Innovationsfonds in Kolumbien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Innovationsfonds in Kolumbien
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kolumbien
Politischer Träger: Kolumbianisches Präsidialamt für Internationale Zusammenarbeit (APC-Colombia)
Gesamtlaufzeit: 2013 bis 2017

Kolumbien: Lina Viviana Peña, eine der Mitarbeiterinnen des „Hauses der Erinnerung“, im ersten Ausstellungssaal. © GIZ

Ausgangssituation

Der bewaffnete Konflikt in Kolumbien begann vor 50 Jahren mit der Gründung linksgerichteter Guerillagruppen, die unter anderem für eine Landreform und eine gerechtere Verteilung des Reichtums des Landes zu den Waffen griffen. Die bekanntesten sind die Gruppen FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) und ELN (Ejército de Liberación Nacional). Ab den 1970er Jahren befeuerten rechtsgerichtete paramilitärische Gruppen den Konflikt. Im Jahr 2012 nahm die Regierung von Präsident Santos Friedensgespräche mit der größten Guerillagruppe, den FARC, auf. Ein Friedensschluss wird noch 2016 erwartet. Auch danach steht der Staat vor riesigen Herausforderungen, zum Beispiel bei der Entschädigung der Opfer und ihrer Einbeziehung in politische Entscheidungen. Es fehlen innovative Ansätze und Instrumente zur Bewältigung des bewaffneten Konfliktes und zur Prävention neuer Konflikte, um schon vor dem möglichen Friedensschluss mit den FARC in besonders betroffenen Regionen ein gewaltfreies Zusammenleben zu fördern.

Ziel

Innovative Pilotprojekte zur Friedensförderung und Krisenprävention in Kolumbien sind umgesetzt.

Vorgehensweise

Ein Fonds stellt Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft landesweit Mittel von bis zu jeweils 100.000 Euro pro Einzelmaßnahme zur Verfügung. Ein Gremium, in dem die Deutsche Botschaft, das kolumbianische Präsidialamt für Internationale Zusammenarbeit und die GIZ vertreten sind, wählt die förderwürdigen Anträge etwa alle neun Monate aus. Die ausgewählten Initiativen werden fachlich und kaufmännisch beraten. Besonders berücksichtigt werden regionale und lokale Initiativen, die in anderen Landesteilen wiederholt werden könnten, Maßnahmen mit konkretem Bezug zum aktuellen Friedensprozess, Vorschläge, die stark betroffene Opfergruppen wie Frauen oder Indigene berücksichtigen, sowie Ideen, mit denen beteiligte Institutionen wie zum Beispiel staatliche Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Opfervereinigungen gestärkt werden.

Wirkungen

Bisher wurden 25 Maßnahmen unterstützt, 15 konnten bis Ende 2015 erfolgreich abgeschlossen werden. Insgesamt 14 Maßnahmen können anderen Regionen des Landes als Vorbild dienen. So hält beispielsweise das „Haus der Erinnerung“ in Tumaco in der Provinz Nariño die Erinnerung an den Konflikt wach. Darüber hinaus schulen die Angestellten Opfer darin, ihre Rechte einzufordern.

22 der Maßnahmen wurden lokal umgesetzt, und zwar in Regionen, in denen der Konflikt besonders stark wütete. So wird aktuell eine Gruppe von Binnenflüchtlingen in Florencia in der Provinz Cáqueta im Anbau und in der Vermarktung von Gewürzkräutern geschult. Nun haben 37 Familien, die bislang von illegalem Kokaanbau lebten, eine wirtschaftliche Alternative.

Kolumbien: In der Schulbibliothek von Benposta Bogotá. © GIZ

19 der unterstützten Initiativen stärken vom Konflikt besonders betroffene Bevölkerungsgruppen. In der Provinz Quindío lernten 80 Familien des indigenen Volks Embera Chami, ihre Rechte gemäß dem Opferschutzgesetz einzufordern. Die Nichtregierungsorganisation Benposta mit Hauptsitz in Bogotá konnte 145 Kinder vor der Zwangsrekrutierung durch bewaffnete Gruppen bewahren und an sicheren Orten unterbringen.

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