Cash for Work: Schutz von Wasserspeichern in Jordanien

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Schutz von Wasserspeichern in Jordanien durch beschäftigungsintensive Maßnahmen (Cash for Work)
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Jordanien
Politischer Träger: Jordantalbehörde
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2022

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Ausgangssituation

Jordanien gehört zu den wasserärmsten Ländern der Welt. Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum sowie die hohe Anzahl von Menschen auf der Flucht – vor allem aus dem benachbarten Syrien – erhöhen den Druck auf die ohnehin knappen Wasserressourcen. Derzeit ist Jordanien mit 89 Flüchtlingen pro 1.000 Einwohner*innen das Land mit der zweithöchsten Flüchtlingsquote weltweit (Stand 2018).

Die Infrastruktur des Landes ist in hohem Maße beansprucht und kann die Bedarfe der wachsenden Bevölkerung nicht mehr decken. Trinkwasser steht nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung. Zudem herrscht in vielen flüchtlingsaufnehmenden Gemeinden eine hohe Arbeitslosigkeit, da sich die wirtschaftliche Lage Jordaniens seit Beginn der Syrienkrise zunehmend verschlechtert hat. In Folge steigt die Konkurrenz zwischen der jordanischen Bevölkerung und den Geflüchteten um knappe Ressourcen. Der soziale Zusammenhalt der Gemeinschaft ist gefährdet.

Zusätzlich droht aufgrund der Erosion von Uferflächen mittelfristig die Versandung der Staudämme King Talal Damm, Mujib Damm, Wala Damm, Zeglab Damm, Kofranja Damm und Wadi Arab Damm. Diese sind wichtig, um abfließende Niederschläge zu speichern.

Die Dämme liefern Wasser, unter anderem für die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Nutzfläche im Jordantal. Die zunehmende Ablagerung von Sand und anderen Sedimenten ist eine Gefahr für die Wasserversorgung in der Landwirtschaft: Gibt es nicht mehr ausreichend Niederschlagswasser aus den Stauseen für die Bewässerung, greifen Landwirte auf die knappen Grundwasserressourcen des Landes zurück.

Ziel

Durch arbeitsintensive Maßnahmen wird die Speicherkapazität der Stauseen erhalten und die Erosion im Einzugsgebiet der Dämme reduziert. Gleichzeitig verbessern sich die Lebensbedingungen von bedürftigen jordanischen Familien und Menschen auf der Flucht durch befristete Beschäftigungsmöglichkeiten.

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Vorgehensweise

Das Projekt ist Teil der Sonderinitiative „Fluchtursachen mindern, Aufnahmeregionen stabilisieren, Flüchtlinge unterstützen“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Die geförderten Maßnahmen kommen Menschen auf der Flucht und aufnehmenden Gemeinden gleichermaßen zugute. Außerdem trägt das Projekt zu einer sicheren Wasserversorgung bei und beschäftigt Vertriebene und Bedürftige aus aufnehmenden Gemeinden. Es fördert den sozialen Zusammenhalt und eine langfristige Entwicklung in der Region und konzentriert sich auf zwei Handlungsfelder.

Das erste Handlungsfeld umfasst Schutzmaßnahmen gegen Bodenerosion wie Aufforstung und Errichtung von aus Gabionenkörben gefertigte Rückhaltedämme sowie Terrassen, Gabionenmauern, Steinschüttungen und Trockensteinmauern. Mit der Schaffung von temporären Arbeitsplätzen als Teil dieses Handlungsfeldes leistet das Vorhaben einen Beitrag zur Verbesserung des Haushaltseinkommens von jordanischen Familien und syrischen Menschen auf der Flucht. Sowohl die Bewaldung der Uferflächen als auch der Bau von erosionsreduzierender Infrastruktur im Einzugsgebiet der Wasserdämme mindert die Erosion und die bei Niederschlägen entstehenden Sedimente in den Stauseen. So bleibt die Speicherkapazität der Stauseen erhalten und sichert mittel- und langfristig die Bewässerungslandwirtschaft im Jordantal. Außerdem versorgen die Stauseen mittelbar die Bevölkerung mit Trinkwasser. 

Als Teil des zweiten Handlungsfeldes und in Kooperation mit der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO), der German Jordanian University (GJU), der Petra Development and Tourism Region Authority (PDTRA) werden einstige nabatäische Infrastrukturen zur Flutkontrolle (Terrassen, Trockensteinmauern sowie Rückhaltedämme) wiederhergestellt und ein Pfad zwischen Little Petra und Petra gebaut. Die Nabatäer waren ein Verbund antiker Nomadenstämme aus Arabien, die sich zu einem Königreich zusammengeschlossen hatten. Petra war ihre Hauptstadt. 

Zudem wird die UNESCO bei ihrer Arbeit in Mafraq unterstützt, byzantinische Kirchen zu rehabilitieren. Sanierungs- und Säuberungsarbeiten finden auch mit dem Danish Refugee Council (DRC), dem Norwegian Refugee Council (NRC) und der Universität Hamburg an verschiedenen Standorten in Jordanien statt. 

Die internationalen Nichtregierungsorganisationen DRC, NRC, World Vision International, ACTED, Action Contre La Faim (ACF), UNESCO sowie GJU sind Durchführungspartner. Sie rekrutieren die Cash Worker, planen deren Einsätze und zahlen die Löhne aus. 

Wirkungen

Von April 2017 bis März 2022 werden 7.000 Personen für durchschnittlich mindestens 40 Tage als Cash Worker beschäftigt. Frauen sind vor allem in Baumschulen und bei der Versorgung der Cash Worker auf den Projektflächen tätig. Das Vorhaben setzt sich auch für mittel- und längerfristige Beschäftigungsperspektiven ein, vor allem durch die Bereitstellung von Post Employment Services (PES). Dazu gehören zum Beispiel Fortbildungen, Job-Formalisierung, Zuschüsse für selbstständige Arbeit und Beratungsservices.

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