Ansatz

 

Die GIZ führt seit 1997 im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Maßnahmen der Katastrophenvorsorge durch. Die daraus gewonnenen Erfahrungen und Kenntnisse fließen in die konzeptionelle Weiterentwicklung der Katastrophenvorsorge ein.

Katastrophenvorsorge setzt auf unterschiedlichen Ebenen an und sorgt so für eine Nachhaltigkeit der Risikoreduzierung. Da sich viele Katastrophen lokal ereignen, werden Maßnahmen häufig lokal initiiert. Das allein reicht allerdings nicht aus. Für die Schaffung struktureller und gesetzlicher Rahmenbedingungen sind die regionale und die nationale Ebene zuständig. Deshalb ist es wichtig, die Verbindung von lokalen mit nationalen und regionalen Strukturen zu schaffen.

Zunehmend findet Katastrophenvorsorge in nationale Politikberatung und internationale Diskussionen Eingang. Dies hat zum Ziel, dass die Partner risikoreduzierende Maßnahmen nicht nur in ihre Katastrophenschutzpläne, sondern auch in ihre Strategien zur Armutsminderung, Haushaltsplanung und sektorale Entwicklungspläne integrieren.

Katastrophenvorsorge ist ein Querschnittsthema und muss in unterschiedliche Sektoren wie Bildung oder Ländliche Entwicklung Eingang finden. Um Katastrophenvorsorge breitenwirksam zu verankern, wird bei der Durchführung aller Maßnahmen größter Wert darauf gelegt, Vertreter öffentlicher Sektoren und zivilgesellschaftlicher Gruppen zu beteiligen. Zur Weiterentwicklung der Konzepte, Instrumente und Methoden kooperiert die GIZ ferner mit deutschen wie auch internationalen Fach- und Forschungsinstitutionen.

Das Beratungsangebot der GIZ umfasst:

 

  • die Identifizierung von Katastrophenrisiken durch Risikoanalysen,
  • die Sensibilisierung und Qualifizierung von Fachkräften, Bevölkerung und Entscheidungsträgern,
  • die Konzipierung von Maßnahmen zur Risikoreduzierung,
  • die Integration von Katastrophenvorsorge in Strategien zur Armutsminderung und Entwicklung,
  • die Entwicklung von Strategien zur Verankerung von Katastrophenvorsorge in Programmen und Konzepten verschiedener Sektoren,
  • die Verankerung von Katastrophenvorsorge in der Entwicklungs- und Landnutzungsplanung,
  • die Berücksichtigung von Risiken beim Wiederaufbau.

Aktionsfelder

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Aktionsfelder der Katastrophenvorsorge

Katastrophenvorsorge zielt darauf ab, das Katastrophenrisiko zu reduzieren und die Entstehung neuer Risiken zu vermeiden. Dazu gehören mehrere Aktionsfelder:

  • Die Risikoanalyse erfasst systematisch Bedrohungen und Anfälligkeit und setzt diese zueinander in Beziehung. Daraus lassen sich die Risiken ableiten. Auf Grundlage der Risikoanalyse werden Maßnahmen identifiziert und priorisiert, die das Katastrophenrisiko reduzieren.
  • Vorbeugung soll vor allem mittel- und langfristig die Anfälligkeit gegenüber den bestehenden Bedrohungen mindern. Dazu sind politische, rechtliche, planerische und infrastrukturelle Vorkehrungen erforderlich.
  • Mit der Vorbereitung auf den Katastrophenfall wird die gefährdete Bevölkerung ausgebildet, notwendige logistische und organisatorische Vorbereitungen selbst zu treffen. So kann sie angemessen auf ein extremes Naturereignis reagieren.
  • Frühwarnung ist ein Kernelement effizienter Vorbereitung. Durch die Messung und Bewertung zentraler Indikatoren wird versucht, das Eintreten extremer Naturereignisse in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen. Denn nur dann kann die betroffene Bevölkerung rechtzeitig gewarnt werden.
  • Rehabilitierung und Wiederaufbau stellen nach einem extremen Naturereignis die Lebensgrundlagen der Menschen wieder her und tragen zur Stabilisierung der künftigen Lebensbedingungen bei. Sie bieten eine gute Möglichkeit, aus den gemachten Fehlern zu lernen und Elemente der Katastrophenvorsorge zu etablieren.

