Nachhaltige Geschäftsmodelle und verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten für den Agrarsektor

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Initiative landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Tunesien
Politischer Träger: Ministère de l’Agriculture, des ressources hydrauliques et de la pêche
Gesamtlaufzeit: 2015 bis 2019

Ausgangssituation

Der Agrarsektor nimmt im Sozialplan Tunesiens einen wichtigen Platz ein. Fast ein Fünftel der Beschäftigten arbeiten in diesem Bereich. In den vernachlässigten Regionen Tunesiens ist Landwirtschaft die Hauptwirtschaftsaktivität, mit einer Erwerbsquote von mehr als 40 Prozent in der Region Nord-Ouest und mehr als einem Drittel in der Region Centre-Ouest. Trotzdem generiert der Agrarsektor weniger als 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die tunesische Landwirtschaft ist stark durch Familienbetriebe geprägt. Mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften weniger als 5 Hektar. Investitionen in die Landwirtschaft machen weniger als 10 Prozent der gesamtwirtschaftlichen Investitionen aus.

Eines der Hindernisse für Wachstum des Agrarsektors ist der mangelnde Zugang zu Krediten. Nicht einmal 10 Prozent aller Landwirte erhalten einen Kredit. Die Banken investieren wegen der geringen Gewinnspanne, der häufigen Dürren, eines mangelhaften Garantiemechanismus und fehlender alternativer Garantien ungern in den Agrarsektor. Kleinbauern sind besonders benachteiligt: Sie erhalten kaum Kredite und viele von ihnen kämpfen mit Verschuldung.

Ziel

Zusammenschlüsse von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie Betriebe der Verarbeitung und Vermarktung in den Regionen Centre-Ouest und Nord-Ouest setzen zukunftsfähige, durch verbesserte Beratung begleitete Geschäftsmodelle um.

Vorgehensweise

Das Vorhaben will Kleinbäuerinnen und -bauern sowie kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten erleichtern. Es arbeitet im ländlichen Raum in den Regionen Centre-Ouest und Nord-Ouest mit verschiedenen landwirtschaftlichen Branchen zusammen. Das Thema Investitionsförderung wird mit Beratungen zur Planung und Umsetzung wertschöpfungskettenspezifischer Geschäftsmodelle kombiniert. Das Vorhaben arbeitet in drei Handlungsfeldern:

  1. Zusammenschlüsse von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie KMU der Ernährungswirtschaft werden bei der Planung von Investitionen und der Umsetzung von Geschäftsmodellen beraten. So lernen sie, eigenständige, gut informierte Investitionsentscheidungen zu treffen.
  2. Ausgewählte zukunftsfähige Geschäftsmodelle werden in Pilotprojekten umgesetzt. Die ausgewählten Geschäftsmodelle müssen eine externe Finanzierung aufweisen. Weitere Auswahlkriterien sind die Orientierung an sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeitskriterien, etwa Umweltschutz oder Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Die Betriebe können produktivitäts- und gewinnsteigernd in ressourcenschonende, umweltverträgliche Technologien investieren, beispielsweise für Kleinbewässerung, Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung.
  3. Die Erfahrungen aus erfolgreichen Investitionsbeispielen und neuen Geschäftsmodellen werden dokumentiert und verbreitet. Die staatlichen Investitionsförderer und privaten Finanzdienstleister lernen von den Erfahrungen aus dem Vorhaben und können Kleinbauernorganisationen und KMU bessere Dienstleistungen anbieten. Kleinbauernorganisationen und Verarbeiter erkennen das Potenzial anhand der anschaulichen Praxisbeispiele und werden motiviert, ebenfalls Investitionen zu tätigen.

Der politische Träger des Vorhabens ist das tunesische Agrarministerium, vor allem die Planungsdirektion. Dezentral ist die Landwirtschaftsbehörde des jeweiligen Gouvernorats staatlicher Partner des Vorhabens.

Das Vorhaben ist Teil der Sonderinitiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zur Stabilisierung und Entwicklung in Nordafrika und Nahost. Mit den Projekten der Sonderinitiative trägt das Ministerium dazu bei, wirtschaftliche und soziale Perspektiven für die Menschen in der Region zu schaffen. In diesem Rahmen stehen für Vorhaben der GIZ und anderer Durchführungsorganisationen in den Jahren 2014 bis 2021 bisher mehr als 300 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung. Im Fokus stehen dabei die Themenbereiche Jugend- und Beschäftigungsförderung, wirtschaftliche Stabilisierung, Demokratisierung sowie die Stabilisierung von Nachbarländern in Krisensituationen.

Wirkungen

Über zwei Kooperationsprojekte in der Olivenölbranche hat das Projekt zunächst 7 Zusammenschlüsse von Kleinbäuerinnen und -bauern dabei unterstützt, in Technologien und Infrastruktur zu investieren. Zudem hat es eine Analyse zur Finanzierung des Agrarsektors lanciert. Darüber hinaus hat das Vorhaben potenzielle Pilotprojekte ermittelt und 7 Regionalzellen zur Förderung von Investitionen im Agrarsektor aufgebaut. Deren Ziel ist es, den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Vertretern der tunesischen Verwaltung, von Banken und Mikrofinanzierungsinstituten zu stärken. Der Zugang zu Informationen über Finanzierung soll verbessert werden, Geschäftsmodelle sollen bekannter gemacht werden.