Ergebnisse

Im Bereich Migration und Entwicklung gewinnt die GIZ durch die Erstellung zahlreicher Analysen und Studien umsetzungsrelevante Erkenntnisse zu Migration und Entwicklung. Das Einbeziehung von genderspezifischen Problemstellungen bei Prozessen und die Beratung zur Formulierung von gendersensiblen Politiken und Migrationsmaßnahmen ist ebenso ein Ergebnis der Arbeit. Außerdem steht die GIZ in engem Kontakt mit Diasporaorganisationen. Darüber hinaus beschäftigt sie sich u.a. mit dem Thema Geldtransfers von Migranten (Remittances) und berät die politischen Akteure auf Meso- und Makrobene in den Herkunftsländern, wie auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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Diasporaaktivitäten

Beispiele aus der Praxis

2013 fand zum zweiten Mal der „UN High Level Dialogue on International Migration and Development“ statt. Im Vorfeld dazu organisierte die GIZ eine Fortbildung für engagierte Migrantenvertreter, um ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie an globalen Prozessen, z.B. an dem „High Level Dialogue“ oder dem „Global Forum on Migration and Development (GFMD)“, partizipieren können. In der Fortbildung berichteten unter anderem Vertreter erfahrener Migrantenorganisationen aus Großbritannien und den Niederlanden von ihren Erfahrungen zum Thema Netzwerkbildung, Regierungskonsultationen und globale Prozesse. In einem anschließendem europaweiten „Diaspora and Development Roundtable“, organisiert durch die GIZ, die „Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA)“ und das „International Centre for Migration Policy Development (ICMPD)“, entwickelten Migrantenvertreter eine gemeinsame Position und Empfehlungen zum „UN High Level Dialogue“ für ihre jeweiligen Regierungsdelegationen.

Außerdem wurde ein Austausch mit Vertretern von deutschen Migrantenorganisationen und der Delegation der deutschen Bundesregierung arrangiert, welcher seither jährlich im Rahmen des GFMD fortgeführt wird.

Diaspora and Development Roundtable (pdf, 2.06 MB, EN) Bericht Fortbildung für Migrantenorganisationen (pdf, 0.80 MB, DE) Förderung von Migrantenorganisationen

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Geldtransfers

Würden die Kosten für internationale Geldtransfers gesenkt, käme deutlich mehr Geld bei den Familien und Freunden der Migranten in den Herkunftsländern an: Die durchschnittlichen Überweisungskosten für Auslandsüberweisungen aus Deutschland betragen über 8 Prozent des Sendebetrages (Stand August 2016). Oft sind auch die Angebote für auf dem Markt unübersichtlich und die Kosten nicht transparent. Um hier Abhilfe zu schaffen, gibt es seit 2007 das Preisvergleichsportal GeldtransFAIR.de, in Auftrag gegeben vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Auf der Website können sich Migranten und andere Menschen, die Geld ins Ausland senden möchten, über Produkte, Preise und Konditionen von Banken und anderen Geldtransferdienstleistern informieren. Dies erhöht die Transparenz sowie den Wettbewerb zwischen Anbietern auf dem Geldtransfer-Markt und trägt zum Kundenschutz bei. Die Folge: informiertere Entscheidungen von Migranten bei Geldsendungen und die Nutzung günstigerer und sicherer Wege. 2014 erhielt GeldtransFAIR.de das Weltbankzertifikat für nationale Preisvergleichsseiten, ein Gütesiegel der Weltbank für Preistransparenz und Benutzerfreundlichkeit.

Darüber hinaus berät die GIZ zu konkreten Sendekorridoren, also dem spezifischen Kontext zwischen einem Sende- und einem Empfängerland von Remittances (zum Beispiel dem Korridor Deutschland – Georgien). Dafür entwickelt sie mit Banken in den Herkunftsländern verschiedene, auf die Bedürfnisse der Migranten zugeschnittene, Finanzprodukte. Fehlende finanzielle Grundbildung (Financial Literacy) und fehlendes Vertrauen in Finanzinstitutionen hält Migranten und deren Familien jedoch oft davon ab Bankdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Durch Bildungs- und Informationskampagnen zur Financial Literacy sorgt die GIZ dafür, dass Versicherungen, Spar- und Kreditangebote der Banken in den Herkunftsländern bei der in Deutschland lebenden Diaspora bekannt gemacht und adäquat genutzt werden.

Zwei Beispiele aus der Praxis

In Usbekistan richtete sich die GIZ mit einem Schulungsangebot zu finanzieller Bildung an Empfänger von Remittances. Der Fokus der Schulungen lag auf der Bedeutung und Komplexität von Budgetierung und Ersparnisbildung für transnationale Familien. Ein erstes Pilotprojekt in Kooperation mit fünf lokalen Banken hat zur Steigerung der finanziellen Grundbildung von 4600 Remittances-Empfängern beigetragen. Etwa 15 Prozent der geschulten Remittances-Empfänger eröffneten im Anschluss an die Schulung ein Giro- oder Sparkonto bei einem der teilnehmenden formellen Finanzdienstleister. Ein anschließender Dialog mit privaten und öffentlichen Interessenvertretern führte zur landesweiten Ausweitung des Projekts.