In der Praxis hat sich bewährt, sowohl reine Katastrophenvorsorge-Projekte durchzuführen, als auch Katastrophenvorsorge in Projekte diverser Sektoren (etwa Bildung, Dezentralisierung) zu integrieren (Querschnittsverankerung der Katastrophenvorsorge). 

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Risikoanalyse

Eines der wichtigsten Instrumente für eine effektive Katastrophenvorsorge ist die Risikoanalyse. Katastrophen entstehen erst durch das Zusammentreffen eines extremen Naturereignisses und einer gegenüber diesem Ereignis anfälligen Gesellschaft. Das Risiko ergibt sich also durch die Verknüpfung von Bedrohung und Anfälligkeit. Wird diese Verknüpfung analysiert, können die möglichen Konsequenzen und Wirkungen auf eine Bevölkerungsgruppe abgeschätzt und bewertet werden. Davon ausgehend lassen sich Maßnahmen ableiten, um das Risiko zu reduzieren. Besonders wichtig ist, die Zielbevölkerung bei der Risikoanalyse einzubeziehen. Auf diese Weise werden lokales Wissen, soziokulturelle Werte und subjektive Wahrnehmungen berücksichtigt und Kenntnisse, Potenziale und Selbsthilfefähigkeiten weiterentwickelt. Gleichzeitig lernt die Bevölkerung bestehende Risiken und ihre Möglichkeiten, diese zu senken, kennen.

Das Konzept der Risikoanalyse

Die meisten Instrumente und Methoden der Bedrohungsanalyse basieren auf der Auswertung naturwissenschaftlicher Daten und Berechnungen zur räumlichen Verteilung (Ausdehnung), dem zeitlichem Auftreten (Frequenz, Trends) und der Intensität (Stärke, Ausmaß) der möglichen Naturereignisse. Diese messbaren Ergebnisse werden durch die Erfahrungen und Beobachtungen der Menschen ergänzt und in Bedrohungskarten dargestellt.

Die Anfälligkeitsanalyse erlaubt, mögliche soziale und ökonomische Wirkungen von Naturereignissen einzuschätzen. Sie untersucht empirisch, wie sich die Ereignisse auf die Menschen auswirken und inwiefern Institutionen und Menschen mit dem Ereignis umgehen können. Ausgehend von der Risikoanalyse werden entsprechende risikomindernde Maßnahmen identifiziert und priorisiert.

Eine weitere Entscheidungshilfe stellt die Kosten-Nutzen-Analyse dar. Sie vergleicht die Kosten potenzieller Schäden und Verluste mit denen, die für deren Verhinderung oder Minderung aufzuwenden sind.

Katastrophenvorsorge in so genannten Hot Spot-Ländern der deutschen EZ

Die Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sind unterschiedlichen Katastrophenrisiken ausgesetzt – sowohl, was die Art der Bedrohungen als auch die Höhe und das Ausmaß der Risiken betrifft Für jedes Kooperationsland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit wurden auf Grundlage verschiedener globaler Risikoanalysen Risikoprofile erstellt. Anhand von Karten und statistischen Daten wurden Risiken bezüglich Sterblichkeit und wirtschaftlicher Schäden durch extreme Naturereignisse dargestellt und bewertet. Besonders risikogefährdete Länder (so genannte „Hot Spot-Länder“) konnten so identifiziert werden. Diese Profile helfen zudem, den Handlungsbedarf der Katastrophenvorsorge für das jeweilige Land zu identifizieren und zu priorisieren. Sie stellen somit auch ein wichtiges Hilfsmittel zur Verankerung von Katastrophenvorsorge in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit dar.

