Toolkit Digitalisierung

Der digitale Wandel beeinflusst die Institutionen der Entwicklungs-zusammenarbeit (EZ) und der Internationalen Zusammenarbeit (IZ) auf vielfältige Weise: Die durch die Digitalisierung ausgelösten tiefgreifenden Veränderungsprozesse auf politischer, ökonomischer und gesellschaftlicher Ebene erfordern eine strategisch-politische Auseinandersetzung mit den Chancen und Herausforderungen des Themas. Denn digitale Lösungen können ein entscheidender Entwicklungsmotor sein und uns dabei helfen, die Entwicklungsziele schneller, effizienter und kostengünstiger zu erreichen.

Wie gelingt es uns, das enorme Potenzial der Digitalisierung in all ihrer Vielfalt zu nutzen und weiter zu entwickeln? Dafür wurde das vorliegende Toolkit „Digitalisierung in Entwicklungszusammenarbeit und Internationaler Zusammenarbeit in Bildung, Kultur und Medien“ entwickelt. Ziel des Toolkits ist es, innovative digitale Instrumente für die sektor- und regionalspezifischen Bedarfe bei der Planung, Steuerung und Durchführung von EZ/IZ-Maßnahmen aufzubereiten. Damit werden politische Entscheidungsträger und Implementierer in der EZ/IZ für das Thema sensibilisiert und erhalten passgenaue Informationen über Einsatzmöglichkeiten und Mehrwert von digitalen Anwendungen in Projekten der EZ/IZ. Das Toolkit bietet eine Einstiegshilfe zur Auseinandersetzung mit dem Digitalthema mit verschiedenen sektoralen und regionalen Bezügen.

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Inhalt

Konkret finden Sie in diesem Toolkit folgende Themenbereiche: 
   
Inspirierende Projekte: Anhand von Projektbeispielen aus der deutschen EZ/IZ sowie dem internationalen Kontext wird die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten von digitalen Lösungen aufgezeigt. 
Inspirierende Projekte
Management von IKT-Projekten: Hier wird Ihnen Unterstützung bei der strategischen Planung und Umsetzung von digitalen Maßnahmen geboten.
Management von IKT-Projekten
Methoden, Tools und Ansätze: Das Kapitel stellt Ihnen praktische Leitfäden zur Nutzung von digitalen Lösungen in konkreten Anwendungskontexten und Szenarien vor.  
Methoden, Tools und Ansätze
Glossar: Zentrale Begriffe aus dem Themenfeld des digitalen Wandels werden definiert, plastisch erläutert und in den EZ/IZ-Bezug gestellt.
Glossar – Digitalisierung und nachhaltige Entwicklung (pdf, 1.47 MB, DE)
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Beteiligte

Das Toolkit ist als Gemeinschaftsprodukt verschiedener deutscher Institutionen entstanden, die im Kontext der EZ/IZ tätig sind und sich mit den Chancen des digitalen Wandels auseinandersetzen:

  • Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
  • Auswärtiges Amt (AA)
  • KfW Entwicklungsbank
  • Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft
  • Deutsche Welle Akademie
  • Deutsche Welthungerhilfe e.V.
  • Goethe-Institut
  • Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ)

   
Der digitale Wandel vollzieht sich mit hoher Geschwindigkeit, und ebenso dynamisch entwickeln sich Themen, Tools und Ansätze weiter. Entsprechend versteht sich dieses Toolkit als lebendes Dokument, das kontinuierlich im Abgleich mit den Erfahrungen der Beteiligten fortgeschrieben wird.

Haben Sie Ideen für weitere Inhalte, die im Toolkit aufgenommen werden sollen? Dann nehmen wir diese gerne unter unserer Kontaktadresse entgegen.

Wir wünschen Ihnen eine inspirierende Lektüre! 

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Gemeinsam den digitalen Wandel gestalten

Vor zehn Jahren hat noch niemand geahnt, mit welcher Wucht die digitalen Technologien die Welt verändern würden. In der EZ waren es zunächst die Mobiltelefone und dann die →Smartphones, die ganz neue Entwicklungen in Gang setzen. Die Zahlen sprechen für sich: Im Durchschnitt besitzen acht von zehn Personen in Entwicklungsländern ein Smartphone.

Ein eindrucksvolles Beispiel ist Myanmar, das als „Least Developed Country“ binnen weniger Jahre aus dem vordigitalen Zeitalter direkt bei Smartphone und →Apps landete. Myanmar hat mit Festnetz und Handy gleich zwei Telefongenerationen übersprungen und eilt ins Zeitalter des Smartphones: 2015 verfügten bereits 66 Prozent der Handy-Besitzer in Myanmar über ein Smartphone. Die Welt wird immer digitaler.

