Hintergrund

Der Boden ist als Grundlage für Ackerbau und Viehwirtschaft eine der wichtigsten natürlichen Ressourcen des Menschen. Doch gutes Acker- und Weideland wird immer knapper – besonders in Gebieten mit relativ trockenem Klima. Vor allem durch unangepasste und zu intensive Nutzung werden dort große Flächen zerstört. Eine nicht nachhaltige Landnutzung ist vor allem auf unangepasste technische Verfahren der Bewirtschaftung, auf mangelhafte Raum- und Bodenordnung und auf nicht angepasste Strategien der Landbewirtschaftung bei starkem Bevölkerungswachstum zurückzuführen.

Das führt dazu, dass neben der biologischen und ökonomischen Produktivität des Bodens auch Biodiversität und Ökosystemleistungen verloren gehen. So stehen zum Beispiel weniger Wasser für Bewässerung und häusliche Nutzung zur Verfügung oder auch weniger Feuerholz oder Baumaterialien bereit.

giz-desert-sandsturm_rdax_168x126_100.jpg
Sandsturm in Burkina Faso

Weltweit sind über 2 Milliarden Menschen direkt und indirekt von Desertifikation betroffen. Ihnen drohen wirtschaftliche Verluste bis hin zur Gefährdung ihrer Lebensgrundlage. Mangelernährung, Armut, Konflikte und Migration sind die Folgen. Dies verhindert eine nachhaltige Entwicklung der betroffenen Länder.

Die Dynamik der Desertifikation ist in weiten Teilen der Erde ungebrochen und schafft beunruhigende Perspektiven: Sollte dieser Trend anhalten, erwarten Experten bis zum Jahr 2025 einen Rückgang der landwirtschaftlichen Nutzfläche um zwei Drittel in Afrika, ein Drittel in Asien (ohne China) und zwei Fünftel in Lateinamerika (Referenzjahr 1990).

MEHR SCHLIESSEN

Desertifikationsbekämpfung in der deutschen Entwicklungspolitik

Desertifikationsbekämpfung wurde nach den schweren Dürren im Sahel in den 1970er und 80er Jahren zu einem Schwerpunkt der deutschen Entwicklungspolitik. Deutschland fühlt sich mit Unterzeichnung der Konvention der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD) und als Sitzstaat des Konventions-Sekretariats besonders dazu verpflichtet, die Umsetzung der UNCCD zu unterstützen. Mit der UNCCD hat die Staatengemeinschaft einen globalen und rechtsverbindlichen Rahmen zur Bekämpfung der Desertifikation und zur Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung in Ländern der Trockenzonen verabschiedet.

MEHR SCHLIESSEN

Der Begriff Desertifikation

Was bedeutet Desertifikation?

Wir sprechen von Desertifikation, wenn in Gebieten mit relativ trockenem Klima die natürlichen Ressourcen (Boden, Vegetation, Wasser) als Folge einer zu intensiven Nutzung durch den Menschen beeinträchtigt oder zerstört werden. Eine solche Zerstörung hat weitreichende Folgen: Die Vegetation geht zurück oder verschwindet vollständig; die Wasserrückhaltekapazität der Böden nimmt ab;die Böden erodieren, versalzen oder versanden; Sand wird vom Wind verfrachtet und zerstört die Infrastruktur; das Land wird unfruchtbar und verödet.

Da dieser Prozess zur Ausbreitung bzw. Entstehung von wüstenähnlichen Verhältnissen führt, wird „Desertifikation“ im deutschen Sprachgebrauch meist fälschlich mit „Wüstenbildung“ übersetzt. Dennoch hat Desertifikation nichts mit dem Ökosystem „Wüste“ (die an sich schützenswert ist) zu tun. Als Synonyme werden häufig auch Landdegradierung oder Landverödung verwendet. Jedoch bezieht sich der Begriff Landdegradierung nicht nur auf Trockengebiete, sondern auf alle Klimaregionen, wo Land nicht nachhaltig genutzt wird. Desertifikation ist also die spezielle Form der Landdegradierung in Trockengebieten.

Definition:

Die UNCCD definiert Desertifikation als „Landverödung in ariden, semiariden und trockenen subhumiden Gebieten infolge verschiedener Faktoren, einschließlich Klimaschwankungen und menschlicher Tätigkeiten“. Landverödung bedeutet, dass biologische oder wirtschaftliche Produktivität und Vielfalt, Anbauflächen, Wiesen, Weideland und Wälder abnehmen oder verloren gehen. Als arid, semiarid und trocken sub-humid werden Gebiete bezeichnet, „in denen das Verhältnis der jährlichen Niederschlagsmenge zur möglichen Verdunstung zwischen 0,05 und 0,65 liegt, außer polare und subpolare Regionen“

MEHR SCHLIESSEN

Folgen

Desertifikationsprozesse und Landdegradierung gefährden weltweit in dramatischer Weise die Existenzgrundlage vieler Menschen, insbesondere der ländlichen Bevölkerung.