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Vorbeugung

Katastrophenvorbeugung

Katastrophenvorbeugung soll mittel- bis langfristig die negativen Auswirkungen extremer Naturereignisse mindern oder im besten Fall verhindern. Basis für die Katastrophenvorbeugung ist die Sensibilisierung der Bevölkerung (zum Beispiel über die Schulbildung) für bestehende und künftige Katastrophenrisiken. Generell setzt Katastrophenvorbeugung auf unterschiedlichen Ebenen an (lokal, regional, national). So sind risikoreduzierende Kriterien in Strategien der Armutsminderung sowie in sektorale und nationale, regionale und lokale Entwicklungspläne zu integrieren. Darüber hinaus müssen risikomindernde Indikatoren in die öffentliche Investitionsplanung Eingang finden.

Katastrophenvorbeugung arbeitet darauf hin, in den Gesetzes- und Verwaltungsvorschriften risikoreduzierende Aspekte zu verankern (etwa durch risikoresistente Baunormen für Gebäude, Straßen, Brücken und Bewässerungsanlagen). Auch die Raum- und Landnutzungsplanung muss risikosensibel gestaltet und mit den notwendigen Auflagen versehen sein. Des Weiteren können baulich-technische Schutzmaßnahmen (Dämme, Deiche) das Risiko mindern.

Gleichermaßen gilt es, natürliche Schutzschilde (Wälder, Mangroven) zu erhalten. Dafür ist eine nachhaltige Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen unabdingbar. Risikoreduzierende Aspekte müssen auch in das Management von Wassereinzugsgebieten eingehen, um zum Beispiel Schäden durch Überschwemmungen und Hangrutschungen vorzubeugen.

Schließlich sind sowohl auf nationaler und regionaler wie auch auf lokaler Ebene sektorübergreifende Organisationsstrukturen für Katastrophenvorsorge notwendig. Wichtig ist, die einzelnen Katastrophenvorsorgestrukturen ebenenübergreifend miteinander zu vernetzen, um die Kooperation und Koordination effektiv zu gestalten.

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Vorbereitung

Vorbereitung auf den Katastrophenfall

Trotz aller Vorbeugemaßnahmen wird zumeist ein gewisses Restrisiko bestehen bleiben. Darauf müssen die betroffenen Menschen vorbereitet werden, damit diese im Katastrophenfall angemessen handeln können. Mit dieser Vorbereitung auf den Katastrophenfall können Institutionen und die gefährdete Bevölkerung Vorkehrungen treffen. Maßnahmen der Vorbereitung zielen darauf ab, auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene Katastrophenschutzstrukturen und Rettungsdienste aufzubauen oder zu stärken. Für deren effizientes Handeln im Notfall ist eine Koordinations- und Einsatzplanung unabdinglich. Neben Trainings und Fortbildungen müssen Katastrophenschutzübungen – möglichst unter Einbeziehung der gesamten Bevölkerung – durchgeführt werden. Die Menschen werden zudem einsatzbereiter, wenn sie bei der Erstellung von Notfall- und Evakuierungsplänen beteiligt werden.

Außerdem ist die Selbsthilfefähigkeit gefährdeter Menschen beispielsweise durch Erste-Hilfe-Kurse zu fördern. Infrastrukturelle und logistische Maßnahmen wie Notunterkünfte sowie Lager für Nahrungsmittel und Medikamente müssen geschaffen werden, damit keine Versorgungsengpässe entstehen. Frühwarnsystemen kommt eine wichtige Rolle zu, um die Menschen zu warnen, damit diese sich rechtzeitig in Sicherheit bringen können. 

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Frühwarnung

Frühwarnung ist ein Kernelement effizienter Vorbereitung. Frühwarnsysteme gibt es beispielsweise für Dürren und Hungersnöte in Afrika oder für Überschwemmungen entlang großer Wasserläufe. Regionale Beobachtungseinrichtungen existieren für Tsunamis (etwa im Pazifik) und Wirbelstürme (unter anderem in der Karibik).

Die deutsche Bundesregierung übernimmt mit einer Reihe von Maßnahmen eine maßgebliche Rolle darin, Frühwarnung auf die internationale Agenda zu heben: So richtet sie internationale Konferenzen aus und unterstützt die UN-Plattform zur Förderung von Frühwarnung. Außerdem hat sie ein regionales Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean initiiert. Bei der dritten internationalen Frühwarnkonferenz (EWC III), die auf Einladung der Bundesregierung im März 2006 in Bonn unter dem Motto „From concept to action“ stattfand, ging es um die Verbreitung praktischer Erfahrungen und die Erarbeitung einer Handreichung für Frühwarnsysteme.

