Armut und Ungleichheit

Landarbeiterin schüttet Getreide aus einem Korb © giz / Meissner

Gegen Armut und Ungleichheit – für ein Leben in Würde für alle

„Armut ist die schlimmste Form der Gewalt.“
Mahatma Gandhi

Armutsreduzierung und die Überwindung der Ursachen von Armut sind Kernziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Extreme Einkommensarmut konnte seit 1990 weltweit um die Hälfte verringert werden. Dennoch mussten 2015 schätzungsweise noch 700 Millionen Menschen mit weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag auskommen. Die Zahl der Menschen in multidimensionaler Armut ist mit 1,5 Milliarden mehr als doppelt so groß. Das heißt, sie haben keinen oder unzureichenden Zugang zu Bildung, Gesundheit und notwendiger Grundversorgung wie Energie und Wasser. Trotz dieser Fortschritte wurden also viele Menschen, vor allem in Sub-Sahara Afrika, in fragilen Staaten und Angehörige benachteiligter Bevölkerungsgruppen, nicht erreicht.

Einkommens- und Chancenungleichheit erschweren zusätzlich die Über­­ windung von Armut. Es macht einen großen Unterschied für die Entwicklungs­chancen des Einzelnen, wo und unter welchen Umständen ein Mensch geboren wird. Mädchen und Frauen sind dabei häufig besonders benachteiligt.

Ungleichheit hat genauso wie Armut viele Dimensionen. Sie umfasst ökono­mische Faktoren wie Einkommen, menschliche Faktoren wie Zugang zu Bildung und Gesundheit, politische Befähigung und Teilhabe, sozio-kulturelle Faktoren wie Status und Würde. Auch Unsicherheit oder Verwundbarkeit gegenüber katastrophalen Naturereignissen sind ungleich ausgeprägt. Die verschiedenen Dimensionen bedingen sich dabei gegenseitig – Bildungs­ungleichheit verstärkt beispielsweise Einkommensungleichheit und umgekehrt.

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ARMUT UND UNGLEICHHHEIT IN DER AGENDA 2030

Nach jahrelangen Vorbereitungen wurde im September 2015 die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung angenommen. Bis 2030 setzt sich die Weltgemeinschaft damit 17 Ziele mit 169 Unterzielen. Sie umfassen die ökonomische, ökologische und soziale Dimension nachhaltiger Entwicklung und streben einen Paradigmenwechsel auch für die internationale Zusammenarbeit an. Für die Themen Armut und Ungleichheit sind die Ziele 1 und 10 von besonderer Bedeutung.

  • Extreme Armut soll bis 2030 vollständig überwunden werden (Ziel 1). Die Agenda legt außerdem fest, dass Armut entsprechend den nationalen Armutsdefinitionen halbiert werden soll. In allen ihren Dimensionen, was eine enorme Weiterentwicklung gegenüber einem rein monetären Armutsverständnis bedeutet.
     
  • Die Reduzierung von Ungleichheit bildet nun ein eigenes Ziel: Ungleichheit soll innerhalb und zwischen Staaten verringert werden (Ziel 10). Die Staatengemeinschaft erkennt damit an, dass die Kluft zwischen Arm und Reich vielerorts zu hoch ist und teilweise in den letzten Jahren sogar noch gestiegen ist. Um dem entgegen­zuwirken, sollen die ärmsten 40 Prozent erreicht werden und vom Wirtschaftswachstum mehr profitieren als der Durchschnitt.

  
Gemeinsame Verantwortung für die Überwindung der Armut weltweit zu übernehmen – das war auch schon der Kern der Millenniums­entwicklungsziele (MDGs). Mit den damals acht Zielen setzte sich die Weltgemeinschaft erstmals quantitative und damit überprüfbare Zielgrößen im Kampf gegen die Armut. Die Bilanz der MDGs fällt jedoch gemischt aus. So konnte der Anteil der Menschen, die in (monetärer) Armut und ohne Zugang zu Trinkwasser leben, halbiert werden. Die Ziele in Bezug auf die Reduzierung von Hunger und den Zugang zu menschenwürdiger Beschäftigung wurden hingegen verfehlt. Darüber hinaus steht die Weltgemeinschaft jetzt vor neuen, globalen Herausforderungen. Dazu gehören Bevölkerungswachstum und Migrationsbewegungen, die Auswirkungen des Klimawandels, von denen die Ärmsten überproportional betroffen sind, und soziale Ungleichheit. Diese Herausforderungen werden im Rahmen der neuen Nachhaltigkeitsziele aufgegriffen.

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NACHHALTIGE REDUZIERUNG VON ARMUT UND UNGLEICHHEIT IN DER ARBEIT DER GIZ

Die Bundesregierung orientiert ihre Politik am Leitbild der nachhaltigen Entwicklung. Armutsreduzierung ist dabei Kernziel der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, was im übersektoralen Konzept „Armut wirksamer bekämpfen – weltweit!“ des Bundesministeriums für wirt­schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bekräftigt wurde.

Globale nachhaltige Entwicklung ist nur möglich, wenn Armut erfolgreich und dauerhaft reduziert wird. Damit ist Armutsbekämpfung eine der Kernaufgaben der internationalen und der deutschen Entwicklungspolitik.

Die GIZ orientiert sich am Leitbild der Bundesregierung. Ausgangspunkt für erfolgreiche Armutsbekämpfung ist ein gesellschaftlicher Konsens und politischer Wille. Das bedeutet immer auch, die macht- und gesell­schafts­politische Diskussion mit unseren Kooperationsländern, unseren Auftrag­gebern und der internationalen Gebergemeinschaft gemeinsam zu gestalten.

Dabei verstehen wir Armutsbekämpfung und die Reduzierung von Ungleich­heit als Querschnittsaufgaben. Im Auftrag des BMZ unterstützen wir bei der Umsetzung nationaler Strategien zur Armutsbekämpfung und zum Abbau sozialer Ungleichheit. Außerdem beraten wir bei der armuts­orientierten Ausgestaltung von internationalen entwicklungs­politischen Prozessen und Vereinbarungen.

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit möchte sich zukünftig noch stärker der Reduzierung von Ungleichheit widmen, beispielsweise durch die Förderung von inklusivem Wirtschaftswachstum und Beschäftigungs­förderung. Zudem entwickeln wir Ansätze für die Reduzierung von Chancen­ungleichheit und ungleichem Zugang zu Grundbedürfnissen wie Bildung, Gesundheitsdienstleistungen, Wasser, Energie und Finanz­instrumenten wie Mikrokrediten. Außerdem unterstützen wir unsere Partnerländer verstärkt beim Aufbau sozialer Sicherungssysteme (Krankenversicherung, Grundsicherung, Alters­sicherung). So wird die Widerstandsfähigkeit vor allem ärmerer Bevölkerungsgruppen gegen äußere Schocks, wie zum Beispiel Naturkatastrophen erhöht.

Für alle Maßnahmen gilt jedoch: Die Entwicklungsländer sind für ihre Entwicklung in erster Linie selbst verantwortlich. Unsere Vorhaben zielen darauf ab, gemeinsam mit ihren Partnern Rahmenbedingungen zu verändern und die Chancen für arme Bevölkerungsgruppen zu erhöhen, sich aus eigener Kraft an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu beteiligen.