Familie

Familie wird aus gesellschaftspolitischer und soziologischer Sicht als entscheidendes „Strukturmerkmal von Gesellschaft“ (Huinink) verstanden. Sie ist eine wichtige Vermittlungs- und Unterstützungsinstanz zwischen Individuum und Gesellschaft. Seit einigen Jahren zeigen sich bezüglich Rolle, Funktionen und Formen von Familie – besonders in Europa, aber ebenso in Entwicklungs- und Schwellenländern – tiefgreifende Veränderungsprozesse. Insgesamt ergibt sich daraus ein Bild von Vielfalt familialer, alleinerziehender, generationsübergreifender, ehelicher oder nichtehelicher, heterosexueller oder gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften und Lebensentwürfe.

Im Hinblick auf die Rollen, Funktionen und Aufgaben von Familie wird die „Doppelgestalt“ von Familie betont (Schneider). Sie ist einerseits eine soziale Instanz, die von gesellschaftlichen Strukturen, Rollen und Erwartungen geprägt ist (Makro-Ebene). Andererseits ist Familie auch der Ort von sozialer (generationen-übergreifender) Interaktion, Erziehung und Sozialisation (Mikro-Ebene). Sie dient dabei als Schutz-, Erholungs- und Versorgungsraum für alle ihre Mitglieder. Besonders in den ärmeren Ländern/Regionen kann die (Groß-) Familie als ökonomisches und sozio-kulturelles Solidarsystem verstanden werden, das ganz wesentlich zum Überleben beiträgt. Die Bedeutung von Familienpolitik als wichtiger (entwicklungspolitischer) Einflussfaktor in der Internationalen Zusammenarbeit sollte deshalb nicht unterschätzt werden.

Weitere Themenbereiche, die mit Familie und Familienpolitik zusammenhängen, sind intergenerationaler Zusammenhalt und Generationen-Gerechtigkeit, Kinder- und Jugendschutz, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Beruf und Pflege von Angehörigen, Familie im Wandel im ländlichen Raum sowie Gender und Gleichstellung der Geschlechter. Auch im Hinblick auf Flucht, Migration und soziale Integration spielen Familien eine entscheidende Rolle. Gleichzeitig stehen sie in diesem Kontext auch vor erhöhten Belastungen und Herausforderungen.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie anderer öffentlicher und privater Auftraggeber engagiert sich die GIZ für die Positionierung und Erschließung des Themas Familie und Familienpolitik in verschiedenen Sektoren, Vorhaben und Regionen. Dabei unterstützt sie Regierungen, Institutionen und Organisationen durch Beratung von Vorhaben vor Ort zu innovativen familienfreundlichen und kommunalen Maßnahmen. Hierfür werden bedarfsorientierte und fachliche Konzeptpapiere aus multi-disziplinärer und soziokultureller Perspektive erarbeitet.

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Familienpolitik

Familienpolitik (family policy-making) zur Unterstützung von Familien ist ein wichtiges Zukunftsthema von Gesellschaften und Organisationen. Die wachsenden Herausforderungen für Familien – in ihren unterschiedlichen sozialen und kulturellen Formen und Settings – treten immer mehr in die öffentliche Diskussion, auf lokaler, kommunaler, regionaler, nationaler und nicht zuletzt internationaler Ebene. Dabei geht es um Fragen von Armutsminderung, Perspektiven für Kinder und Jugendliche, Recht auf Betreuung und soziale, ökonomische und kulturelle Förderangebote, Gender-Orientierung, Förderung von Frauen, besonders zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Alterung und Pflege etc.

Vor dem Hintergrund sozio-kultureller Veränderungen ist es notwendig, im Rahmen einer vorausschauenden Familienpolitik in Deutschland, Europa und besonders in Entwicklungs- oder Schwellenländern neue Antworten zu finden. Die Motive, Ansätze und Instrumente von Familienpolitik sowie die damit verfolgten anspruchsvollen Ziele sind dabei sehr vielschichtig. Familienpolitik ist, gerade was die Umsetzung angeht, ein sektorübergreifendes Querschnittsthema und Politikfeld. Familienpolitik steht z.B. in Zusammenhang mit den Themen Gewalt, demographischer Wandel, Bevölkerungswachstum, Gleichstellung, sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, landwirtschaftliche Entwicklung, Ernährungssicherheit und Familienbetriebe, Mikrofinanzierung, informeller Sektor und soziale Sicherungssysteme. Gleichzeitig wird es immer mehr als ein eigenständiges und übergeordnetes Rahmenthema verstanden.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie anderer öffentlicher und privater Auftraggeber engagiert sich die GIZ für die Erschließung und Umsetzung des in der internationalen Zusammenarbeit wichtigen Themas Familienpolitik in verschiedenen Sektoren, Vorhaben und Regionen. Konkrete Maßnahmen sind u.a. die Sensibilisierung von Gemeinden und Verwaltungen für die Bedürfnisse von Familien hinsichtlich der Verbesserung der Dienstleistungserbringung, die Verbesserung der Infrastruktur für Familien und die Familienpolitik-Beratung auf nationaler und regionaler Ebene.

Kontakt

Dr. Hans-Heiner Rudolph
hans-heiner.rudolph@giz.de