Frühwarnsysteme wirken dann, wenn sie institutionalisiert und mit Managementstrukturen verknüpft sind. Ferner müssen sie in lokale Entwicklungsstrategien eingebettet sein. Es reicht nicht aus, die Warnungen schnell an die Bevölkerung weiterzuleiten. Diese muss auch wissen, was in einem Katastrophenfall zu tun ist (beispielsweise durch lokale Notfall- und Evakuierungspläne). Deshalb muss die politische Ebene in die Entwicklung und Implementierung von Frühwarnsystemen einbezogen und die Bevölkerung mit diesen vertraut sein.

Lokales Wissen und die Kapazitäten der Bevölkerung sind wesentlich bei der Etablierung der Systeme. Es hat sich gezeigt, dass jene Frühwarnmechanismen am besten funktionieren, die in der gefährdeten Region mit den Bewohnern zusammen geplant, erprobt und überwacht werden (people centred early warning). Damit sind die Systeme an die lokalen Bedingungen angepasst und die Menschen fühlen sich für das Frühwarnsystem verantwortlich.

Für die deutsche Entwicklungspolitik ist die Einbindung von Frühwarnsystemen in Vorsorgestrategien entscheidend. Frühwarnung alleine verringert das Risiko nicht nachhaltig. Nur als Bestandteil der Katastrophenvorsorge und der Entwicklungszusammenarbeit ist sie ausreichend wirksam.

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Rehabilitierung

Rehabilitierung und Wiederaufbau

Ziel von Rehabilitierung und Wiederaufbau ist es, nach einer Katastrophe das Überleben der Menschen zu sichern, die Lebensgrundlagen wiederherzustellen und künftige Lebensbedingungen zu stabilisieren.

Gleichzeitig werden Gruppen und Institutionen dahin gehend gestärkt, dass sie künftig zur Vermeidung neuer Katastrophen beitragen können. Denn gerade nach einer Katastrophe ist die Bereitschaft zu Veränderungen naturgemäß besonders groß. In Rehabilitierung und Wiederaufbau werden in der Regel Vorsorgeaktivitäten integriert und so Anfälligkeiten reduziert. Sie bilden damit eine der Grundlagen für nachhaltige Entwicklung und beugen künftigen Katastrophen vor. Mit Hilfe der Risikoanalyse werden die Ursachen und Wirkungen des letzten Naturereignisses ermittelt. Darauf aufbauend werden Maßnahmen für katastrophenpräventive Rehabilitierung und Wiederaufbau entwickelt. Zu diesen Maßnahmen gehören:

  • Die Durchführung von Maßnahmen
    - im infrastrukturellen Bereich (erdbebenresistente oder überschwemmungssichere Bauweise, Bebauungspläne, Schutzräume),
    - im institutionellen Bereich (Rollenklärung und Verbesserung der Zusammenarbeit der einzelnen Akteure),
    - im organisatorischen Bereich (die Stärkung lokaler Strukturen).
  • Die Entwicklung und Förderung von Maßnahmen zur zukünftigen Prävention (Management von Wassereinzugsgebieten, Ressourcenschutz, Hochwasserschutzkonzepte).

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Sicherheit

Verankerung

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Verankerung der Katastrophenvorsorge

Es reicht nicht aus, vereinzelt Maßnahmen zur Katastrophenvorsorge durchzuführen. Vielmehr ist diese in Entwicklungsstrategien einzubinden, da nur so Risiken wirksam und langfristig reduziert werden können.

Durch die Integration der Katastrophenvorsorge in andere Sektoren werden wertvolle Synergieeffekte genutzt . Indem Katastrophenvorsorge Risiken reduziert, trägt sie zur Nachhaltigkeit anderer Bereiche bei. Umgekehrt können auch die unterschiedlichen Sektoren zur Risikominderung beitragen: So senken etwa einkommensschaffende Maßnahmen die Anfälligkeit der Bevölkerung.