Das gilt natürlich auch für die Entwicklungszusammenarbeit. In allen Regionen entwickeln die deutschen Durchführungsorganisationen und Zuwendungsempfänger digitale Lösungen für alle Sektoren der EZ. Mit diesen neuen Instrumenten können die Vorhaben Wertschöpfungsketten optimieren, Informationen sammeln, lokale Bedarfe identifizieren, Partizipation verbessern, Transparenz herstellen oder Wirkungen messen. Konkret kann dies heißen: Versicherungsschutz für Landwirte gegen klimabedingte Ernteausfälle, Krankenversicherungen für besonders benachteiligte Zielgruppen oder neue Verwaltungstools für höhere Steuereinnahmen. Die digitale Welt kann so Marginalisierungen etwas entgegensetzen und dabei effizient und schnell Versorgungslücken schließen. Sie bietet die Möglichkeiten für mehr Transparenz und Partizipation. Die Beispiele im Abschnitt „Inspirierende Projekte“ dieses Toolkits zeugen von der Innovationskraft digitaler Lösungen in der Entwicklungszusammenarbeit.

Den hohen Erwartungen an die Digitalisierung stehen jedoch auch Probleme gegenüber. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass „digital“ nicht immer gleichzusetzen ist mit „besser“, „schneller“ oder „effizienter“. Ganz im Gegenteil: Die Digitalisierung schafft neue Herausforderungen – im →Datenschutz oder im →Zugang zu Hardware, zum Netz und zu Knowhow. Diese Herausforderungen sollten bei aller Digital-Euphorie in den Diskussionen um innovative Projekte stets mitberücksichtigt werden.

Gleichzeitig treffen die softwarebasierten Lösungen in vielen Partnerländern auf Menschen und Projekte, an die sie andocken können. Der digitale Wandel inspiriert weltweit Innovateure und Entrepreneure dazu, die neuen Chancen zu ergreifen und selbst zu gestalten. Ein Beispiel sind mobile Bezahlsysteme (→E-Payment), mit denen auch marginalisierte Bevölkerungsgruppen endlich unkompliziert Zugang zu finanziellen Dienstleistungen erhalten.

Ruanda profitiert heute davon, dass es vor 15 Jahren eine digitale Strategie beschloss, um zu einer Wissensgesellschaft zu werden (Ruanda „Vision 2020“). Bald wird ein Großteil der Ruander deswegen Zugang zu Breitbandanschluss haben und die digitalen Techniken nutzen können. Die Chancen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit und ihre Partner, mithilfe des digitalen Wandels Potenziale zu heben und Entwicklungssprünge zu initiieren, stehen also gut – in allen Sektoren.

Die Integration von Informations- und Kommunikationstechnologien (→IKT) in die Entwicklungszusammenarbeit ist für das BMZ eine Priorität. Deswegen wird in neue Partnerschaften und Initiativen investiert.

Digitalisierung in Zahlen (pdf, 0.11 MB, DE)
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Übergeordnete Leitprinzipien für digitale Projekte

Die Vielfältigkeit der Digitalisierung schafft eine neue Unübersichtlichkeit. Am eindrücklichsten zeigt sich dies darin, dass durch das →Internet etablierte Grenzen aufgehoben werden (etwa Nationalgrenzen) und gleichzeitig neue Grenzen entstehen (z.B. durch die Monopole der Internetgiganten). In diesem Zusammenhang ist es nicht immer leicht, die Orientierung zu behalten. Deswegen braucht es gerade für digitale Projekte übergeordnete Leitprinzipien, an denen sich Entscheidungsträger für eine werteorientierte Entscheidungsfindung orientieren können. Solche normativen Rahmen spielen auf unterschiedlichen Ebenen eine bedeutende Rolle, etwa bei Verhandlungen mit Partnerorganisationen, bei der Formulierung von Strategiedokumenten oder bei der Konzeption von digitalen Projekten. Für diese Ebenen stehen unterschiedliche Bezugsrahmen zur Verfügung: 

Vereinte Nationen, Allgemeine Erklärung der Menschenrechte African Declaration on Internet Rights and Freedoms NETmundial, „Multistakeholder Statement“ Declaration of Internet Freedom Deutsche Welle, „The South2South Manifesto“

  
Die UNESCO stellt hierfür online eine Liste mit internationalen und regionalen Instrumenten zur Verfügung. Auch die aktuelle Internetstudie der UNESCO ist für die Diskussion zu übergeordneten Leitprinzipien ein wichtiges Referenzdokument: 

„International and regional instruments relevant to the areas of access, freedom of expression, privacy and ethics“ Internet-Studie: „Keystones to foster inclusive Knowledge Societies – Access to information and knowledge, Freedom of Expression, Privacy, and Ethics on a Global Internet“

DIE PRINZIPIEN FÜR DIGITALE ENTWICKLUNG: KRITERIENKATALOG FÜR PROJEKTENTWICKLUNG UND -EVALUIERUNG

Einen guten Orientierungsrahmen für die Konzeption neuer, aber auch für die Evaluierung bestehender Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit liefern die „Prinzipien für digitale Entwicklung“, die erst von einzelnen Geberorganisationen erarbeitet wurden und nun von einer großen Gruppe von EZ-Organisationen weiterentwickelt werden. Die folgenden neun Prinzipien stellen die Grundlage für einen verantwortungsvollen Umgang mit Technik dar und dienen als Kriterienkatalog, um neue Initiativen zu entwickeln, Projekte zu planen oder zu evaluieren:

