Schwäbische Innovation für den nachhaltigen Wiederaufbau in der Ukraine
Der deutsche Unternehmer Julian Bihl erklärt im Interview, wie er seinen innovativen Baustoff beim Wiederaufbau der Straßen in der Ukraine einsetzt.
Julian Bihl leitet die schwäbische Firma IBS, die einen neuartigen Baustoff erfunden hat. Mit ihm lassen sich Straßen nachhaltig sanieren. Das Unternehmen repariert seit 2025 das vom Krieg geschädigte Straßennetz in Lviv. Dafür hat er sich über das Förderprogramm develoPPP Unterstützung von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH geholt. Sie setzt das Programm im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um.
Was hat Sie dazu motiviert, sich in der Ukraine zu engagieren?
Wir wollen gern in der Ukraine Fuß fassen, denn das ist für uns perspektivisch ein großer Markt. Aber ohne Kontakte ist das sehr schwer. Die haben wir dank der GIZ inzwischen etablieren können. Die Vorteile unserer Technologie sprechen sich allmählich in den Kommunen der Ukraine herum. Ich denke durchaus, dass es Folgeaufträge geben kann. Es ist wichtig, ein Referenzprojekt zu haben. Andere Kommunen der Ukraine können sich in Lviv davon überzeugen, dass unsere Technologie gut funktioniert und sehr kostengünstig ist. Damit ist es deutlich leichter, weitere Aufträge zu akquirieren.
Was machen Sie beim Straßenbau anders als andere Firmen?
Wir stimmen NovoCrete – das ist der Baustoff – genau auf das vorhandene Material ab. Dann wird er auf der Oberfläche der zerstörten Straße aufgebracht und unter Zugabe von Wasser fräsen wir die Straße auf. Dabei vermischt sich der Baustoff mit der vorhandenen Bausubstanz. Danach wird die Fläche mit einer Walze verdichtet, begradigt und im Anschluss asphaltiert. Wir brauchen keinen Schotter, keinen Kies, wir nehmen das Material, das schon auf der Straße liegt. Das spart Ressourcen, Energie und wir sind mit unserem Verfahren rund 70 Prozent schneller als der herkömmliche Straßenbau.
Sie sind inzwischen gut in Lviv vernetzt. Welche Rolle hat die GIZ für Sie dabei gespielt?
Ohne die GIZ hätte das vermutlich gar nicht funktioniert. Ein Business Scout der GIZ hat von unserem Produkt gehört und uns angesprochen. Das war ein Glücksfall. Nachdem wir uns beim develoPPP-Programm beworben haben, ist dann schnell das Projekt entstanden, denn die GIZ hat uns die Kontakte zum Straßenbauamt in Lviv und zur Uni dort vermittelt. Auch die Finanzierung ging rasch über die Bühne. Die Hälfte der Kosten haben wir getragen, die andere Hälfte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, vermittelt durch die GIZ. Die Stadt wollte gern die doppelte Länge an Straße Instand setzen und hat die dadurch entstandenen Zusatzkosten aus eigener Tasche bezahlt. Die Zusammenarbeit war erfrischend unkompliziert.