Deshalb sollten Maßnahmen der Katastrophenvorsorge in die entsprechenden Arbeitsbereiche der Entwicklungszusammenarbeit verankert sein. Dazu gehören Anpassung an den Klimawandel, Bildung, Dezentralisierung, Ländliche Entwicklung sowie Umwelt- und Ressourcenmanagement. Darüber hinaus besteht ein enger Bezug zwischen Katastrophenvorsorge und Gesundheit, Infrastruktur und Bau, Öffentlichem Finanzwesen, Stadtentwicklung, Versicherungswesen und Wasser.

Das Beratungsvorhaben Katastrophenvorsorge

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt das Beratungsvorhaben „Katastrophenvorsorge in der Entwicklungszusammenarbeit“ die Verankerung der Katastrophenvorsorge als Querschnittsthema in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Dafür entwickelt es praxisnahe Instrumente, Methoden und Konzepte und arbeitet Erfahrungen aus der Praxis auf. Ein Qualifizierungsangebot für Mitarbeiter der deutschen Entwicklungszusammenarbeit und für Partnerfachkräfte wird erstellt. Ebenso berät die GIZ das BMZ, wie Katastrophenvorsorge stärker in die deutsche Entwicklungspolitik integriert werden kann, und unterstützt es bei der internationalen Positionierung dazu.

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Anpassung an den Klimawandel

Bereits heute ist spürbar, dass Starkniederschläge, Stürme, Dürren und Hitzewellen zunehmen: Indien litt 2003 sowohl unter einer Hitzewelle mit bis zu 49 Grad Celsius als auch unter einer extremen Kälteperiode, der fast 2.000 Menschen zum Opfer fielen. In Brasilien waren große Bevölkerungsteile von der Außenwelt abgeschnitten, als 2005 ganze Gebiete des Amazonasbeckens austrockneten. Im selben Jahr forderten die von Hurrikan Stan in Mittelamerika und durch starke Monsunregen in Indien verursachten Überschwemmungen zahlreiche Menschenleben.

Es wird kaum noch gezweifelt, dass die Hauptursache für die Veränderungen in Treibhausgasemissionen liegen dürfte, die zur Erwärmung der Atmosphäre und Ozeane beitragen. Süßwasserressourcen sind ebenso gefährdet wie Küstenzonen und Siedlungen. Fruchtbare Böden veröden. Deshalb wird im Zuge des Klimawandels die Anzahl von Extremwetterereignissen und somit das Katastrophenrisiko ansteigen.

Arme Menschen können sich mangels technischer, wirtschaftlicher und finanzieller Möglichkeiten am wenigsten an die sich verändernden Klimabedingungen anpassen. Sie sind oft abhängig von der Landwirtschaft, die wiederum selbst extrem anfällig gegenüber Klimaveränderungen ist.

Um Armut zu mindern und nachhaltige Entwicklung zu sichern, entwickelt die deutsche Entwicklungszusammenarbeit Handlungsoptionen für Wetterextreme und konzipiert Strategien, wie die Anpassung an langfristige Auswirkungen des Klimawandels aussehen kann. Eine umfassende Katastrophenvorsorge ist dabei ein wichtiger Bestandteil.

Die GIZ bietet folgende Beratungsleistungen, um die durch den Klimawandel gestiegenen Risiken zu reduzieren:

  • Aufklärung und Wissensvermittlung zu veränderten Katastrophenrisiken aufgrund des Klimawandels,
  • Durchführung von Risikoanalysen unter Berücksichtigung zunehmender Klimavariabilitäten aufgrund des Klimawandels,
  • Unterstützung bei der Erarbeitung von Raumordnungs- und Landnutzungsplänen, die veränderte Naturrisiken infolge des Klimawandels berücksichtigen,
  • Einrichtung von Frühwarnsystemen.
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Bildung