In den vergangenen 20 Jahren haben sich Ausmaß und Intensität der Landdegradierung erhöht. Obwohl auch Schwellen- und Industrieländer von Desertifikation betroffen sind, sind es besonders die Entwicklungsländer, die unter der Zerstörung von Land und Ressourcen leiden: Die 50 am wenigsten entwickelten Länder sind besonders stark von Desertifikation betroffen. Ihre Bewohner zählen zu den ärmsten Menschen der Welt, und die Kindersterblichkeit ist hier am höchsten. Desertifikation gefährdet mittlerweile die Lebensgrundlage von 250 Millionen Menschen. In den Trockengebieten stellt die Landwirtschaft die Ernährungsgrundlage der lokalen Bevölkerung dar und ist einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche. Jeden Tag gehen wertvolle landwirtschaftliche Nutzflächen für immer verloren. So verursachen Wasser- und Winderosion jedes Jahr einen Verlust von etwa 24 Milliarden Tonnen fruchtbarem Oberboden. Bis 2025 wird die Anbaufläche pro Einwohner in Afrika südlich der Sahara im Vergleich zu 1990 um 60 Prozent schrumpfen, in Lateinamerika wird ein Rückgang von ca. 40 Prozent erwartet. Dennoch müssen immer mehr Menschen ernährt werden. Aber ohne fruchtbaren Boden gibt es keine Ernährungssicherheit.

Für die meist arme Landbevölkerung in Entwicklungsländern bedeutet Desertifikation den Verlust der Produktionsgrundlagen, eine Gefährdung der Ernährungssicherheit und ein erhöhtes Armuts- und Konfliktrisiko. Umgekehrt wird Desertifikation durch Armut beschleunigt, da sie die Menschen zu einer Übernutzung ihrer natürlichen Ressourcen zwingt. Die Mittel für notwendige Investitionen und das erforderliche Know-how zur Einführung angepasster Landnutzungspraktiken fehlen. So entsteht ein Teufelskreis zwischen Armut und Desertifikation.

Desertifikation ist also nicht nur ein ökologisches Problem, sie verschärft auch die sozialen Probleme in den betroffenen Ländern und verhindert eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Die ökonomischen Verluste sind enorm: Allein die jährlichen Einkommensverluste der Betroffenen werden weltweit auf 42 Milliarden US-Dollar geschätzt. Hinzu kommen noch die indirekten Kosten, zum Beispiel durch Abwanderung, Krankheiten und Flüchtlingselend.

Aber nicht nur die sozioökonomischen Folgen sind von Bedeutung. Nachhaltige Landnutzung ist ein Schlüsselfaktor, um auch den anderen globalen umwelt- und entwicklungspolitischen Herausforderungen – insbesondere dem Klimaschutz und dem Erhalt von Biodiversität und Ökosystemleistungen – zu begegnen.

MEHR SCHLIESSEN

Die Internationale Konvention zur Bekämpfung der Desertifikation (UNCCD)

Die UNCCD (United Nations Convention to Combat Desertification) ist eine der drei großen sogenannten Rio-Konventionen. Sie bildet die völkerrechtlich verbindliche Grundlage für die Erhaltung der natürlichen Ressourcen in den Trockengebieten als Teil der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung. 194 Staaten haben seit 1996 die Konvention unterzeichnet. Ihr Sekretariat ist in Bonn angesiedelt.

Die Konvention sichert den betroffenen Ländern eine langfristige, verbindliche Unterstützung auf internationaler Ebene zu. Zum ersten Mal wird weltweit abgestimmtes Handeln gegen Desertifikation festgelegt, denn nur so lässt sich dieses global auftretende Problem effektiv bekämpfen.

Die UNCCD ist die am stärksten entwicklungspolitisch orientierte Konvention unter den drei in Rio vereinbarten internationalen Umweltabkommen. Ziel der Konvention ist es, den Teufelskreis aus Landknappheit, Hunger, Migration und Ressourcenkonflikten besonders in den ärmsten Ländern zu durchbrechen. Maßnahmen der Desertifikationsbekämpfung tragen damit zur Sicherung eines nachhaltigen Umgangs mit der Umwelt und zum Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung bei.

Um den Entwicklungsländern Zugang zu den für die Desertifikationsbekämpfung nötigen Finanzmitteln zu erleichtern, wurde der sogenannte Global Mechanism (GM) geschaffen.

