Vermittlung von Fachkräften an internationale Agrarforschungszentren

Ausgangssituation

In vielen Partnerländern fehlt es Agrarforschungseinrichtungen an spezifischem Know-how und Fachpersonal, um Erkenntnisse aus der Agrarforschung an die entwicklungsrelevanten Akteure aus Politik, Privatsektor, Zivilgesellschaft und Landwirtschaft zu vermitteln. Durch den gezielten Einsatz von Langzeitfachkräften an der Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis soll diesem Defizit begegnet werden.

Ziel

Agrarforschungszentren in den Partnerländern sind so mit Fachpersonal ausgestattet, dass sie ihre Forschungsergebnisse effektiv in die landwirtschaftliche Praxis übertragen können. Damit helfen sie, die verfügbaren Ressourcen effektiver und nachhaltiger für die Produktion von Lebensmitteln und die Erwirtschaftung von Einkommen einzusetzen.

Vorgehensweise

Das Vorhaben vermittelt deutsche und europäische Fachkräfte bedarfsgerecht in entwicklungsrelevante, aber bisher unterausgestattete Bereiche internationaler Agrarforschungszentren. Sie werden als sogenannte Integrierte Fachkräfte direkt von den Forschungszentren in den Partnerländern eingestellt. Mit dem zusätzlichen Personal können die Agrarforschungszentren Strukturen aufbauen oder verbessern, Prozesse und Netzwerke optimieren und ihre Mitarbeiter qualifizieren. Dies trägt dazu bei, dass entwicklungsrelevante Forschungsergebnisse effizienter erzielt und gemeinsam mit staatlichen und nichtstaatlichen Dienstleistern, Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit und dem Privatsektor in der Landwirtschaft schneller wirtschaftlich genutzt werden.

So kann beispielsweise die Forschung in der Entwicklung trockenstresstoleranter Getreidesorten und ihre Markteinführung über staatliche oder private Dienstleister die Einkommens- und Ernährungssicherung auf nationaler und regionaler Ebene entscheidend verbessern. Ebenso kann die Entwicklung von Diagnosetechnologien oder Impfstoffen zur Erkennung und Behandlung von weltweit verbreiteten Nutztierkrankheiten überregionale und sogar globale Wirkungen entfalten.

Die Vermittlung von Integrierten Fachkräften an die Agrarforschungszentren erfolgt nachfrageorientiert und berücksichtigt die entwicklungspolitische Zielsetzung und Möglichkeiten zur Kooperation mit anderen Vorhaben der technischen Zusammenarbeit im jeweiligen Partnerland.

Umsetzungspartner der GIZ ist die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV), eine Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit, die auf die Vermittlung von Fach- und Führungskräften auf den internationalen Arbeitsmarkt spezialisiert ist. GIZ und ZAV betreiben gemeinsam das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) als eingetragene Arbeitsgemeinschaft. Nach der Auswahl der beantragten Stellen entwickeln GIZ und ZAV gemeinsam mit dem antragstellenden Forschungszentrum die Stellenbeschreibungen, um eine passgenaue Rekrutierung sicherzustellen. Nach erfolgter Vorauswahl geeigneter Kandidaten unterbreitet die ZAV dem Antragsteller einen Vermittlungsvorschlag mit bis zu drei geeigneten Kandidaten. Damit ist ein hohes Maß an „ownership“ und Partizipation bereits im Auswahlprozess sichergestellt, was die spätere Integration des Experten in die Arbeitgeberstrukturen in der Regel erheblich erleichtert.

Zwischen GIZ/CIM und dem vom Forschungszentrum akzeptierten Bewerber wird eine in der Regel zweijährige Zuschussvereinbarung für die Tätigkeit im Partnerland geschlossen, die bis zu sechs Jahre verlängert werden kann.

Während der Vertragslaufzeit prüft die GIZ die Einhaltung und Umsetzung von vereinbarten Maßnahmen sowie die Wirkung und Nachhaltigkeit der Einsätze. Im Rahmen der Berichterstattung wird das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als Auftraggeber über den Verlauf der Einsätze informiert.

Um Wissen und Erfahrungen auch anderen Netzwerkpartnern zur Verfügung zu stellen, werden die Integrierten Fachkräfte eingeladen, ihre Ergebnisse während des jährlich stattfindenden Tropentags an einer der deutschen Universitäten mit agrarwissenschaftlichem Fachbereich vorzustellen. Der Austausch der Integrierten Fachkräfte untereinander wird bei GIZ-internen Treffen – zum Beispiel mit der Beratungsgruppe Entwicklungsorientierte Agrarforschung – gepflegt.

Wirkungen

Bisher konnten 34 Integrierte Fachkräfte mit Unterstützung durch das Vorhaben an Forschungszentren in Entwicklungsländern vermittelt werden. Die Spezialisten arbeiten dabei weltweit zusammen. So kann eine Expertin in Kenia bei Bauern für die Verwendung eines besonderen Futtergrases werben, das schnell wächst, besonders nährstoffreich ist und weniger klimaschädliche Treibhausgase produziert. Die Futtergrassorte wurde zuvor von einem Kollegen an einem Institut in Kolumbien durch Kreuzung verwandter tropischer Grassorten entwickelt.