Guatemala: Mit Kunst und Sprache Traumata aufarbeiten

„Denn, wenn die Hände beschäftigt sind, ist der Kopf frei.“ Walter Pichler

Der Bürgerkrieg (1960-1996) hat tiefe Spuren in den Köpfen, Seelen und Körpern der guatemaltekischen Bevölkerung hinterlassen.

Viele Menschen können die traumatischen Ereignisse weder vollständig erinnern, benennen noch anderen mitteilen. Sie bleiben alleine mit ihrem Leid. Die Erinnerungen an das Geschehene sitzen „tief drinnen“. Sie äußern sich psychosomatisch. Gefühle können den Ereignissen nicht zugeordnet werden. Die Betroffenen erleben sie als konfuse, belastende, unerträgliche Schmerzen. Traumatische Erfahrungen führen häufig zu einer Starre und Unbeweglichkeit des Körpers, der Gefühle und der Gedanken. Es ist, als ob die betroffene Person in der Vergangenheit festgehalten wird.

Der ZFD-Partner ECAP (Equipo de Estudios Comunitarios y Acción Psicosocial - Team für Gemeinschaftsstudien und psychosoziale Aktion) begleitet seit 20 Jahren Bürgerkriegsopfer.

Die meisten seiner Mitarbeitenden sind Sozialpsycholog/innen. Ihr Hauptwerkzeug ist die Sprache. Ein Weg dorthin die Kunst. In Workshops fertigen Frauen, die Opfer systematischer Vergewaltigung durch das Militär geworden sind, Skulpturen an.

Das Denken in Bildern und Symbolen, die Beschäftigung der Hände helfen, die Starre aufzuheben. Was tief im Inneren schlummerte, wird in Gestalt einer Skulptur sichtbar. Ganz nebenbei wird gesprochen, erzählt und zugehört. Über selbstgefertigte Handpuppen gelingt es den Frauen ihre Kriegserlebnisse dem Publikum zu erzählen. Gemeinsam geschaffene Wandgemälde erzählen kollektive Geschichten. Erstmals wird auch mit Männergruppen gearbeitet, und so ein Bewusstsein für die Rechte von Frauen und Mädchen geschaffen, auf dessen Basis konstruktive, zufriedene und verantwortungsvolle Beziehungen wachsen können.

Das Wichtigste an der psychosozialen Arbeit mit Kunst ist, dass die Menschen ihre traumatischen Erlebnisse in einer ästhetisch hochwertigen Form erzählen können. Auf diese Weise wird sie den jüngeren Generationen zugänglich gemacht und der Dialog zwischen den Generationen gefördert.

Ich selbst bin Psychologe, stehe als ZFD-Fachkraft dem lokalen Team in methodologischen Fragen zur Seite, unterstütze Vernetzung und Wissensaustausch und fördere mit Workshops innovative Herangehensweisen in der psychosozialen Arbeit.

Franz Kernjak, ZFD-Fachkraft in Guatemala

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