Eindämmung der Verbuschung zur Förderung der ländlichen Lebensgrundlagen

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Nutzung von Busch-Biomasse
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Namibia
Politischer Träger: Ministry of Environment, Forestry and Tourism (MEFT)
Gesamtlaufzeit: 2018 bis 2021

Savanne, nach der selektiven Ausdünnung von Buschbestand (vorne) und hochgradig verbuscht (hinten).

Ausgangssituation

Die Verbuschung von Flächen stellt in Namibia eine große Herausforderung dar und ist die am weitesten verbreitete Form der Flächendegradation. Schätzungen zufolge sind mittlerweile 45 Millionen Hektar mit dichtem Busch zugewuchert.

Dies stellt im wahrsten Sinne des Wortes ein „wachsendes“ Problem dar. Die Verbuschung von Flächen hat negative Auswirkungen auf die Biodiversität, die Grundwasserneubildung und die Flächenproduktivität. Dichte Sträucher und Büsche verdrängen andere Pflanzen, insbesondere Gräser, die unter anderem Vieh als Nahrungsquelle dienen.

Um degradierte Flächen wieder nutzbar zu machen, wird das Buschwerk gezielt ausgedünnt, woraus sich auch wirtschaftliche Chancen ergeben. Büsche und Sträucher können selektiv geerntet und zu verschiedenen Biomasseprodukten verarbeitet werden, beispielsweise zu Tierfutter, Holzkohle, Biokohle, Baumaterial oder Hackschnitzeln, die zur Erzeugung von erneuerbarer Energie genutzt werden.

Zwar sind bereits einige Wertschöpfungsketten entstanden, doch Ausdünnung des Buschbestandes durch Biomassenutzung ist noch unzureichend entwickelt. Hohe Erntekosten, eine begrenzte lokale Nachfrage nach Biomasseprodukten, das Fehlen einer geeigneten Infrastruktur zur Verarbeitung der Ernte, sowie ineffiziente Technologien stellen Hürden für die Entwicklung des Biomassesektors dar. Zur Gewährleistung der langfristigen Nachhaltigkeit sind zudem klare politische Vorgaben und Beratungsleistungen erforderlich. Der Zugang zu Finanzmitteln ist für Akteure in diesem Entwicklungssektor noch begrenzt.

Maßnahmen zur Reduktion der Verbuschung gehören zu den nationalen Entwicklungsprioritäten Namibias, auch angesichts der makroökonomischen Vorteile. So trägt die Ausdünnung von Buschbestand zur Wiederherstellung geschädigter Savannen bei, stärkt die Wertschöpfung im Land und die Beschäftigung im ländlichen Raum und fördert die Versorgung mit Biomasse zur ökologischen Energieerzeugung.

Ziel

Die wirtschaftliche Verwertung von Biomasse aus der gezielten Entbuschung von Weideland ist verbessert.

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Vorgehensweise

Zur Förderung einer nachhaltigen Nutzung von Buschbiomasse berät die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das namibische Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus (Ministry of Environment, Forestry and Tourism, MEFT). Das Projekt ist landesweit tätig, insbesondere jedoch im zentralen Norden des Landes. Ein Schwerpunkt liegt auf der Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft, sowohl in Namibia als auch durch die Förderung internationaler Partnerschaften.

Das Projekt gliedert sich in fünf Komponenten:

  • Unterstützung in der Entwicklung nationaler Politiken und Einführung von Geoinformationssystemen zur Verbesserung von Entscheidungsgrundlagen
  • Verbesserung der Genehmigungsverfahren und Monitoringkapazitäten der zuständigen Behörden
  • Beratung von Landwirtinnen und Landwirten sowie kleinen und mittleren Unternehmen in Zusammenarbeit mit Beratungsdiensten; Entwicklung von Schulungskonzepten und -materialien
  • Förderung nachhaltiger Lieferketten durch die Konzipierung von regionalen Biomassezentren
  • Technologietransfer durch angewandte Forschung, Pilotprojekte und internationale Partnerschaften
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Wirkungen

Das Projekt hat ein Bewusstsein für die ökologischen und wirtschaftlichen Vorteile einer selektiven Buschernte und daran anschließende Biomassenutzung geschaffen. Ferner hat das Projekt die Pilotierung ausgewählter innovativer Wertschöpfungsketten gefördert, darunter die Produktion von Tierfutter und Biokohle, die zur Bodenmelioration eingesetzt werden kann. Durch die Förderung von klimafreundlicheren und effizienteren Produktionstechnologien, wurde die Holzkohleproduktion modernisiert.

Dank einer deutlichen Zunahme der freiwilligen Zertifizierungen durch den Forest Stewardship Council (FSC) von 0,2 Millionen Hektar auf 1,6 Millionen Hektar, wurde die ökologische Nachhaltigkeit verbessert. Mit der Zertifizierung geht die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Einkommen der Arbeiter*innen einher. Die Zahl der Beschäftigten im Buschbiomassesektor ist in den letzten fünf Jahren von 6.000 auf über 11.000 gestiegen und hat sich damit nahezu verdoppelt. Durch Beratungsdienste konnten mehr als 600 Landwirtinnen und Landwirte in nachhaltiger Buschernte und der Verarbeitung von Biomasse geschult werden.

Ferner leistete das Projekt einen Beitrag zur Entwicklung eines Geschäftsmodells für Biomasse-Industrieparks.

Stand: Februar 2021

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