Ziviler Friedensdienst: Afghanische Jugend für den Frieden

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst: Afghanische Jugend für den Frieden
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2018

ZFD Afghanistan. Teilnehmende eines „Participatory Peace Building“-Workshops diskutieren ihre Vision von einem friedlichen Afghanistan. © GIZ

Ausgangssituation

In Afghanistan setzt sich der Aufstand radikaler Islamisten auch nach 15 Jahren internationaler Militärpräsenz fort. Die Zentralregierung ist durch Machtkämpfe zwischen ehemaligen Kriegsherren und durch Korruption gelähmt. Neben fehlender Sicherheit und schweren Menschenrechtsverletzungen ist vor allem das Bevölkerungswachstum eine Herausforderung.

Jedes Jahr drängen 400.000 Jugendliche auf einen schrumpfenden Arbeitsmarkt. Noch immer haben viele junge Männer und Frauen eine mangelhafte Schul- und Berufsausbildung. Sie sind häufig Opfer von Gewalt oder werden zur Gewaltausübung benutzt. Einen konstruktiven Umgang mit sozialen Problemen und Konflikten haben sie weder durch ihre Erziehung zu Hause noch in der Schule erlernt. Viele Jugendliche leiden unter den Folgen der allgegenwärtigen Gewalt in Vergangenheit und Gegenwart. Sie verstehen die politischen Ursachen des Bürgerkriegs nicht und machen ethnische und religiöse Unterschiede direkt dafür verantwortlich. Dadurch bleiben sie Opfer ihrer Vorurteile und politischer Manipulation.

In der Gesellschaft, die noch immer durch traditionelle Hierarchien geprägt ist, findet die Jugend wenig Gehör und Anerkennung. In Gegenwart von Älteren sollen Jugendliche schweigen. Dennoch suchen viele afghanische Jugendliche nach neuen Perspektiven, um gemeinsam ihr Leben zu meistern. Sie wollen zu Frieden und demokratischem Wandel in ihrem Land beitragen.

Ziel

Afghanische Jugendliche tragen dazu bei, dass Lebensprobleme und Konflikte ihrer Gemeinschaften gewaltfrei gelöst werden. Sie tragen zur Wiederherstellung des sozialen Gefüges bei und haben eine Stimme in der Gesellschaft.

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdienst (ZFD) stärkt die Selbstbestimmung afghanischer Jugendlicher (Empowerment). Junge Männer und Frauen werden durch Weiterbildungen in jenen Fähigkeiten gestärkt, die für den Aufbau gewaltfreier Beziehungen grundlegend sind: aktives Zuhören, Vertrauen bilden, eigene Emotionen wie Wut und Angst verstehen und neue Verhaltensformen erlernen können. Sie werden darin unterstützt, neue Vorstellungen über die Rollen der Geschlechter zu entwerfen.

Dafür begabte Jugendliche werden zur aktiven Übernahme von sozialer Verantwortung und demokratischer Führung ermutigt. Jugendliche, die sich für die Menschenrechte anderer einsetzen, bekommen Trainings, wie sie als Interessenvertreter konstruktiv mit den Behörden zusammenarbeiten können (Advocacy). Gruppen, die ethnische und religiöse Spaltungen überwinden wollen, werden in Dialogprozessen unterstützt.

Lokale Politiker und Beamte, Polizisten, Gemeindeälteste, Mullahs und Journalisten werden für die Rechte und Anliegen von Jugendlichen sensibilisiert. Die landesweite Vernetzung von Jugendlichen durch soziale Medien wird vom ZFD ebenso gefördert. Zur Durchführung dieser Aktivitäten unterhält der ZFD ein Büro in Mazar-e Sharif, von dem aus ein Team von nationalen ZFD-Fachkräften afghanische Organisationen und Jugendgruppen berät und begleitet.

Wirkung

Das ZFD-Programm der GIZ zur Friedensförderung und friedlichen Konfliktbearbeitung in Afghanistan hat zwischen 2004 und 2015 folgende Wirkungen erreicht:

  • Durch Theateraufführungen wurden Feindbilder zwischen benachbarten ethnischen und religiösen Gruppen abgebaut.
  • Friedenskarawanen haben Menschen aus dem Norden und dem Süden des Landes zusammengebracht.
  • Ein Curriculum für die Friedenserziehung, das mit Beteiligung des ZFD entstanden ist, wurde in der Ausbildung von mehr als 20.000 Lehrerinnen und Lehrern eingeführt.
  • Aktivisten von 20 afghanischen Universitäten sind miteinander vernetzt und setzen sich für die Etablierung des Faches „Frieden“ ein.
  • Die Unterstützung für die Gleichberechtigung der Geschlechter hat sich besonders in der jungen Generation verbreitet.
  • Mehr als 500 junge Männer und Frauen haben eine Weiterbildung in friedensrelevanten „Life and Leadership Skills“ erhalten, viele von ihnen engagieren sich seitdem eigenverantwortlich in der Zivilgesellschaft.
  • Mitglieder von traditionellen Gemeinderäten (Shuren) sind in Konfliktbearbeitung geschult und setzen sich für die Rechte von Jugendlichen ein.
  • Medienschaffende haben ein stärkeres Bewusstsein für ihren Einfluss auf den Verlauf von Konflikten. Während der Präsidentschaftswahlen 2014 haben die Massenmedien wesentlich zur hohen Wahlbeteiligung und zur Deeskalation zwischen den politischen Lagern beigetragen.
  • Hunderttausende Menschen in Afghanistan haben an Veranstaltungen für Frieden und Versöhnung teilgenommen oder sie im Fernsehen verfolgt.