Ziviler Friedensdienst: Förderung des integrierten Friedenskonsolidierungsprozesses

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm Ziviler Friedensdienst
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Burundi
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2017

Burundi  © GIZ

Ausgangssituation

Seit seiner Unabhängigkeit 1962 hat Burundi mehrere Zyklen von Gewalt erlebt, die 1993 in einen blutigen Bürgerkrieg mündeten. Auch nach dessen Beendigung im Jahr 2008 stellt die gewaltvolle Vergangenheit die zerrissene burundische Gesellschaft vor enorme Herausforderungen.

Mehr als 300.000 Menschen wurden allein während des Bürgerkrieges umgebracht, geschätzt 700.000 Menschen haben das Land verlassen. Eine Aufarbeitung der Vergangenheit hat bisher jedoch kaum stattgefunden. Eine Kultur der Straflosigkeit hat sich etabliert. Große Teile der Bevölkerung sind durch individuelle und kollektive Kriegserlebnisse traumatisiert. Gegenseitiges Misstrauen zwischen den ethnischen und vor allem zwischen politischen Gruppen, eine erhöhte Gewaltbereitschaft sowie die Angst vor einem Rückfall in die Gewalt sind die Folgen. Armut, schwache Institutionen und Landkonflikte, insbesondere im Kontext der Flüchtlings- und Vertriebenenrückführung, belasten den ohnehin fragilen Frieden zusätzlich.

Ziel

Peacebuilding und Ansätze gewaltfreier Konfliktbearbeitung in staatlichen und nichtstaatlichen Strukturen sind gestärkt, sodass die burundische Gesellschaft befähigt ist, die Vergangenheit zu bewältigen und aufkommende Konflikte gewaltfrei zu lösen.

Burundi  © GIZ

Vorgehensweise

Im Kontext des nationalen Wahrheits- und Versöhnungsprozesses stärkt das Programm Ziviler Friedensdienst (ZFD) insbesondere die Zivilgesellschaft bei der Umsetzung der im Arusha-Friedensabkommen von 2000 beschlossenen Mechanismen zur Vergangenheitsaufarbeitung. Darüber hinaus unterstützt der ZFD die Entwicklung zivilgesellschaftlicher Alternativen zu den staatlichen Bemühungen um die Aufarbeitung der Vergangenheit. Zukünftig soll den Überlebenden-Organisationen eine besondere Rolle bei der Formulierung und Durchsetzung von Opferrechten zukommen.
In Kooperation mit UNICEF unterstützt der ZFD staatliche Familienzentren auf Gemeindeebene sowie andere soziale Einrichtungen dabei, ihre Angebote in den Bereichen Traumaberatung und zivile Konfliktbearbeitung weiterzuentwickeln und damit ein landesweites System zur psychosozialen Rehabilitation zu etablieren. Um die Kultur der Gewalt zu unterbrechen, fördert er den Dialog zwischen den Generationen sowie die Sensibilisierung, insbesondere von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zur gewaltfreien Konfliktlösung.

Partnerorganisationen des ZFD sind neben UNICEF das burundische Ministerium für nationale Solidarität, Menschenrechte und Gender, die Plateforme des intervenants dans le domaine psycho-social et de la santé mentale (Plattform für Akteure im Bereich Psychosoziales und psychische Gesundheit), das Forum pour le Renforcement de la Société Civile (Forum zur Stärkung der Zivilgesellschaft), Trauma Healing And Reconciliation Services (Dienst für Traumabewältigung und Versöhnung) und verschiedene Organisationen zur Unterstützung von Gewaltopfern.

Wirkungen

  • Über 300 lokale Autoritäten und Vertreter der Zivilgesellschaft wurden auf Provinz- und Gemeindeebene zu den wesentlichen Aspekten der Übergangsjustiz geschult. In ihrer Rolle als Multiplikatoren haben sie mehr als 6.000 weitere Personen über Möglichkeiten und Grenzen einer Teilnahme am Prozess der Vergangenheitsaufarbeitung informiert.
  • Ein Ausbildungskonzept zur psychologischen Unterstützung von Traumatisierten wurde gemeinschaftlich entwickelt, mehr als 500 Mitarbeitende staatlicher Strukturen auf Provinz- und Gemeindeebene wurden damit geschult.
  • Die Bevölkerung kennt durch Sensibilisierungsmaßnahmen die vorhandenen Strukturen zur psychosozialen Unterstützung. Betroffene nehmen diese wahr, was zur Rehabilitation und Reintegration der Betroffenen in ihren Gemeinden beiträgt.
  • Durch Workshops und Trainings zu Gewaltprävention und Konflikttransformation konnten die Konfliktlösungsfähigkeiten von mehr als 500 Teilnehmenden verbessert werden. Damit wurde ein Beitrag zur Versöhnung zwischen politisch und ethnisch verfeindeten Gruppen geleistet.

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