Startseite

Toolkit-Banner

Zugang, Qualifizierung und Übergang

In Entwicklungsländern bietet die informelle Wirtschaft vielen Menschen den einzigen möglichen Zugang zu produktiver Beschäftigung und Existenzsicherung. Für das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ist die Berücksichtigung des informellen Sektors in der Berufsbildungszusammenarbeit daher ein Schwerpunkt. Durch Qualifizierung und Beratung kann berufliche Bildung die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen fördern. Damit erleichtert sie den schrittweisen Übergang in produktive und menschenwürdige Arbeit und unterstützt ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut.

Das Toolkit „Lernen und Arbeiten in der informellen Wirtschaft – Zugang, Qualifizierung und Übergang“ wurde vom Vorhaben Berufliche Bildung der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Auftrag des BMZ entwickelt. Es bietet einen strukturierten Überblick zum Stand der Forschung und zur aktuellen entwicklungspolitischen Praxis für die berufliche Bildung in der und für die informelle Wirtschaft.

MEHR SCHLIESSEN

Geleitwort des BMZ

Die informelle Wirtschaft stellt für einen großen Teil der Bevölkerung in Entwicklungsländern die einzige Beschäftigungsperspektive dar. Berufliche Bildung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zur Erhöhung des Einkommens informell Beschäftigter zu fördern ist daher ein wichtiger Ansatz der Armutsbekämpfung. Viele Studien haben gezeigt, dass höhere Bildung informell Beschäftigten erstens bessere Chancen innerhalb der informellen Wirtschaft eröffnet, und zweitens den Übergang in formelle Beschäftigungsverhältnisse erleichtert. Beides hat häufig höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen zur Folge.

Für viele Jugendliche stellt die informelle Wirtschaft die einzige Möglichkeit dar, in die Arbeitswelt einzusteigen. Hier erwerben sie on the job die Kompetenzen, die sie für eine weitere Beschäftigung benötigen. Die Anerkennung dieser Kompetenzen und begleitende Angebote beruflicher Aus- und Weiterbildung können außerdem Perspektiven im formalen Bildungswesen eröffnen.

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) räumt in seinem Positionspapier „Berufliche Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit“ (2012) der Förderung von Beschäftigten im informellen Sektor eine prioritäre Stellung ein. Es sieht die dringende Notwendigkeit, entwicklungspolitische Vorhaben der beruflichen Bildung und der Beschäftigungsförderung stärker auf die Bedarfe der Beschäftigten und des Arbeitsmarktes in der informellen Wirtschaft auszurichten.

So gestaltet das BMZ den internationalen Trend in der Entwicklungszusammenarbeit mit, dem Lernen und Arbeiten in der informellen Wirtschaft wieder mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Ohne eine stärkere Berücksichtigung der informellen Wirtschaft sind globale Probleme wie Armut und Jugendarbeitslosigkeit nicht zu lösen. Viele internationale Organisationen haben dies erkannt und beschäftigen sich aktuell mit dem Thema, so unter anderem die Weltbank und die International Labour Organization. Auch im Weltbildungsbericht 2012 der United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization (UNESCO) wurde das Thema prominent platziert und festgehalten, dass es die informelle Wirtschaft betreffend erheblichen Handlungsbedarf gebe.

Zu einem ähnlichen Schluss kamen die Experten auf dem Thementag des Kompetenzcenters Berufliche Bildung und Arbeitsmarkt der GIZ im Dezember 2012, sowie die Teilnehmenden der Bonn Conference on Adult Education and Development des DVV International, die 2013 dem Thema „Technical and Vocational Skills Development in the Urban Informal Sector“ gewidmet war.

Vor diesem Hintergrund hat das BMZ das Vorhaben Berufliche Bildung beauftragt, das Toolkit „Lernen und Arbeiten in der informellen Wirtschaft – Zugang, Qualifizierung und Übergang“ zu entwickeln. Das Toolkit bietet allen Nutzenden – seien es Praktiker in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, ihre Partner vor Ort oder Mitarbeitende internationaler Organisationen – einen umfassenden Überblick über die theoretischen Grundlagen und die bisherigen entwicklungspolitischen Förderstrategien. Dadurch sollen die Auseinandersetzung mit der Thematik intensiviert und lessons learnt aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden, um die Entwicklung von Lösungsansätzen für die aktuelle Praxis zu erleichtern.

Der Prozess der Erstellung des Toolkits spiegelt die Breite seiner Einsetzbarkeit wider: An seiner Entwicklung, haben nicht nur die GIZ, die KfW Entwicklungsbank und Sequa mitgewirkt, sondern auch verschiedene deutsche Nichtregierungsorganisationen,  wie beispielsweise Brot für die Welt – Evangelischer Entwicklungsdienst, Christoffel Blindenmission, Don Bosco Mondo, DVV International, Kindernothilfe, Kolping international und Misereor. Außerdem wurde eine Vielzahl hochrangiger Experten gewonnen, die ausgewählte Beitrage aus dem Bereich ihrer speziellen Expertise verfasst haben.

Das Toolkit ist der breiten Fachöffentlichkeit zugänglich und in deutscher und englischer Sprache verfügbar. Das BMZ trägt somit dazu bei, die Bedeutung von Lernen und Arbeiten in der informellen Wirtschaft prominenter darzustellen. Es leistet ebenfalls einen Beitrag zur Harmonisierung der Ansätze mit anderen Gebern, indem es Erfahrungswissen und erprobte Instrumente für den breiten Einsatz in der Praxis öffentlich zur Verfügung stellt.

Autor: Roland Lindenthal

Autoren des Toolkits

Quellen

Adams, A.V., de Silva, S.J. and Razmara, S. (2013), Improving skills development in the informal sector: Strategies for Sub-Saharan Africa, Directions in development: human development, The World Bank, Washington, D.C.
Link zur Quelle
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (2012), Berufliche Bildung in der Entwicklungszusammenarbeit. Positionspapier. Strategiepapier 8, Bonn (pdf, 2.28 MB, DE).
Link zur Quelle
ILO (2013), Measuring informality: A statistical manual on the informal sector and informal employment, Geneva.
Link zur Quelle
Jütting, J. and Laiglesia, J.R.d. (Eds.) (2009), Is informal normal? Towards more and better jobs in developing countries, Development Centre of the Organisation for Economic Co-operation and Development, Paris (pdf, 1.89 MB, EN).
Link zur Quelle
UNESCO (2012), Education for All Global Monitoring Report: Youth and skills. Putting education to work, Paris (pdf, 8.97 MB, EN).
Link zur Quelle

Weitere Informationen zum Thema

BMZ, Was wir machen: Berufliche Bildung.
Link zur Quelle
Bonn Conference on Adult Education and Development “Technical and Vocational Skills Development in the Urban Informal Sector”.
Link zur Quelle