Hintergrund

Fussball spielende Jugendliche. Copyright GIZ

Seit knapp 40 Jahren werden Sportprojekte im Rahmen der deutschen Entwicklungspolitik gefördert, um Menschen zu mobilisieren, zu sensibilisieren und um sie sozial und wirtschaftlich zu integrieren. Wir betreiben keine Sportförderung, um bessere und erfolgreichere Athleten auszubilden, sondern setzen Sport für unsere entwicklungspolitischen Ziele ein. 

Die stetig wachsende Anerkennung von Sport als Entwicklungsinstrument unterstreicht seine sozial-integrative Wirkung. Denn Sport kann einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung von Gemeinschaften oder sogar ganzer Gesellschaften leisten. Teamsport zum Beispiel fördert gegenseitiges Verständnis und stärkt soziale Kompetenzen. Er schult die Fähigkeit, mit Niederlagen umzugehen und vermittelt Fairness und Toleranz. Besonders geeignet sind Sportarten, die weit verbreitet sind und ohne teure Ausrüstung auskommen, wie zum Beispiel Fußball, Laufen oder Schwimmen. Aber auch andere Sportarten eignen sich für Aktivitäten rund um „Sport für Entwicklung“. Entscheidend bei der Wahl der Sportart sind insbesondere ihre Akzeptanz im jeweiligen Partnerland und ihre Kosten. 

„Sport für Entwicklung“ ist in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit ein Querschnittsthema mit zahlreichen Verbindungen zu anderen entwicklungspolitischen Zielen der Bundesregierung. Neben Bildung kann „Sport für Entwicklung“ mit Themen wie Gesundheitsförderung (Fitness), Gewaltprävention, produktive Gesundheit, Hygiene, Gleichstellung der Geschlechter, gute Regierungsführung, Inklusion oder auch Umwelt kombiniert werden. Nicht selten gehen vom Sport auch Impulse für Veränderungen und Fortschritt aus: So können neu gegründete Sportvereine und -verbände zu wichtigen Teilen einer lebendigen Zivilgesellschaft werden; auch können Sportbauten für Großveranstaltungen die Infrastruktur einer Region verbessern oder den Tourismus ankurbeln.

Allerdings hält das formale Bildungssystem nur für die wenigsten Kinder und Jugendlichen auf der Welt Sportangebote bereit. Zudem besuchen auch heute noch mehr als 120 Millionen Kinder und Jugendliche überhaupt keine Schule – die Mehrzahl davon sind Mädchen. Gerade diese Gruppe könnte über non-formale Sportangebote angesprochen werden, zumal Sport in den meisten Entwicklungsländern nicht in den Lehrplänen verankert ist. Vor allem als außerschulisches Bildungsangebot kann Sport einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Kindern und Jugendlichen leisten.

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Internationale Perspektive: Vereinte Nationen (UN)

Weltweite Anerkennung erhielt das Thema „Sport für Entwicklung“ zum ersten Mal im Jahr 2001: Damals wurde der erste Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen (UN) für „Sport für Entwicklung und Frieden“ ernannt. Zwei Jahre später folgte die Anerkennung von „Sport als Mittel der Förderung von Bildung, Gesundheit, Entwicklung und Frieden“ (Resolution 58/5) durch die UN. 2013 erklärten die UN den 6. April zum Internationalen Tag des Sports für Entwicklung und Frieden, um ein öffentliches Bewusstsein für die Bedeutung von Sport zu schaffen. Auch in der 2030-Agenda wird die Relevanz von Sport als Wegbereiter für nachhaltige Entwicklung hervorgehoben: durch die nachhaltige Nutzung von Ressourcen bei der Durchführung von Sportereignissen, oder auch durch die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Die Agenda bekräftigt den Beitrag, den Sport zur Umsetzung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) leisten kann.

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Internationale Perspektive: Europäische Union (EU)

Auf europäischer Ebene fehlte es lange Zeit an einer eigenständigen Sportpolitik. Jedoch wurde in den letzten Jahren Schritt für Schritt auch auf Ebene der Europäischen Union (EU) Sport als Entwicklungsinstrument gefördert. Im Jahr 2006 dann unterzeichneten die EU-Kommission und die Internationale Föderation des Verbandsfußballs (Fédération Internationale de Football Association, FIFA) eine gemeinsame Absichtserklärung. Darin stellten sie speziell den Fußball in den Dienst von Entwicklung – und zwar für Afrika, den karibischen Raum und für Länder im Pazifischen Ozean. Ein Jahr später schließlich formulierte die EU-Kommission ein „White Paper on Sport“, das für eine stärkere Sportförderung im Rahmen der internationalen Entwicklung plädierte. Seit dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags 2009 erhielt das Thema Sport neue Aufmerksamkeit auf europäischer Ebene und eine Grundlage in den Verträgen der EU: Mit Artikel 6 und Artikel 165 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) erhielt die EU eigene Kompetenzen und Zuständigkeiten für Unterstützungs-, Koordinierungs- und Ergänzungsmaßnahmen in diesem Bereich. Die Hauptzuständigkeit für den Sport bleibt jedoch bei den EU-Mitgliedsstaaten. Es folgten die Errichtung eines Ministerrats für Sport, die Erstellung einer Mitteilung der Europäischen Kommission „Entwicklung der Europäischen Dimension des Sports“ sowie die Verabschiedung eines auf drei Jahre angelegten EU-Arbeitsplans für den Sport (aktuell der Arbeitsplan für Sport 2014-2017). Letzterer zielt unter anderem darauf ab, durch konkrete Maßnahmen und Initiativen den Mehrwert von Sport auf EU-Ebene langfristig zu etablieren und die Beachtung für das Thema Sport in anderen EU-Politikbereichen zu erhöhen.