Förderung von Privatwirtschaft und Beschäftigung

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung von Privatwirtschaft und Beschäftigung im Jemen
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jemen
Gesamtlaufzeit: 2019 bis 2022

+++ Im Rahmen der Corona-Pandemie wurde dieses Projekt um Maßnahmen erweitert, die dazu beitragen, der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken und seine Auswirkungen abzuschwächen. +++

Jemen. Junge Mädchen erlernen das Schneiderhandwerk © GIZ

Ausgangssituation

Jemen ist weltweit eines der am wenigsten entwickelten Länder. Der seit 2014 andauernde Bürgerkrieg hat dazu geführt, dass sich die schon zuvor fragile wirtschaftliche und soziale Situation weiter verschlechtert hat. Die Einfuhren in den Jemen und die Energieversorgung sind fast vollständig kollabiert. Viele Unternehmen mussten schließen, die Arbeitslosigkeit stieg weiter an. 

Die Solarenergie wächst seit 2015, wodurch die Energieengpässe teilweise kompensiert werden konnten. Sie leistet einen wichtigen Beitrag beim Aufrechterhalten der Landwirtschaft sowie beim Betrieb von kleinsten und kleinen Unternehmen. Allerdings ist die Qualität der eingesetzten Systeme ausbaufähig.

Kleinste und kleine Unternehmen – nicht nur in der Solarbranche – haben für gewöhnlich jedoch keinen Zugang zu innovativen Finanzdienstleistungen. Sie haben kaum Spielraum, wenn sie ihre Produkte potentiellen Käufer*innen anbieten. Für Frauen ist das Problem besonders akut, da sie oft keine Kreditsicherheiten haben und ihnen häufig finanzielles Grundwissen fehlt.

Ziele

Im Jemen sind die Einkommensmöglichkeiten und Beschäftigungsfähigkeit in ausgewählten Wertschöpfungsketten, insbesondere im Solarbereich, verbessert.

Jemen. Ein Handyladen fördert die Kommunikation und die Beschäftigung von Jugendlichen © GIZ

Vorgehensweise

Das Programm arbeitet mit kleinsten und kleinen Unternehmen sowie mit Arbeitssuchenden gemeinsam. Es unterstützt privatwirtschaftliche Akteure durch Trainings und Beratungsleistungen, insbesondere in den Bereichen Solar-Finanzierung, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie Zugang zu Finanzdienstleistungen.

Die Umsetzung konzentriert sich vorwiegend auf Bereiche in und um die Städte Sana’a und Aden. Die Partnerorganisationen werden dabei sorgfältig und konfliktsensitiv ausgewählt. Dies geschieht unter Do-No-Harm-Gesichtspunkten. Der Ansatz formuliert Grundregeln für eine konfliktsensible Durchführung von Aktivitäten, insbesondere in Krisengebieten.

Aufgrund der komplexen politischen Rahmenbedingungen und der fragilen Sicherheitslage wird das Projekt aus Deutschland gesteuert. Trotzdem kümmern sich Mitarbeiter*innen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) vor Ort um die kontinuierliche Umsetzung im Jemen. Sie halten die engen Arbeitsbeziehungen zu den Partnerorganisationen und den Projektbegünstigten aufrecht.

Das Vorhaben arbeitet in drei Handlungsfeldern:

 

  • Handlungsfeld 1
    Dabei geht es um die Verbesserung der Unterstützungsangebote für Existenzgründer*innen und lokale Kleinst- und Kleinunternehmer*innen in ausgewählten Wertschöpfungsketten, insbesondere im Solarbereich. Die Akteure bekommen Vernetzungsangebote, beispielsweise durch neu gegründete Dialogplattformen in Sana’a und Aden.

  • Handlungsfeld 2
    Mikrofinanzinstitutionen (MFI) werden bei der Entwicklung von Dienstleistungen unterstützt, insbesondere für den Solarbereich. Das Programm berät bei Technik und Prozessentwicklung (zum Beispiel durch Marktstudien, Trainings und Coachings) und erleichtert so die Markteinführung und den Vertrieb neuer Produkte. Parallel dazu werden Trainings zu den Grundlagen der Finanzkompetenz weiterentwickelt und durchgeführt, um damit die Kreditnehmer*innen zu stärken, insbesondere Frauen.

  • Handlungsfeld 3
    Jugendliche bekommen Qualifizierungsangebote, die sich nach den Bedarfen von Kleinst- und Kleinunternehmer*innen richten. Die Angebote orientieren sich verstärkt am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt. Auch nicht-formale Lernangebote sind enthalten. Jugendliche werden in der Installation und Wartung von Solaranlagen sowie im IT-Bereich geschult. Zusätzlich erhalten Berufseinsteiger*innen Karriereberatung und Hilfe bei der Jobsuche. Das Projekt berät und finanziert Arbeitsagenturen, Handelskammern und, dort wo es sich anbietet, lokale Nichtregierungsorganisationen (auf Englisch kurz: NGOs) und Trainingsanbieter.

COVID-19

Im März 2020 zeichnete sich ab, dass der Jemen besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen sein würde. Eine umgehende Reaktion war gefragt.

  • Über eine NGO haben die Behörden in Sana‘a 280.000 Schutzmasken bestellt. Jugendliche, die an Berufsbildungsmaßnahmen teilnehmen, wurden zusätzlich für die Herstellung von Masken qualifiziert. Sie konnten sich damit neue Einkommensmöglichkeiten erschließen.
  • Laufende Trainingsangebote wurden virtualisiert. Die für das Programm im Land tätigen Trainer*innen haben Didaktik und Inhalte an die digitalen Formate angepasst, so dass ein Großteil der Trainings weiterlaufen kann.


Stand: September 2020

Jemen. Motorräder werden instand gesetzt © GIZ

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