Thema

Backen in Antananarivo, Schweißen in Charkiw

Ob Bäckerei in Madagaskar oder Schweißkurs im Kriegsgebiet: Wie deutsche Handwerksmeister*innen ihr Know-How im Ausland weitergeben.

Bäckermeisterin Sarah Braun steht an einem Tisch mit drei angehenden Bäckerinnen aus Madagaskar.

Antananarivo, März 2025: Zwanzig alleinerziehende Mütter stehen in einer Backstube und lernen, wie man Croissants und Bananenbrot backt. Und wie sie einen angemessenen Preis dafür kalkulieren. Angeleitet werden sie von Sarah Braun, Bäckermeisterin aus Deutschland. In einem zweiwöchigen Kurs lernen die Teilnehmerinnen, verschiedene Backwaren in hoher Qualität herzustellen.

Braun ist eine von rund 100 sogenannten Internationalen Meistern – Handwerksexpertinnen und -experten, welche die GIZ gemeinsam mit der Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main und dem Partner sequa im Auftrag des BMZ in Schwellen- und Partnerländer entsendet. Das Prinzip: kein Wissenstransfer von oben herab, sondern Kooperation auf Augenhöhe mit lokalen Partnerorganisationen. Seit elf Jahren läuft das Programm, mehr als 200 Einsätze in 32 Ländern hat es bislang hervorgebracht.

„Die Entschlossenheit der jungen Frauen, trotz aller Widrigkeiten ihre Träume zu verwirklichen, hat mich tief berührt", sagt Braun. Und die Ausbildung zeigt Erfolg: 80 Prozent der Absolvent*innen ähnlicher Trainings finden im ersten Jahr eine Anstellung oder machen sich selbstständig.

Wenige Monate zuvor ist Metallhandwerker Jochen Sauer ebenfalls in Antananarivo im Einsatz. In nur vier Wochen hat er mit lokalen Metallhandwerker*innen fünf Prototypen einer Maschine zur Herstellung von Pflanzenkohle entwickelt. Das ist eine sauberere und effizientere Alternative zur Holzkohle. Die braucht es, denn bislang nutzt die Bevölkerung Holz als Brennstoff zum Kochen. Die Folge: Madagaskar ist in weiten Teilen abgeholzt; nur noch ein Bruchteil des ursprünglichen Regenwalds steht noch. Pflanzenkohle hingegen besteht aus Abfallbiomasse – Kokosnussschalen, Reisspelzen oder Akazienholz, die sonst weggeworfen würden.

Ausgewählte Teilnehmende tragen als Ausbilder*innen das Wissen in andere Regionen Madagaskars. „Die Zusammenarbeit auf Augenhöhe hat eine inspirierende Lernatmosphäre geschaffen, von der alle Beteiligten und das gesamte Projekt profitiert haben", sagt Sauer.

Dass das Programm auch unter extremsten Bedingungen funktioniert, zeigt der Einsatz von Schweißfachmann Fabrice Carstens. Er hat im Jahr 2024 Berufsschullehrer*innen in der Region Charkiw geschult. Online, mitten im Krieg, mit regelmäßigen Stromausfällen und Luftalarmen. 15 Ausbilderinnen und Ausbilder aus drei Berufsbildungszentren nahmen dennoch regelmäßig teil, fast die Hälfte davon Frauen. „Das Engagement der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war beeindruckend, besonders unter den schwierigen Umständen", sagt Carstens.

Das Programm schafft dabei dreifachen Mehrwert: Deutsche Unternehmen profitieren von der lokalen Fachkräfteentwicklung. Die Teilnehmenden vor Ort gewinnen bessere Berufsperspektiven. Und lokale kleine und mittlere Unternehmen erhalten Beratung in fachlichen und unternehmerischen Fragen der Weiterentwicklung und zu Zusammenschlüssen, zum Beispiel in Einkaufsverbünden.

Auch die entsandten Meister*innen haben etwas davon: Sie sammeln wertvolle Eindrücke in anderen Länderkontexten. Ein Wissen, das auch die Kultur des Handwerks und dessen Internationalisierung in Deutschland bereichert.

Das vielfältige Know-how des deutschen Handwerks wird in Entwicklungs- und Schwellenländern stark nachgefragt – und kann viel zur nachhaltigen Entwicklung vor Ort beitragen.

Die GIZ arbeitet weltweit – für dieses Vorhaben hier: Passende Expertise der GIZ: Relevante nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs):
Wird geladen