Hintergrund

Was ist biologische Vielfalt oder Biodiversität?

Die biologische Vielfalt – oder die synonym verwendete Kurzform Biodiversität – umfasst:

  1. Die Vielfalt an Ökosystemen oder Lebensräumen 
  2. Die Artenvielfalt (dazu zählen auch Mikroben und Pilze, die weder Pflanze noch Tier sind)
  3. Die Vielfalt an genetischen Informationen, die in den Arten enthalten sind.

Es handelt sich also um die Vielfalt des Lebens auf der Erde. Und wir Menschen sind Teil davon.

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Ursachen und Wirkungen des Verlusts an biologischer Vielfalt

Wesentliche Ursachen für den anhaltenden Verlust der Biodiversität sind Übernutzung und Verschmutzung, Landnutzungsänderung und Verdrängung angestammter durch eingewanderte („invasive“) Arten sowie der Klimawandel. Der Klimawandel beschleunigt den Verlust an Biodiversität. Gleichzeitig sind Waldzerstörung, Trockenlegung von Mooren und andere Eingriffe in Ökosysteme auch wichtige Quellen von Treibhausgasen. Im Wettkampf um schwindende natürliche Ressourcen und Ökosystemleistungen wächst das Risiko von gesellschaftlichen Konflikten, kriegerischen Auseinandersetzungen und massiven Bevölkerungsbewegungen. Ihr Verlust hat seinen Preis. Wirtschaftlich betrachtet ist die Erde unser größter Dienstleister. Ökosysteme bieten den Menschen neben reiner Luft, klarem Wasser und Nahrung u.a. fruchtbare Böden und Medizin – die sogenannten Ökosystemleistungen. Sie regulieren das Klima und bieten Schutz vor extremen Wetterereignissen, gleichzeitig sind sie Lebens- und Erholungsraum. Die Tatsache, dass diesem großen Nutzen der Biodiversität lange Zeit kein wirtschaftlicher Wert zugeschrieben wurde bzw. die Kosten des Verlustes nicht in den Bilanzen unserer Wirtschaftssysteme auftauchen, trägt Mitschuld an ihrem Verlust.

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Die Herausforderung: Biologische Vielfalt und Entwicklung sind zwei Seiten einer Medaille

Armutsminderung und Entwicklung sind ohne Biodiversität und Ökosystemleistungen nicht möglich. Die größte Vielfalt findet sich in den Subtropen und Tropen; etwa 80 Prozent der biologischen und genetischen Ressourcen kommen in den Partnerländern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vor. Für die dort lebenden Menschen – und dabei vor allem für die ärmeren Bevölkerungsschichten – ist sie unabdingbare Lebensgrundlage. Im Hinblick auf die Ernährung, die medizinische Versorgung und als Einkommensquelle durch den Verkauf von Produkten, die aus biologischen Ressourcen gewonnen werden.

In der Konvention über Biologische Vielfalt (CBD) wurde erstmals in einer Umweltkonvention völkerrechtlich anerkannt, dass Biodiversitätserhalt viel mehr als Artenschutz ist. Biologische Vielfalt ist ein Schlüsselfaktor für die menschliche Entwicklung und ihr Erhalt und ihre nachhaltige Nutzung können maßgeblich zur Armutsreduzierung beitragen.

Im Aktionsprogramm 2015 zur Bekämpfung der Armut, dem nationalen Umsetzungsprogramm zu den Millenniumsentwicklungszielen, hat Deutschland den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt daher fest verankert.

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Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt

Der Erhalt der biologischen Vielfalt ist seit der Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro 1992 Gegenstand eines völkerrechtlich verbindlichen Vertragswerkes – dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity – CBD). Bis heute sind der CBD 192 Mitgliedsstaaten und die EU beigetreten.

Während frühere Abkommen nur einzelne Naturschutzaspekte behandelten, sind die drei Ziele der CBD breiter angelegt:

  • Die Erhaltung der biologischen Vielfalt (Gene, Arten, Lebensräume).
  • Die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile.
  • Die gerechte Aufteilung der Gewinne oder Vorteile, die aus der Nutzung genetischer Ressourcen entstehen.

Trotz wichtiger Fortschritte bei Schutz und nachhaltiger Nutzung von Biodiversität haben die 193 Vertragsstaaten ihr für 2010 gestecktes Ziel, den weltweiten Verlust von Biodiversität signifikant zu reduzieren, verfehlt. Auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz der CBD einigten sich die Delegierten auf einen neuen strategischen Plan, um den Verlust an natürlichen Lebensräumen bis 2020 mindestens zu halbieren und nach Möglichkeit ganz zu stoppen.

