefahrenabwehr auf Schiffen und in Hafenanlagen (ISPS-Code) unterstützt. Der Plan ist momentan im Genehmigungsverfahren.

Timor-Leste. Die Fähre Berlin Nakroma schafft Verbindungen. © GIZ

Gemeinsam mit der Hafenverwaltung und dem Hafenmeister von Dili erarbeitet das Vorhaben die Grundlagen, die zur Entwicklung eines nationalen Notfallplans für Ölunfälle notwendig sind.