Olympia und Entwicklungszusammenarbeit – wie passt das zusammen?

Beteiligte des zweiten Workshops „Green Rio – Green Hamburg“ am 13. August 2014 auf dem Dach des Unilever Gebäudes in Hamburg mit Blick auf den Kleinen Grasbrook.

Eine Chance für beide Seiten

Im kommenden Jahr werden die Olympischen und Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro stattfinden. Ganz klar – Sportgroßveranstaltungen wie diese bewegen Menschen auf der ganzen Welt und bieten damit eine herausragende öffentliche Plattform. Doch unumstritten sind solche Sportevents nicht. Die kritische Debatte richtet sich insbesondere auf Aspekte ökologischer, sozialer, politischer und ökonomischer Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit. Dies zeigt auch die öffentliche Diskussion der Bewerbung Hamburgs um die Sommerspiele 2024.

Für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat das Thema Nachhaltigkeit mit all seinen Dimensionen als Leitbild einen besonderen Stellenwert. Auch engagieren sich verschiedene Bundesministerien, u.a. auch das Entwicklungsministerium, und die GIZ seit Jahren für die Nachhaltigkeit von Sportgroßveranstaltungen, wie z.B. bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika, der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine oder der WM 2014 in Brasilien. Zuletzt wurden nicht nur Solardächer auf brasilianische Stadien gebaut, sondern auch gemeinsam mit Kommunalverwaltungen, Nichtregierungsorganisationen, dem Deutsche Fußball-Bund e.V. und dem Vorhaben „Sport für Entwicklung“ während der WM 2014 Sportcamps für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Brasilien durchgeführt.

Nun stehen die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro vor der Tür, ebenso wie die Bewerbung Hamburgs um die Sommerspiele 2024. Ein guter Anlass und Ausgangspunkt, um die gemeinsamen Erfahrungen, Erfolge und das Zukunftspotenzial der internationalen Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung mit den beteiligten Akteuren zu diskutieren und neue Initiativen anzustoßen. 

Vor diesem Hintergrund steht das Vorhaben „Sport für Entwicklung“ seit Frühjahr 2014 mit verschiedenen Akteuren im Kontakt und führte im Auftrag des Bundesentwicklungsministerium (BMZ) gemeinsam mit weiteren GIZ-Vorhaben zwei Workshops durch. Daran nahmen Vertreterinnen und Vertretern aus dem BMZ, dem  Bundesinnenministerium (BMI), dem Bundesumweltministerium (BMUB), dem Bundeskanzleramt, dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), der Bewerbungsgesellschaft 2024, dem Rat für nachhaltige Entwicklung, Connective Cities, dem GIZ-Regionalbüro Hamburg und dem GIZ-Landesbüro in Brasilien teil.

In der Zwischenzeit wurden themenspezifische Arbeitsgruppen unter dem Dach „Green Rio – Green Hamburg: Sport events promoting sustainable development“ gebildet und erste Konzepte für eine mögliche Zusammenarbeit entwickelt. Neben Veranstaltungen in Rio de Janeiro und Hamburg werden auch Themen wie der faire Handel von Sportartikeln, nachhaltige Lieferketten und Stadtentwicklung diskutiert und der Kontakt zu weiteren Experten, auch innerhalb der GIZ, gesucht. Hierbei geht es auch um Ziele im Sinne einer politischen Nachhaltigkeit, wie Bürgerbeteiligung, einer transparenten Vergabe und Gestaltung, einer erfolgreichen öffentlichen Kommunikation der Entscheidungsprozesse sowie der Vermittlung von außen- und innenpolitischen Botschaften, zum Beispiel in Hinblick auf Menschen- und Arbeitsrechte. Aufgrund der aktuellen Ereignisse wird die Migrations- und Flüchtlingsfrage eng im Zusammenhang mit Olympia diskutiert; hier kann die GIZ Hamburg bereits mit einem Programm zur Eingliederung der Menschen in den Arbeitsmarkt beitragen.

Am 19. und 20. August 2015 fanden die ersten hochrangigen Regierungskonsultationen zwischen Brasilien und Deutschland statt. Die Präsidentin Brasiliens, Dilma Rousseff, nutzte die Gelegenheit, um Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro einzuladen. Auch erklärten beide Länder sich im Zusammenhang mit bilateralen Kooperationsprojekten auf die Nachhaltigkeit großer Sportveranstaltungen zu konzentrieren, u.a. im Rahmen des erwähnten „Green Rio – Green Hamburg“-Engagements.  

Derweil fiebern die Hamburger dem 29. November 2015 entgegen, an dem sie über die Bewerbung Hamburgs für die Sommerspiele 2024 entscheiden werden. Nach einem positiven Ergebnis werden die Beteiligten ihre Zusammenarbeit ganz sicher weiter ausbauen und einen Beitrag nicht nur für nachhaltige Spiele im nächsten Jahr in Rio de Janeiro leisten, sondern auch gemeinsam an einer nachhaltigen Bewerbung Hamburgs arbeiten.

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    Beteiligte des zweiten Workshops „Green Rio – Green Hamburg“ am 13. August 2014 auf dem Dach des Unilever Gebäudes in Hamburg mit Blick auf den Kleinen Grasbrook. (©GIZ/Anja Arnemann)

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