Die UNESCO hat sich in der Internationalen Strategie zur Reduzierung von Katastrophen (ISDR) verpflichtet, die Forschung und Entwicklung von Fachwissen zu unterstützen, um aktiv zu einer widerstandsfähigen Gesellschaft beizutragen. Bei der Weltkonferenz zur Reduzierung von Katastrophen 2005 in Kobe, Japan, wurde Bildung in die Schlussdeklaration aufgenommen und im Rahmenaktionsplan 2005-2015 als eine von fünf Hauptaktivitäten aufgeführt. Zwischen Bildung und Katastrophenvorsorge gibt es drei Schnittstellen:

  1. Infrastruktur: Bau von sicheren, bedrohungsresistenten Schulen und Bildungseinrichtungen
  2. Katastrophenschutzmaßnahmen in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen
  3. Integration von Katastrophenvorsorge in Bildungsmaßnahmen.

Risikobewusstsein, risikominderndes und lebensrettendes Verhalten im Notfall können sowohl durch schulische und außerschulische Bildungsarbeit als auch durch ergänzende Informations- und Aufklärungsveranstaltungen vermittelt werden. Dabei sind traditionelles und lokales Wissen zum Schutz vor Naturkatastrophen einzubeziehen. Mit der Erziehung zum Risiko- und Gefahrenbewusstsein sollte bereits in der frühen Kindheit begonnen werden, damit sich dieses Bewusstsein in der Gesellschaft langfristig verfestigt. Lehrkräfte, Jugendliche und Kinder können als Multiplikatoren fungieren und ihr Wissen weiter tragen (zum Beispiel in ihre Familien).

Die GIZ berät bei

  • der Entwicklung von Lehr- und Lernmaterialien zur Katastrophenvorsorge in schulischer und außerschulischer Bildungsarbeit,
  • der Integration von Katastrophenvorsorge in die Curricula der schulischen, außerschulischen und Lehrerbildung,
  • der Konzeption und Durchführung von Informationsveranstaltungen und Qualifizierungskursen für Lehrkräfte,
  • der Durchführung von Katastrophenübungen und -schutzmaßnahmen in Schulen,
  • der institutionellen Stärkung von Schulen und Behörden in der Katastrophenvorsorge

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Dezentralisierung

Auch wenn Naturkatastrophen regionale oder nationale Ausmaße annehmen, entstehen sie häufig lokal. Deshalb sind besonders in Gemeinden Strukturen für Vorbeugung, Vorbereitung und gegebenenfalls Wiederaufbau nötig. Und diese dezentralen Strukturen müssen gestärkt werden. Kompetenzen (etwa die Erstellung von Regelwerken und Richtlinien, die Integration von Katastrophenvorsorge in die Raumplanung, Investitionen in katastrophenpräventive Maßnahmen, die Verbindung von Planung und Haushaltserstellung) müssen, angepasst an die jeweiligen Möglichkeiten, von der nationalen auf die regionale und lokale Ebene verlagert werden. Lokale Erfordernisse und lokales Wissen werden so am Besten berücksichtigt, was zur Effizienz und Effektivität von Katastrophenvorsorgesystemen beiträgt.

Daher fördern Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit zunehmend die Verbindung von Katastrophenvorsorge und Dezentralisierung. Dabei gilt es darauf zu achten, dass die Prinzipien der Rechtstaatlichkeit, Demokratie und Partizipation eingehalten werden. Damit die einzelnen Ebenen ihren Verpflichtungen gerecht werden, müssen entsprechende Kompetenzen auf lokaler Ebene geschaffen und ebenenübergreifende Kommunikationsstrukturen eingeführt werden.

Die GIZ unterstützt bei

  • der Förderung lokaler, regionaler und nationaler Komitees für Katastrophenvorsorge,
  • der Durchführung von Kosten-Nutzen-Analysen,
  • der Identifikation der wichtigsten Akteure und Organisationen lokaler Katastrophenvorsorge,
  • der Gestaltung interkommunaler und grenzübergreifender Zusammenarbeit,
  • der kommunal organisierten Katastrophenschutzplanung, der Integration entsprechender Maßnahmen in Gemeindeentwicklungspläne, kommunale Raumordnungspläne und Entwicklungshaushalte von Gemeinden,
  • der Weiterentwicklung von Konzepten der gemeindeorientierten Katastrophenvorsorge,
  • der Neugestaltung und Weiterentwicklung innerstaatlicher Finanzbeziehungen, die dann zum Tragen kommt, wenn die Dezentralisierung umgesetzt wird.