  1. „Design with the user“
  2. „Understand the Existing Ecosystem“
  3. „Design for Scale“
  4. „Build for Sustainability“
  5. „Be Data Driven“
  6. „Use Open Standards, Open Data, →Open Source, and Open Innovation“
  7. „Reuse and Improve“
  8. „Do no harm“
  9. „Be Collaborative“

Regelmäßige Aktualisierungen und Ankündigungen von Veranstaltungen:

http://digitalprinciples.org

Die Prinzipien in die Praxis zu übertragen stellt ohne Zweifel eine Herausforderung dar. Dabei unterstützt der Bericht „From Principle to Practice“, der Anfang 2016 von einer Arbeitsgruppe zu den Prinzipien veröffentlicht wurde (s. unten). Aber auch die Instrumente und Methoden in diesem Toolkit werden Ihnen viel Inspiration zur Umsetzung der Prinzipien bieten.

DIE AGENDA 2030 UND INFORMATIONS- UND KOMMUNIKATIONSTECHNOLOGIEN (IKT)

→IKT sind ein Schlüssel für nachhaltige Entwicklung und spielen eine entscheidende Rolle bei der Erreichung der nachhaltigen Entwicklungsziele („Sustainable Development Goals“, „SDGs“) im Rahmen der Agenda 2030. Explizite Erwähnung finden IKT hier nur in vier Unterzielen („Bildung“, „Geschlechtergerechtigkeit“, „Infrastruktur, Industrialisierung, Innovation“, „Partnerschaften“). Sie bieten jedoch spezifische, innovative Lösungen für viele verschiedene Bereiche und spielen damit eine wesentliche Rolle als Mittel zur Erreichung aller 17 Ziele. Die Agenda 2030 wird ein wichtiger Bezugsrahmen für fast alle zukünftigen Entwicklungsprojekte sein. Umso wichtiger ist es, IKT und SDGs bei der Formulierung von Projektvorschlägen stark miteinander zu verschränken.

Den politischen Rahmen für die Verknüpfung von SDGs und IKT bildet unter anderem der Nachfolgeprozess der beiden Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (World Summit on the Information Society – WSIS). Die Verschränkung der im WSIS Prozess entwickelten 18 thematischen Aktionslinien mit den SDGs durch die Internationale Fernmeldeunion (ITU) bildet dabei den Referenzpunkt für die Aktivitäten beteiligter UN-Organisationen, Regierungen und privat- wie zivilgesellschaftlicher Akteure. Die in diesem Prozess entwickelte „WSIS-SDG Matrix“ bietet einen ersten Überblick, wie IKT strategisch für das Erreichen der Agenda 2030 eingesetzt werden können.

Digitale Lösungen zur Erreichung der einzelnen Ziele sind vielfältig und stark abhängig von Kontext und Art der Maßnahme. Das „SDG ICT Playbook“ des NetHope Solutions Center stellt zusammenfassend dar, welchen Einfluss verschiedene Technologien auf die unterschiedlichen Ziele haben können (siehe dazu auch die Ericsson Studie SDG & ICT, Link s.u.).

Darüber hinaus werden IKT auch eine bedeutende Rolle bei der Koordination der Agenda 2030 und der Evaluation der Ziele und Unterziele spielen. Digitale Anwendungen schaffen Vernetzung und Kommunikation innerhalb von Organisationen und in Zusammenarbeit mit anderen Akteuren. Ein wichtiges Ziel der Agenda 2030 ist es, die globale Partnerschaft zwischen unterschiedlichen Akteuren (Regierungen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft) zu stärken. IKT bieten innovative Wege, um Partizipation, Inklusion und Transparenz in diesem Prozess zu ermöglichen. Für die Überprüfung der Zielerreichung müssen neue digitale Dateninfrastrukturen aufgebaut werden. Diese schaffen Vergleichsmöglichkeiten, erlauben evidenzbasierte Entscheidungsfindung und ermöglichen idealerweise auch flexibles Handeln.

Diese vielfältigen Möglichkeiten, die IKT für die Agenda 2030 bieten, benötigen jedoch kreative Ansätze, damit bestehende und neue digitale Technologien Teil dieser neuen Epoche der Entwicklungszusammenarbeit werden können. Auf den nachfolgenden Seiten finden Sie viele konkrete Instrumente und Methoden, die in den nächsten Jahren, vielleicht auch durch Ihre Unterstützung, erheblich erweitert werden können. 

Weiterführende Informationen und Links:

ITU, „Linking WSIS Action Lines with Sustainable Development Goals“ Nethope, „SDG ICT Playbook. From Innovation to Impact“ Ericsson, „How information and communications technology can achieve the sustainable development goals“ Principles for Digital Development, „From Principles to Practice: Implementing the Principles for Digital Development“

Kontakt



Glossar

Fachbegriffe aus der digitalen Welt für die Entwicklungs zusammenarbeit und Internationale Zusammenarbeit für Bildung, Kultur und Medien

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