Ziviler Friedensdienst: Afghanische Jugend für den Frieden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Afghanische Jugend für den Frieden und die Soziale Integration von jugendlichen Binnenflüchtlingen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Gesamtlaufzeit: 2020 bis 2021

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Ausgangssituation

In Afghanistan ist in den letzten neunzehn Jahren, in denen die NATO präsent war und weitere ausländische Geber versuchten, die staatlichen Strukturen wie auch die Zivilgesellschaft zu stärken, viel geschehen. Die Herbeiführung nachhaltigen Friedens und eine demokratische Entwicklung sind jedoch langfristige Prozesse, die noch zu vollziehen sind. Organisationen mit einem Mandat für gute Regierungsführung und Demokratieentwicklung arbeiten mit Nachdruck darauf hin. Aber die anhaltende Gewalt verhindert den nachhaltigen Erfolg dieser Arbeit.

Die Arbeitslosenquote in Afghanistan ist nach wie vor hoch. Jedes Jahr schließen Hunderte junger Männer und Frauen ein Studium an privaten und staatlichen Universitäten ab und absolvieren eine Berufsausbildung, die meist von internationalen Organisationen und Gebern in Zusammenarbeit mit der Regierung angeboten wird. Aber einen Markt, der ihnen Beschäftigung bieten kann, gibt es nicht. Die wirtschaftliche Lage der Menschen hat sich nicht verbessert; die nationale Armutsquote ist von 38 Prozent 2011/2012 auf 55 Prozent 2016/2017 gestiegen. Langsames Wirtschaftswachstum und eine sich verschlechternde Sicherheitslage sind zwei Ursachen für diese Entwicklung.

Gewalt gegen Frauen ist ein anhaltendes, Kinderheirat ein nach wie vor ungelöstes Problem. Zur Beilegung von Konflikten und Lösung von Problemen in ihren Gemeinschaften wenden die Menschen in Afghanistan meist traditionelle Methoden unter der Leitung der Ältesten an. Probleme werden großenteils noch mit Gewalt gelöst.

Afghanistan ist eines der Länder mit einem Jugendanteil von 60 Prozent der Gesamtbevölkerung. Viele Jugendliche leiden unter den Folgen der allgegenwärtigen Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart. Jugendliche in Afghanistan finden zudem immer weniger Möglichkeiten zu lernen, wie sie mit Stress und Hoffnungslosigkeit umgehen, sich ausdrücken und Selbstvertrauen entwickeln können. Kinder und Teenager verstehen die politischen Ursachen des Bürgerkriegs oft nicht, glauben aber, dass ethnische und religiöse Unterschiede direkt dafür verantwortlich sind. So bleiben sie ihren Vorurteilen verhaftet, sind Opfer politischer Manipulation und können zu Rassismus und Fanatismus aufgestachelt werden.

Ziel

Afghanische Jugendliche tragen dazu bei, dass Konflikte ihrer Gemeinschaften friedlich gelöst werden. Sie helfen, das soziale Gefüge wiederherzustellen, und haben eine Stimme in der Gesellschaft. Sie sind Vorbilder für positive Veränderungen in ihren Gemeinschaften.

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Vorgehensweise

Das Programm „Afghanische Jugend für den Frieden und die Soziale Integration von jugendlichen Binnenflüchtlingen“ ist darauf ausgerichtet, erreichte Wirkungen früherer ZFD-Aktivitäten miteinander zu verknüpfen und ihre Nachhaltigkeit weiter zu fördern. Der Zivile Friedensdienst (ZFD) unterstützt seine Partnerorganisationen „Afghanische Jugend für den Frieden“ und „Soziale Integration von jugendlichen Binnenflüchtlingen“, um die Selbstbestimmung afghanischer Jugendlicher zu stärken (Empowerment). Junge Männer und Frauen werden durch Weiterbildungen in jenen Fähigkeiten gestärkt, die für den Aufbau gewaltfreier Beziehungen grundlegend sind: aktiv zuhören, Vertrauen bilden, eigene Emotionen wie Wut und Angst verstehen und neue Verhaltensformen erlernen können. Das Programm hilft ihnen außerdem, neue Vorstellungen von Geschlechterrollen zu entwickeln.

Das Programm baut sowohl in seiner Wirkungslogik als auch in den verwendeten Ansätzen auf den bisherigen Maßnahmen auf. Außerdem soll eine starke Verbindung zwischen den Zielgruppen hergestellt werden.