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Ländliche Entwicklung

Von extremen Naturereignissen ist die Bevölkerung auf dem Land doppelt betroffen: Zum einen fehlt es an leistungsfähigen Strukturen: Zivilschutz, Gesundheitsversorgung und Bildungsmöglichkeiten sind mangelhaft, Transport- und Kommunikationswege sind lang und es gibt kaum funktionierende Organisationen. Zum anderen ist die Landwirtschaft oft die einzige Einkommensquelle und Lebensgrundlage; und gerade diese ist bei Naturereignissen besonders gefährdet. Erschwerend kommt hinzu, dass aus Mangel an Einkommensalternativen einige Produktionsweisen (etwa Waldrodung an Steilhängen) das Katastrophenrisiko (in diesem Fall Hangrutschungen) erhöhen.

Deshalb müssen Katastrophenvorsorge und ländliche Entwicklung verknüpft werden. Dies wird zunächst dadurch erreicht, dass die Risikoanalyse Teil der Entwicklungs- und Projektplanung in der ländlichen Entwicklung wird. Aus der Analyse resultieren Maßnahmen, die Armut und Katastrophenanfälligkeit mindern. Diese Maßnahmen sind etwa eine nachhaltige Bewirtschaftung von Ressourcen, angepasste Siedlungspolitik mit Raumordnungsplanung sowie der Anbau von an extreme Wetterbedingungen angepassten Früchten und Saatgut.

Die GIZ unterstützt Länder und Gemeinden darin, die für Katastrophenvorsorge erforderlichen Fähigkeiten aufzubauen oder zu stärken und Vorsorgemaßnahmen im ländlichen Raum durchzuführen. Dabei werden diverse Handreichungen und Instrumente unterschiedlicher Fachrichtungen an die Bedürfnisse angepasst.

Das Beratungsangebot der GIZ umfasst:

  • Schulung in der Durchführung von Risikoanalysen,
  • Aufbau und Stärkung von Strukturen für Hochwassermanagement,
  • partizipative Erarbeitung von Schutzplänen und Frühwarnsystemen,
  • Integration von Aspekten der Risikoreduzierung in die Landnutzungs- und Entwicklungsplanung,
  • Einführung von Finanzierungsmechanismen (zum Beispiel die Zahlung für Umweltleistungen)
  • partizipative Gemeindeentwicklung
  • Einkommens- und Beschäftigungsförderung, um risikoerhöhende Aktivitäten zu vermeiden (etwa Abholzung).

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Umwelt- und Ressourcenmanagement

Nachhaltige Entwicklung bedeutet auch, natürliche Ressourcen wie Boden, Wasser und Biodiversität zu erhalten In vielen Entwicklungsländern bilden sie die Lebens- und Einkommensgrundlage für die Menschen auf dem Land. Armut, mangelnde Alternativen, falsche Landnutzungstechniken oder ökonomische Interessen führen allzu oft dazu, dass diese Ressourcen übernutzt oder degradiert werden. Das verschärft die Folgen anderer extremer Naturereignisse. Trifft beispielsweise ein Wirbelsturm auf entwaldetes Gebiet, sind die Folgen nicht nur unmittelbare Sturmschäden und Starkregen, sondern auch Hangrutschungen, Verschlammung und Überschwemmungen. So steigert die Übernutzung natürlicher Ressourcen das Katastrophenrisiko.
Natürliche Ressourcen sind ihrerseits anfällig gegenüber Extremereignissen, wie Überschwemmungen und Dürren, und können durch diese schwere Schäden erleiden.

Katastrophenvorsorge und Umwelt- und Ressourcenmanagement hängen somit direkt voneinander ab. Der Erhalt natürlicher Ressourcen kann das Risiko reduzieren. So können Mangroven als natürliche Schutzschilde gegen Tsunamis dienen.