Mehr zu den Ausmaßen der Desertifikation

MEHR SCHLIESSEN

Weltweit

Aufgrund der Landdegradierung nimmt die Gefahr von Hungersnöten und Naturkatastrophen zu, Armut, Konflikte und Landflucht werden provoziert. Ernährungssicherheit und die globalen Umweltprobleme – Verlust der Biodiversität, Klimawandel und Landdegradierung – sind eng verwoben und lassen sich daher nur gemeinsam lösen. So führt der Klimawandel beispielsweise in einigen Regionen der Sahelzone zu noch trockeneren Bedingungen. Dies gilt es, bei den Strategien zur nachhaltigen Landnutzung zu berücksichtigen.

Weltweit sind 24 Prozent der Landoberfläche in den vergangenen 25 Jahren degradiert. Damit sind die Existenzen von 1,5 Milliarden Menschen direkt gefährdet. Sowohl trockene als auch humide Gebiete sind von Landdegradierung betroffen.

UNCCD desertifikation map

Die UNCCD (2008) konstatiert, dass insgesamt 36 Millionen Quadratkilometer der als Trockengebiete klassifizierten Flächen durch Desertifikationsprozesse gefährdet sind (insgesamt 71 Prozent aller Trockengebiete).

Weltweit sind mehr als 110 Länder akut von Desertifikation bedroht. Vor allem Entwicklungsländer leiden unter der Zerstörung ihrer natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Biodiversität. Viele der am wenigsten entwickelten Länder sind von Desertifikation in besonderem Ausmaß betroffen, da dort Trockengebiete rund zwei Drittel der gesamten Landfläche einnehmen. Aktuelle „Hot Spots“ der Desertifikation sind vor allem in Zentralasien, im Subsahara Afrika und in Lateinamerika/Karibik zu finden.

MEHR SCHLIESSEN

Zentralasien

In Zentralasien sind über 80 Prozent der Flächen der ariden, semi-ariden oder trocken subhumiden Zone zuzurechnen. Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Tadschikistan und Turkmenistan leiden unter den Folgen falscher Bodenbewirtschaftung zu Sowjetzeiten. Über die Hälfte der Landesflächen ist akut von Desertifikation und Bodendegradierung bedroht. Die Bekämpfung der Desertifikation ist hier also besonders wichtig.

MEHR SCHLIESSEN

Afrika

In Afrika sind 485 Millionen Menschen (entspricht 65 Prozent der gesamten Bevölkerung) von Desertifikationsprozessen betroffen. Insgesamt umfassen die Trockengebiete in Afrika eine Größe von ca. 13 Millionen Quadratkilometern. Gesamte Fläche von Afrika beträgt 30 Millionen Quadratkilometer). Allein im Subsahara Afrika ist eine Fläche von 2,597 Millionen. Quadratkilometer (22,8 Prozent der Trockengebietsfläche) degradiert.

MEHR SCHLIESSEN

Lateinamerika/Karibik

In Lateinamerika und der Karibik ist laut UNDP eine Fläche von 5,4 Millionen. Quadratkilometer (26,5 Prozent der Gesamtfläche) als Trockengebiete klassifiziert. Von dieser Fläche sind 1,2 Mio. Quadratkilometer (28,8 Prozent der Trockengebietsfläche) von Desertifikationsprozessen betroffen. Die degradierten Ackerflächen in den Trockengebieten von Lateinamerika und der Karibik belaufen sich auf eine Größe von 0,141 Millionen Quadratkilometer und die degradierten Weideflächen sogar auf eine Größe von 0,840 Millionen Quadratkilometer.

MEHR SCHLIESSEN

In Industrie- und Schwellenländern

Auch in Industrie- und Schwellenländern ist Desertifikation ein gravierendes Problem. Zu den betroffenen Ländern gehören beispielsweise China, Argentinien, Brasilien, und Mexiko sowie die USA und einige Mittelmeeranrainerstaaten.

Auch Europa ist betroffen: In Spanien sind fast 40 Prozent der gesamten Fläche von Desertifikation betroffen. Vor allem das boomende Tourismusgeschäft hat einen drastischen Wandel bewirkt. Es hat der spanischen Mittelmeerküste ein enormes Wirtschaftswachstum, dem semi-ariden Hinterland indes dramatische Umweltfolgen beschert. Die Hänge hier waren nicht immer kahl und grau. Allein in den letzten 15 Jahren wurden auf dem Staatsgebiet 1,5 Millionen Hektar Wald abgebrannt, um Flächen für Plantagen und Baufläche zu gewinnen. Europaweit sind ca. 160 Millionen Hektar Boden durch Wind- und Wassererosion degradiert (EUA 2009).

Kontakt

Walter Engelberg
ccd-projekt@giz.de
Telefon: +49 228 4460-3664
Fax: +49 228 4460-803664