In Jordanien erarbeitet die GIZ gemeinsam mit der jordanischen Zentralbank Lösungen, um Flüchtlingen und einkommensschwachen Jordaniern den Zugang zu formellen Finanzdienstleistungen zu erleichtern. Im Rahmen eines Pilotprojektes werden Studien zur Situation und den Möglichkeiten digitaler Geldtransfers und zu den Kundenbedürfnissen durchgeführt sowie Schulungsmaßnahmen und Informationskampagnen angeboten, die die Zielgruppe über die verantwortungsvolle Nutzung digitaler Finanzdienstleistungen aufklären. Gleichzeitig berät die GIZ die Zentralbank dabei, Regulierungs- und Aufsichtsmechanismen zu entwickeln, die grenzüberschreitende digitale Transfers in Jordanien ermöglichen und dabei internationalen Standards für Konsumentenschutz, Anti-Geldwäsche und Anti-Terrorismusfinanzierung entsprechen. Auch werden gemeinsam mit dem Privatsektor mobilfunk-basierte Finanzdienstleistungen entwickelt und getestet.

GeldtransFAIR.de - Preisvergleichsportal mit aktuellen Verbraucherinformationen Flyer GeldtransFAIR.de (pdf, 0.50 MB, EN-DE)
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Politikberatung

Jeder vierte Georgier lebt im Ausland, ein Großteil möchte dort temporär Berufserfahrung sammeln – das verbessert die Chancen auf dem heimischen Arbeitsmarkt. Auch Georgien kann davon profitieren: neues Wissen und Geschäftsideen fördern die Wirtschaft. Remittances von Georgiern im Ausland machen rund 6 Prozent des georgischen Bruttosozialprodukts aus – das ist mehr als die Summe von Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen. 2009 sind Georgien und die EU eine Mobilitätspartnerschaft eingegangen. Diese Partnerschaft soll migrations- und entwicklungspolitische Ziele miteinander verbinden und einen fairen Interessenausgleich mit den Partnerländern ermöglichen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Von 2013 bis 2016 gestaltete das Centrum für internationale Migration und Entwicklung (CIM) die Mobilitätspartnerschaft im Auftrag der EU und des BMZ mit. Die staatliche Agentur für öffentliche Dienste sowie andere relevante Ministerien und georgische Institutionen, die sich mit Arbeitsmigration und Diasporakooperation beschäftigen, wurden von CIM zu Migrationsfragen beraten. Die Arbeitsgemeinschaft aus GIZ und Bundesagentur für Arbeit setzt primär auf zirkuläre Migration: Georgien gewinnt neues Wissen und qualifizierte Fachkräfte und kann so seinen Arbeitsmarkt und seine Wirtschaft stärken. Zudem werden zentrale Akteure der georgischen Migrationspolitik dabei unterstützt, ein entwicklungsorientiertes und auf die Bedürfnisse der Migranten angepasstes Arbeitsmigrationsmanagement umzusetzen.

Ausführliche Projektinformationen (pdf, 0.01 MB, DE)
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Privatwirtschaftsentwicklung durch Migration

Nicht selten kurbelt Migration die Wirtschaft der Herkunfts- und Aufnahmeländer an; seien es Unternehmensgründungen von Migranten, Handelsbeziehungen oder neue Märkte in den Herkunfts- wie in den Aufnahmeländern. Auch hier hat die GIZ unterschiedliche Aktivitäten, gesteuert über bestehende Vorhaben der GIZ in den Herkunftsländern, beraten und unterstützt. So konnten neue Unternehmen gegründet, Arbeitsplätze geschaffen und Einkommen erhöht werden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Die Instrumentensammlung MITOS (Migration Tools. Options for Sustainability) beinhaltet Ansätze, wie das privatwirtschaftliche Potenzial von Migration besser genutzt werden kann. Zum Beispiel durch Trainings (of Trainers) oder Online-Lösungen. Sie richtet sich an Akteure der Entwicklungszusammenarbeit, der Privatwirtschaft (Kammern, Unternehmerverbände etc.) oder des Migrationsbereiches (beispielsweise NGOs die mit Familien von Migranten arbeiten oder Diasporaorganisationen) und zielt darauf ab, Migranten, Rückkehrer und deren Familien in ihre Aktivitäten einzubinden.

MITOS „Trainings für Trainer“ in der Praxis:

  • Die hohe Arbeitsmigrationsrate in Usbekistan bietet privatwirtschaftliches Potenzial. Um dieses besser zu nutzen, wurden im Rahmen eines GIZ-Vorhabens zur nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung Trainings für Trainer angeboten. Ziel war, Arbeitsmigranten, deren Familien und potenzielle Geschäftspartner zu befähigen, Geschäftsideen zu entwickeln sowie darauf basierend Businesspläne zu erstellen. Neben privaten Akteuren wurden auch Vertreter von Banken und öffentlicher Seite involviert, um auch diese für die Potenziale von Arbeitsmigranten und deren Geschäftsideen zu sensibilisieren.
  • Drei in den Niederlanden ansässige Migrantenorganisationen (Computers 4 Development, Nedsom, Sankofa) haben in Ghana, Kenia und Somalia „Diaspora Business Centre“ gegründet. Diese beraten Diasporamitglieder und Rückkehrer bei Unternehmensgründungen. Die Mitarbeiter der Center erhielten dafür Trainings für Trainer zu Businessplan-Entwicklung und Import-Export-Themen.
  • Auch auf den Philippinen wurde ein Training für Trainer angeboten. In diesem lernten die Teilnehmer, wie mithilfe richtiger finanzieller Planung und Verwaltung von Geldtransfers aus dem Ausland einerseits die sozialen Kosten von Migration gemindert und gleichzeitig Migranten und deren Familien dazu befähigt werden können, Investitionen zu tätigen. Durchgeführt wurden die Trainings von dem GIZ-Vorhaben „Grüne Wirtschaftsentwicklung“.
MITOS Handbuch (pdf, 3.72 MB, DE)

Kontakt

Peter Bonin
migration@giz.de
Telefon: +49 6196 79-6338
Fax: +49 (6196) 79 80 6338