Unternehmensberatungsleistungen und Förderung eines Umbaus der Wirtschaft

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Unternehmensberatungsleistungen und Förderung eines Umbaus der Wirtschaft
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Namibia
Politischer Träger: Ministry of Industrialisation, Trade and SME Development (MITSMET), Ministry of Finance (MoF)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Handgewebte Teppiche aus Swakara-Wolle auf der Made-in-Namibia Fair 2019

Ausgangssutuation

Mit der Unabhängigkeit im Jahr 1990 hat Namibia eine Volkswirtschaft geerbt, die durch gegensätzliche Merkmale gekennzeichnet ist: So belief sich das Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2017 auf 5.230 USD, womit Namibia in der Weltbank-Klassifizierung zu den Ländern mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich gehört. Gleichzeitig wächst die namibische Volkswirtschaft nur langsam, und das Land ist von einer weit verbreiteten Armut, einer sehr ungleichen Verteilung von Vermögen und Einkommen sowie einer hohen Arbeitslosigkeit geprägt.

Um dies zu ändern, ist es notwendig, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, die inländische Wertschöpfung sowie Investitionen der Privatwirtschaft zu fördern.

Allerdings sehen sich Unternehmen, die in Namibia Geschäfte machen wollen, verschiedenen Herausforderungen gegenüber. Da der namibische Markt klein ist, fällt es Unternehmen hier relativ schwer, Größenvorteile zu erzielen. Darüber hinaus steht Namibia im Wettbewerb mit der regionalen Wirtschaftsmacht Südafrika, die gleichzeitig ihr wichtigster Handelspartner ist. Der Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten ist schwierig, da vergleichsweise wenige Anbieter Finanzierungslösungen für KKMU in ihrem Leistungsportfolio haben. Darüber hinaus gibt es keine Finanzprodukte, die die Anforderungen von KKMU erfüllen. Außerdem werden die vergleichsweise guten Rahmenbedingungen, die das Land bietet, nämlich Rechtssicherheit, stabile demokratische Strukturen und eine solide Geld- und Finanzpolitik, derzeit von verschiedenen Herausforderungen überschattet. So wurde das Land wegen der angespannten Haushaltslage von internationalen Rating-Agenturen bereits herabgestuft.

All diese Herausforderungen führen dazu, dass Unternehmen in Namibia ihr Wachstumspotenzial nicht ausschöpfen können, um zur Vision 2030 des Landes beizutragen. Diese beschreibt „ein wohlhabendes und industrialisiertes Namibia, das von seinen Menschen entwickelt wird“. In der Vision werden als Ziele „die Wohlfahrt der Menschen, die menschliche Entwicklung, ein gerechtes und ausgewogenes Wachstum mit einer blühenden Industrie, einer modernen Landwirtschaft und einem günstigen makroökonomischen und politischen Umfeld“ definiert.

Im National Development Plan 5 (NDP 5, nationaler Entwicklungsplan) liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Industrialisierung im Sinne eines Strukturwandels und einer Diversifizierung der Wirtschaft. Dazu gehört die Steigerung der Wertschöpfung bei vorhandenen Produkten und Branchen sowie die Entwicklung des Humankapitals durch Bildung und Qualifizierungsmaßnahmen.

Ziel

Die Voraussetzungen für unternehmerisches Handeln und die Ausschöpfung des Wachstumspotenzials durch Unternehmen sind in Namibia verbessert.

Holzkohle für den Export nach Deutschland

Vorgehensweise

Das Projekt besteht aus zwei Komponenten: 

  • Die Komponente „Förderung des Privatsektors“ zielt darauf ab, in ausgewählten Branchen Wachstum zu erzielen und sicherzustellen, dass die Leistungen zur Förderung der Geschäftsentwicklung bedarfsgerecht verbessert werden. Die in der vorangegangenen Maßnahme für ausgewählte Branchen entwickelten Wachstumsstrategien werden in dieser Komponente umgesetzt.
  • Die Komponente „Entwicklung von Finanzierungslösungen“ fördert den Zugang zu Finanzierungslösungen für KKMU. Zu diesem Zweck setzt das Vorhaben zusammen mit der Development namibischen Entwicklungsbank, der namibischen Zentralbank und der namibischen Bankenaufsicht die Strategie für den namibischen Finanzsektor um, mit dem Ziel, die bestehenden Finanzierungsengpässe für kleine Unternehmen zu beseitigen. Ferner arbeitet die Komponente an einer besseren Regulierung des Finanzsektors und fördert die finanzielle Kompetenz von KKMU.

