Förderung der ländlichen Entwicklung (RDP)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der ländlichen Entwicklung IV
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Timor-Leste
Politischer Träger: Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei (MAF)
Gesamtlaufzeit: 2012 bis 2015 

Timor-Leste. Bauer mit Maiskolben auf einem Demonstrationsfeld in Bobonaro. © GIZ

Ausgangssituation

In der jungen Nation Timor-Leste herrscht Nahrungsmittelknappheit. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben im ländlichen Raum. Die Mehrheit baut auf weniger als zwei Hektar in Subsistenzwirtschaft unter anderem Reis, Mais, Bohnen oder stärkehaltige Knollen an. Traditionelle Landbearbeitungs- und Anbaumethoden bei fehlender Diversifizierung erzielen nur niedrige Erträge. Der Anteil des Landwirtschaftssektors am Bruttosozialprodukt beträgt etwa 30 Prozent, was die niedrige Produktivität widerspiegelt.

Regelmäßig auftretende Hungerperioden werden durch das Bevölkerungswachstum und drastische Wetterveränderungen, durch die es zu Ernteausfällen kommt, verschärft. Der zunehmende Landdruck verstärkt die Konkurrenz um knappe natürliche Ressourcen und ist immer wieder Ursache von Konflikten.

Beschäftigungs- und Einkommensmöglichkeiten außerhalb der Landwirtschaft sind gering. Timor-Leste besitzt aber ein hohes natürliches Potenzial, um die Produktion von Nahrungsmitteln nachhaltig zu steigern und sich neue Exportoptionen zu erschließen. Die Regierung hat die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung der natürlichen Ressourcen bei gleichzeitigem Schutz von Forst- und Küstenzonen sowie der Biodiversität zu einem der wichtigsten Bausteine der Wirtschaftsentwicklung erklärt.

Timor-Leste. Ein landwirtschaftlicher Berater des Distrikts Baucau erklärt Bauern den Umgang mit der Kaffee-Pulper-Maschine. © GIZ

Um die landwirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, wurde 2008 der staatliche Beratungsdienst gegründet. Er wird von Landwirtschaftsschulen unter dem Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei getragen. Aufgrund mangelhafter Aus- und Fortbildung der Berater und eines unzureichenden Managementsystems des Ministeriums wurden aber mit der neuen Beratung bisher kaum breitenwirksame Ergebnisse erzielt.

Ziel

Die Bevölkerung im Programmgebiet hat ihre Agrarproduktion nachhaltig gesteigert und ihre Ernährungsbasis verbessert.

Vorgehensweise

Im Rahmen des 10. Europäischen Entwicklungsfonds wird der landwirtschaftliche Beratungsdienst Timor-Lestes in Kooperation mit der portugiesischen Entwicklungsagentur Camões hinsichtlich Organisationsfähigkeit, Anwendung von Methoden und Techniken sowie Konfliktmanagement gestärkt. Die Europäische Union (EU) ist Kofinanzier des Vorhabens.

Timor-Leste. Farmer Field Day in Oecusse: Bauern und landwirtschaftliche Berater messen gemeinsam den Feuchtigkeitsgehalt der Maisernte. © GIZ

Das Vorhaben ist in allen zwölf Distrikten Timor-Lestes tätig. Während sich die GIZ überwiegend in Tieflanddistrikten auf die Reis- und Maisproduktion konzentriert, arbeitet Camões im zentralen Hochland mit den Schwerpunkten Kaffee und Forst. Das Vorhaben fügt sich in den nationalen Entwicklungsplan ein.
 

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

  • Für die Maiskampagne wurden in ganz Timor-Leste 206 Demonstrations- und Kontrollfelder installiert und ausgewertet. Im Vergleich zu den traditionell angebauten Maisfeldern konnte in den von der GIZ betreuten Distrikten eine durchschnittliche Ertragssteigerung von 60 Prozent erreicht werden, mancherorts sogar bis zu 300 Prozent.
  • Bei Farmer Field Days, die für die jeweiligen Kampagnen in den Distrikten stattfinden, kommen Bauern, Vertreter von Nichtregierungsorgansationen, Ministeriumsmitarbeiter und Journalisten zusammen. Sie vergleichen gemeinsam den Ertrag von traditionellen Anbaufeldern und den Demonstrationsfeldern mit verbesserten Anbautechniken (GAP, Good Agricultural Practices) und tauschen sich anschließend gemeinsam über Ergebnisse und Produktionsprozesse aus.
  • Sowohl für die Kaffee- als auch für die Mais- und Reis-Kampagnen wurden Trainingsmodule entwickelt und praxisorientiert umgesetzt. Durch audiovisuell unterstützte Kampagnen und die Entwicklung angepasster Kommunikationsinstrumente wurde das Interesse der Bauern geweckt, sich verstärkt an die Feldberater zu wenden und die ertragssteigernden Tätigkeiten in der nächsten Saison selbst auszuprobieren. Mit der nächsten Anbausaison kann überprüft werden, ob die auf Demonstrationsfeldern eingeführten verbesserten Anbaumethoden von den Bauern angenommen und umgesetzt werden.
  • An den Landwirtschaftsschulen in Natarbora und Maliana werden Wiederherstellungs- und Baumaßnahmen wie geplant umgesetzt. Sie ermöglichen die Aufnahme von jeweils rund 300 Schülerinnen und Schülern. Damit eröffnen die Landwirtschaftsschulen nachhaltig berufliche Perspektiven für die Jugendlichen.