Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Vergangenheit aufarbeiten – für eine friedliche Zukunft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Ziviler Friedensdienst / Sonderinitiative Flucht: Vergangenheitsbewältigung als Grundlage für den Neuaufbau im Irak
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Irak
Gesamtlaufzeit: 2017 bis 2019

Ausgangssituation

Durch die Diktatur von Saddam Hussein, drei Golfkriege sowie aufeinanderfolgende Völkermordverbrechen haben Bevölkerungsgruppen im Nordirak gelitten.

Die massiven Gewalterfahrungen gehen häufig mit schweren Traumata und tiefsitzendem Misstrauen einher. Das Verhältnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen ist zudem von Vorurteilen und Ressentiments geprägt. Das erschwert konstruktive Gespräche und Begegnungen auf Augenhöhe. Durch den Vormarsch der terroristischen Organisation Islamischer Staat (IS) hat sich die Lage ab dem Sommer 2014 dramatisch verschlechtert. Der IS tötete unzählige Jesiden und vertrieb Christen und andere Minderheiten aus ihren angestammten Gebieten. Insgesamt flohen mehr als drei Millionen Iraker, die meisten von ihnen in die autonome Region Kurdistan. 2017 wurde der IS zwar als territoriales Gebilde zerschlagen, dennoch verübt er weiter Anschläge aus dem Untergrund.

So halten politisch motivierte Konflikte zwischen den ethnischen und religiösen Gruppen im Irak unvermindert an. Die Mehrheit der Flüchtlinge ist noch nicht zurückgekehrt. Die kurdische Führung ließ – gegen den Rat ihrer Unterstützer – im September 2017 sowohl im Autonomiegebiet als auch in den von den Peschmerga kontrollierten Teilen ein Referendum durchführen: Die kurdische Bevölkerungsmehrheit sprach sich eindeutig für die Unabhängigkeit aus, während sich die Minderheiten weitgehend enthielten. Die irakische Regierung verdrängte daraufhin die kurdische Peschmerga-Miliz, insbesondere aus der ölreichen Region um Kirkuk. Während die internationale Gemeinschaft auf Dialog drängt, lehnen die Regierungen in Bagdad und Erbil Verhandlungen bis auf weiteres ab. Eine Folge: Nach Jahren des Aufschwungs stagniert die Wirtschaft in Kurdistan durch den Verlust der Öl-Einnahmen.

Eine friedliche gesellschaftliche Entwicklung ist im Irak jedoch nur möglich, wenn die verfeindeten Gruppen aufeinander zugehen. Dazu gehört, dass die Menschenrechtsverletzungen aufgearbeitet werden. Um die Grundlage für einen kontinuierlichen Versöhnungsprozess zu legen, ist eine rechtliche, politische, psychosoziale und mediale Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erforderlich.

Ziel

Die irakische Bevölkerung setzt sich mit der gewaltvollen Vergangenheit auseinander. Die Verbrechen werden sowohl politisch, psychosozial als auch medial aufgearbeitet. Ein besonderer Fokus liegt auf der Aufarbeitung der Verbrechen an den Jesiden durch den IS.

Geflüchtete erhalten Sicherheitsgarantieren und kehren in ihre angestammten Gebiete zurück. Die unterschiedlichen religiösen, ethnischen und politischen Bevölkerungsgruppen leben friedlich zusammen und respektieren einander. Es entsteht eine Erinnerungskultur mit Friedensrelevanz, um künftige Konflikte zu verhindern.

Vorgehensweise

Mit den Fachkräften des Zivilen Friedensdienstes (ZFD) unterstützt die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH staatliche und zivilgesellschaftliche Partner, unter anderem die „Genocide Commission“. Diese wurde von der kurdischen Autonomieregierung mit Billigung durch die irakische Regierung in Bagdad eingesetzt. Sie ermittelt und dokumentiert Verbrechen nach internationalen Standards und unterstützt die Opfer unter Berücksichtigung von Geschlecht und Traumaerfahrung: Traumatisierte Überlebende sowie Angehörige von Opfern werden individuell beraten und betreut. Für Betreuer gibt es zudem ein Supervisionsangebot. Durch den Dialog und die Mediationsmaßnahmen können Flüchtlinge zurückkehren und sich am Wiederaufbau ihrer Heimatorte beteiligen.