Beide Komponenten sollen dafür sorgen, dass die KKMU verstärkt die Leistungen des formalen Finanzsektors in Anspruch nehmen. Dies setzt voraus, dass sie als Kunden besser informiert sind, eine höhere Bonität aufweisen und ein sinnvolles Nutzerverhalten an den Tag legen. Außerdem verbessert das Vorhaben das Angebot an Finanzdienstleistungen und ganz allgemein den Verbraucherschutz, insbesondere im Hinblick auf die Transparenz im Finanzsektor.

Die beiden Komponenten ergänzen einander und sorgen einerseits für eine Verbesserung des institutionellen Rahmens für das Finanzsystem und einen einfacheren Zugang zu nutzerorientierten Finanzierungslösungen und andererseits für eine bedarfsgerechte Gestaltung von Unternehmensdienstleistungen. Neben dem besseren Zugang zu Beratungs- und Finanzdienstleistungen werden die namibischen Unternehmen auch durch (aufsichts)rechtliche Anpassungen im Finanzsektor und im institutionellen Umfeld für Privatunternehmen gefördert.

Wirkungen

  • Zur Umsetzung der Sektorstrategien im Rahmen der Growth at Home Strategy („Wachstum im eigenen Land“) wurden verschiedene Formate für einen Dialog zwischen der Privatwirtschaft und öffentlichen Institutionen eingeführt.
  • Um die Umsetzung der Growth at Home Strategy zu erfassen, wurde ein elektronisches Monitoring-System eingerichtet, das dem MITSMED aktuelle Daten über alle in Namibia tätigen Unternehmen liefert.
  • Die Verfahren zur Eintragung von Unternehmen wurden durch die Einführung einer Online-Eintragung bei der Business and Intellectual Property Authority (BIPA, Behörde für Unternehmen und geistiges Eigentum) vereinfacht.
  • Es wurden neue Ofentechnologien für die Holzkohlebranche entwickelt, und die Kosmetikbranche konnte mit Unterstützung des Import Promotion Desk (IPD) von sequa sowie durch den Besuch von internationalen Messen, Marktsondierungen und Präsentationen ihre Exportmöglichkeiten verbessern.
  • Die Edelsteinindustrie hat die „fair gem“-Initiative gestartet, bei der Edelsteine ausschließlich in Namibia geschliffen, poliert und verarbeitet werden.
  • Im Rahmen des Programms „Pitching for Business Funding“ wurden mehr als 160 KKMU in vier Regionen auf dem Gebiet des Finanzmanagements geschult; dabei haben 40 Unternehmen insgesamt 18.000 USD für die erstmalige Umsetzung oder Erweiterung der besten Geschäftsideen erhalten.
  • Das Projekt unterstützt die namibische Entwicklungsbank Development Bank of Namibia bei der Umsetzung ihrer KMU-Finanzierungsstrategie. In diesem Zusammenhang wurden ein Kreditbürgschaftssystem und ein Mentoring- und Coachingprogramm entwickelt, das bis Ende 2019 allgemein zugänglich sein soll. Außerdem ist es gelungen die Wagniskapitallandschaft in Namibia zu verbessern.
  • Die Financial Literacy Initiative hat in drei Regionen Start-up Festivals ausgerichtet und damit mehr als 1000 Start-ups, KKMU und potenzielle neue Unternehmen mit Maßnahmen zur Verbesserung der finanziellen Bildung erreicht.
  • Das Vorhaben unterstützt die One-Economy Foundation bei der Einführung eines Gruppenkreditprogramms für KKMU, die ansonsten keinen Zugang zu einer formalen Finanzierungslösung hätten; bei diesem Gruppenkreditprogramm müssen keine Sicherheiten gestellt werden.