Mit der Verabschiedung des Nagoya Protokolls zu Access and Benefit-Sharing (ABS) auf dieser Konferenz hat die gerechte Verteilung der aus der Nutzung von genetischen Ressourcen resultierenden Gewinnen auch einen international handlungsleitenden, rechtsverbindlichen Rahmen erhalten. Dadurch werden über neue Entwicklungsmöglichkeiten und Partnerschaften Beiträge zur Armutsbekämpfung geleistet und gleichzeitig wichtige Anreize für eine angepasste und nachhaltige Nutzung biologischer Vielfalt gesetzt.

COP 12 in Pyeongchang, Republik Korea (06.-17. Oktober 2014) COP 11 in Hyderabad, Indien (08.-19. Oktober 2012) COP 10 in Nagoya, Japan (18.- 29. Oktober 2010) COP 9 in Bonn, Deutschland (19.-30. Mai 2008)
  

Weitere Informationen zur CBD

Zu Zielen, Strategien, Aktionsplänen und Maßnahmen sowie zur Vertragsstaatenkonferenz:
Konvention über biologische Vielfalt (CBD)
Das Sekretariat der CBD hat seinen Sitz in Montreal:
Sekretariat der CBD
Der Clearing-House Mechanismus ist die Informationsplattform der CBD (deutsche Ausgabe):
Clearing-House Mechanismus
Die Globale Umweltfazilität (Global Environment Facility, GEF) fördert seit 1991 Projekte in Entwicklungsländern im Bereich des globalen Umweltschutzes. Sie wurde im Vorfeld des Rio-Gipfels aufgelegt und ist der Finanzierungsmechanismus für die CBD und weiteren multilateralen Umweltkonventionen:
Globale Umweltfazilität
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Weitere Abkommen für den Schutz und die Nutzung biologischer Vielfalt

Im entwicklungspolitischen Kontext spielen neben der CBD auch noch andere internationale Abkommen eine wichtige Rolle, unter anderem:

Nagoya-Protokoll über den Zugang zu genetischen Ressourcen und den gerechten Vorteilsausgleich
(Zusatzabkommen der CBD): Ziel ist die Regelung des Zugangs zu genetischen Ressourcen und der gerechten Gewinnbeteiligung der Ursprungsländer bei der Nutzung dieser Ressourcen.
Nagoya Protocol on Access and Benefit-sharing
Cartagena-Protokoll über biologische Sicherheit
(Zusatzabkommen der CBD): Ziel ist die Regelung des grenzüberschreitenden Verkehrs (Handel/Austausch) von gentechnisch veränderten Organismen (GVO).
The Cartagena Protocol on Biosafety
Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen
(Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora, CITES): Ziel des sog. Washingtoner Artenschutzübereinkommens ist es, den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen und ihrer Produkte zu regeln. Die Umsetzung der Konvention schützt über 3.000 Tier- und 30.000 Pflanzenarten, die vom internationalen Handel bedroht sind.
CITES
Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten
(Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals, CMS): Ziel der sog. Bonner Konvention ist der weltweite Schutz wandernder wild lebender Tierarten.
CMS
Intergovernmentales Komittee (IGC) der Weltorganisation für geistiges Eigentum
(World Intellectual Property Organization, WIPO): Ziel ist Definition und Schutz des traditionellen Wissens über biologische und genetische Ressourcen.
Intergovernmental Committee (IGC)
Internationaler Saatgutvertrag
(International Treaty for Plant Genetic Resources for Food and Agriculture, ITPGRFA): Ziel dieses Vertrages sind im Einklang mit der CBD die Erhaltung und nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft sowie ein gerechter Vorteilsausgleich zur Erreichung einer nachhaltigen Landwirtschaft und Ernährungssicherheit.
ITPGRFA
Internationales Übereinkommen zum Schutz von Pflanzenzüchtungen
(International Convention for the Protection of New Varieties of Plants, UPOV-Konvention): Ziel ist der Schutz der Eigentumsrechte von Züchtern.
UPOV-Konvention (pdf, 0.11 MB, EN)
Übereinkommen über Feuchtgebiete
die insbesondere als Lebensraum für Watt- und Wasservögel, von internationaler Bedeutung sind (Ramsar-Konvention). Ziel ist der ganzheitliche Schutz von Feuchtgebieten als bedeutende Ökosysteme zum Erhalt der Biodiversität.
Ramsar-Konvention
Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte geistiger Eigentumsrechte
(trade-related aspects of intellectual property rights, TRIPS) der Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO): Ausgleich von Handelsinteressen und Maßnahmen zum Schutzes geistiger Eigentumsrechte, insbesondere durch die Ausweitung des Rechtsschutzes, beispielsweise über Patente.
TRIPS
UNESCO-Welterbe
Weltkulturerbe und Weltnaturerbe (World Heritage Convention, WHC): Die unterzeichnenden Länder verpflichten sich, die innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen gelegenen Denkmäler zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten.
UNESCO