Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: (Re-)Integration ehemaliger vietnamesischer Flüchtlinge

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Förderung der konfliktsensiblen (Re-)Integration ehemaliger vietnamesischer Flüchtlinge und anderer ethnischer Minderheiten
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kambodscha
Gesamtlaufzeit: 2014 bis 2019

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Ehemalige vietnamesische Flüchtlinge leben auf Hausbooten, da sie ohne kambodschanische Staatsbürgerschaft kein Land erwerben dürfen. © GIZ

Ausgangssituation

Jahrzehnte gewaltsamer Konflikte führten in Kambodscha zu massiven Bevölkerungsbewegungen, Flucht und Vertreibung. Die Folgen dieser Gewalt beeinträchtigen bis heute eine nachhaltige und sozial gerechte Entwicklung. Insbesondere die vietnamesische Minderheit leidet unter historisch verwurzelter Diskriminierung.

Zur Zeit der Khmer Rouge in den 1970er-Jahren wurden rund 170.000 ethnische Vietnamesen aus Kambodscha deportiert, etwa 20.000 wurden Opfer ethnischer und politischer Säuberungen. In den 1980er-Jahren kehrte die Mehrheit der Geflüchteten nach Kambodscha zurück. Aber auch Einwanderer aus Vietnam, die mit der vietnamesischen Armee nach Kambodscha kamen, ließen sich im Land nieder. Die Behörden behandelten die Geflüchteten nicht als Rückkehrende, sondern als Einwandernde. Ihre de facto Staatenlosigkeit und die daraus resultierende soziale, ökonomische und politische Ausgrenzung machen sie zu einer der schwächsten Gruppen Kambodschas. Eine vermeintliche vietnamesische Bedrohung prägt die Wahrnehmung und die Einstellungen vieler Kambodschaner. Gründe hierfür sind mangelnde Geschichtsaufarbeitung und ungeklärte Territorialkonflikte in den Grenzregionen zwischen Kambodscha und Vietnam. Zunehmende vietnamesische Investitionen und daraus resultierende Landkonflikte verstärken die Stigmatisierung. Die öffentliche Diskussion um die vietnamesische Minderheit ist in Kambodscha hochgradig politisiert, polarisiert und durch nationalistische Emotionen geprägt.

Ziel

Die (Re-)Integration der langansässigen vietnamesischen Minderheit, insbesondere der zurückgekehrten Geflüchteten, ihre politische Teilhabe sowie ihre Rechtslage sind verbessert. Das Bewusstsein für die prekäre Situation dieser Gruppen ist erhöht. Der soziale Zusammenhalt in multiethnischen Kommunen ist gestärkt und Konfliktpotenzial reduziert. Die Zukunftschancen der ethnischen Vietnamesen und anderer Minderheiten sind erhöht.

Vorgehensweise

Der Zivile Friedensdient (ZFD) trägt dazu bei, die spezifischen Ursachen des sozioökonomischen Ausschlusses der vietnamesischen Minderheit zu ermitteln, Kooperation und friedliche Konflikttransformation zu stärken sowie ein Bewusstsein für die prekäre Rechtslage dieser Gruppe zu schaffen. Der ZFD arbeitet mit lokalen Nichtregierungsorganisationen zusammen und fördert den Austausch mit verschiedenen Stakeholdern, darunter auch Lokalbehörden und Regierungsinstitutionen. 

Grundlagenforschung über historische Erfahrungen und sozioökonomische Bedarfe verbessert die Informationslage über die vietnamesische Bevölkerungsgruppe und andere Minderheiten. Ein Schwerpunkt ist hier Forschung zum Zugang zu Bildung. Die Forschungsergebnisse sollen im öffentlichen Diskurs dazu beitragen, Vorurteile und Ängste vor einer vermeintlichen Vietnamisierung und Ausbeutung durch Fremde abzubauen.

In Dialogprozessen sowie durch Informations-, Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit stärken junge Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft ihre Kompetenzen zur Überwindung ethnischer Diskriminierung und gewaltfreier Konflikttransformation. Vernetzung unterschiedlicher Akteure soll Strukturen für eine Gesellschaft schaffen, die ihre ethnische Vielfalt anerkennt.

Betroffene selbst sowie lokale Behörden werden über die Rechtssituation und die daraus resultierenden Schwierigkeiten vietnamesischer Minderheiten aufgeklärt. Mittelfristig entstehen so mehr Unterstützer und Fürsprecher (Advocacy-Aktivität) für eine Stärkung des rechtlichen Status ethnischer Vietnamesen. Rechtsberatung, Radiosendungen über interethnische Beziehungen, Theaterworkshops, Dokumentationen und Filme, Trainings sowie öffentliche Veranstaltungen sorgen darüber hinaus für Aufklärung und Information.

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern – Flüchtlinge reintegrieren“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Wirkungen

Die Informationslage zur Situation der vietnamesischen Minderheiten hat sich verbessert. Menschenrechtsverletzungen wurden dokumentiert. Eine Wanderausstellung informiert in mehreren Provinzen über die Deportation und Ermordung ethnischer Vietnamesen und Cham während des Khmer-Rouge-Regimes. Besucher konnten die vorherrschende Geschichtsschreibung und ihre Vorurteile kritisch hinterfragen. Ein Dokumentarfilm berichtet von der Migration ethnischer Minderheiten in den schwimmenden Dörfern des Tonle Sap Flusses.

 Mit „Forum Theater“ ist eine kultursensible Form etabliert, um sich interethnischen Konflikten anzunähern und diese zum Ausdruck zu bringen. Sie bezieht Zuschauer ein, um neue Lösungen zu finden. Ein Film dokumentiert die Arbeit von „Forum Theater“ und macht dieses als Instrument der Friedensarbeit bei zivilgesellschaftlichen Akteuren bekannter. In Dialogveranstaltungen hinterfragen Studierende ethnische Vorurteile und diskutieren Zukunftsperspektiven einer multikulturellen und ethnisch inklusiven Gesellschaft. Workshops zur Bewusstseinsbildung in den Gemeinden ethnischer Vietnamesen haben ein besseres Verständnis der rechtlichen Hürden geschaffen. Außerdem können die Gemeinden nun besser mit Behörden kommunizieren, besonders beim Zugang zu staatlichen Schulen.

Ziviler Friedensdienst (ZFD). Ehemalige vietnamesische Flüchtlinge leben auf Hausbooten, da sie ohne kambodschanische Staatsbürgerschaft kein Land erwerben dürfen. © GIZ