Aktionsfelder des Umwelt- und Ressourcenmanagements, in die ein Fokus auf Katastrophenrisiken integriert werden kann, sind unter anderem das Management von Wassereinzugsgebieten, Aufforstungsmaßnahmen, die Zahlung von Umweltleistungen sowie institutionelle Reformen im Bereich Forst, Naturschutz, Raumordnung und Landschaftsplanung.

Das Angebot der GIZ in diesem Bereich umfasst:

  • vorbereitende Studien und Risikoanalysen, etwa zum Management von Schutzgebieten, Pufferzonen und Wassereinzugsgebieten,
  • Unterstützung bei der partizipativen Erarbeitung von Entwicklungs- und Raumordnungsplänen unter Berücksichtigung von Aspekten der Katastrophenvorsorge,
  • Fortbildung, Methoden- und Fachberatung der Mitarbeiter/innen in Gemeinden, Basisorganisationen und anderen entwicklungsrelevanten Institutionen im Bereich Katastrophenvorsorge.

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Weitere Sektoren

Viele weitere Sektoren bieten Anknüpfungspunkte, um Katastrophenrisiken zu reduzieren:

  • Der Wiederaufbau der Infrastruktur nach einer Katastrophe ist eine erhebliche volkswirtschaftliche Belastung. Durch raumordnerische Vorgaben (Ausweisung sicherer Standorte), Baunormen (bedrohungsresistente Bauweise) und Überwachungsmechanismen werden infrastrukturelle und damit wirtschaftliche Schäden schon durch Prävention verringert oder vermieden.
  • Wird das Gesundheitssystem risikosensibel gestaltet, leistet es einen wesentlichen Beitrag dazu, dass die Bevölkerung im Katastrophenfall angemessen handelt. Dafür werden sowohl kommunale Gesundheitseinrichtungen als auch die Bevölkerung selbst ausgebildet, um medizinische Soforthilfe leisten und gewisse Hygienestandards einhalten zu können. Auf diese Weise werden die betroffenen Menschen auch im Katastrophenfall medizinisch versorgt und Epidemien, beispielsweise in Folge von Überschwemmungen, vermieden.
  • Berücksichtigt das Öffentliche Finanzwesen aktiv Katastrophenrisiken – indem beispielsweise Risikoanalysen ein Teil der Planung öffentlich finanzierter Projekte sind - werden spätere Kosten für Rehabilitierung und Wiederaufbau vermieden. Zudem muss der Staat eigene Ressourcen einplanen, um präventive Maßnahmen finanzieren zu können.
  • Auch in städtischen und industriellen Ballungsgebieten müssen Risiken erfasst und in die Stadtentwicklungsplanung einbezogen werden. Dabei sind umweltpolitische, institutionelle und administrative Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. So wird beispielsweise verhindert, dass Überschwemmungen das Grundwasser kontaminieren, wenn sie falsch gelagerte Industrieabfälle ausspülen.
  • Bezieht das Versicherungswesen Katastrophenrisiken ein, wird Katastrophenvorsorge mehr und mehr auch Teil der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung: Mit Hilfe von Mikroversicherungen können sich die betroffenen Menschen schneller von finanziellen Schäden und Verlusten durch extreme Naturereignisse erholen. Mit einem angepassten Prämiensystem werden darüber hinaus Anreize geschaffen, das Schadensrisiko durch Bauweise oder Standortwahl von vornherein erheblich zu reduzieren.
  • Im Katastrophenfall ist die Trinkwasserversorgung gefährdet. Krankheiten und Seuchen verbreiten sich rasch. Dabei reduzieren Vorbereitungs- und Vorbeugungsmaßnahmen im Wasser- und Sanitärsektor das Katastrophenrisiko: Frühwarnsysteme, baulich-technische Infrastrukturmaßnahmen (etwa Regenwasserabflusssysteme, Deiche), hochwassersichere Standorte beispielsweise für Trinkwasseraufbereitungsanlagen, sowie eine möglichst erdbebenresistente Bauweise sind nur einige Beispiele dafür.

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Kontakt

Christian Poschmann
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