Dafür begabte Jugendliche in sozialen Gemeinschaften und bei der informellen Ansiedlung von Binnenflüchtlingen werden ermutigt, aktiv soziale Verantwortung und demokratische Führung zu übernehmen. Jugendliche, die sich für die Menschenrechte anderer einsetzen, werden dafür geschult, als Interessenvertreter konstruktiv mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Gruppen, die ethnische und religiöse Spaltungen überwinden wollen, werden in Dialogprozessen unterstützt.
Lokalpolitiker, Beamte, Polizisten, Gemeindeälteste, Mullahs und Journalisten werden für die Rechte und Anliegen junger Menschen sensibilisiert. Auch die landesweite Vernetzung junger Menschen durch soziale Medien wird vom ZFD gefördert. Zur Durchführung dieser Aktivitäten unterhält der ZFD zwei Büros. Ein Büro in Kabul deckt die Aktivitäten in der Hauptstadt, in Badakhshan und Takhar ab. Das zweite Büro befindet sich in Mazar-e-Sharif. Von diesen Büros aus beraten und unterstützen Teams nationaler ZFD-Fachkräfte afghanische Organisationen und Jugendgruppen.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern – Aufnahmeregionen stabilisieren – Flüchtlinge unterstützen“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Wirkungen

Das ZFD-Programm der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH zur Friedensförderung und friedlichen Konfliktbearbeitung in Afghanistan hat zwischen 2004 und 2019 folgende Wirkungen erreicht:

Wirkungen 2004–2014

  • Durch Theateraufführungen wurden Feindbilder zwischen benachbarten ethnischen und religiösen Gruppen abgebaut.
  • Friedenskarawanen haben Menschen aus dem Norden und dem Süden des Landes zusammengebracht.
  • Ein Curriculum für die Friedenserziehung, das mit Beteiligung des ZFD entstanden ist, wurde in der Ausbildung von mehr als 20.000 Lehrerinnen und Lehrern eingeführt.
  • Aktivisten von 20 afghanischen Universitäten sind miteinander vernetzt und setzen sich für die Etablierung des Faches „Frieden“ ein.

Wirkungen 2015–2019

  • Mehr als 1.000 junge Männer und Frauen haben eine Weiterbildung in „Life and Leadership Skills“ erhalten. Dank dieser Weiterbildung sollten sie in der Lage sein, effektiv zu kommunizieren, mit Stress umzugehen, ihre Emotionen zu kontrollieren und sich nachdrücklich für ihre Rechte und die Rechte ihrer Gemeinschaft einzusetzen.
  • Die Unterstützung für die Gleichberechtigung der Geschlechter hat sich besonders in der jungen Generation verbreitet.
  • Mitglieder von traditionellen Gemeinderäten (Shuren) sind in Konfliktbearbeitung geschult und setzen sich für die Rechte von Kindern ein.
  • Medienschaffende haben ein stärkeres Bewusstsein für ihren Einfluss auf den Verlauf von Konflikten. Während der Präsidentschaftswahlen 2014 haben die Massenmedien wesentlich zur hohen Wahlbeteiligung und zur Deeskalation zwischen den politischen Lagern beigetragen.
  • Jugendliche haben über die vom ZFD angebotenen Bildungsmaßnahmen gelernt, das darin erworbene Wissen anderen Jugendgruppen weiterzugeben.
  • In Samangan, Takhar und Badakhshan wurden Jugendgruppen gegründet, die im Auftrag des ZFD Schulungen für Lebenskompetenzen und Friedensförderung durchführen.
  • Friedensjournalismus wurde an der Universität Balkh eingeführt und wird nun als bewertetes Fach an der Fakultät für Journalismus gelehrt.
  • Theater der Unterdrückten wurde an der Fakultät der schönen Künste der Universität Kabul als Fach eingeführt und wird nun im dritten und vierten Semester gelehrt.
  • Mehr als 1.500 Menschen wurden in 10 Bezirken von Mazar in Konfliktbearbeitung geschult. Diese Workshops führten im Rahmen des ZFD-Programms ausgebildete junge Aktivisten durch.
  • Drei Ausgaben der Bücher von Pacha Khan (einem gewaltfreien afghanischen Aktivisten) wurden gedruckt und vor allem an die junge Generation verteilt, um eine Kultur des gewaltlosen Kampfes in der Gesellschaft zu entwickeln.

Weitere Informationen