Thema

Wahrheit als Fundament des Friedens

Die GIZ eröffnet eine Journalismusschule in Damaskus, um eine Berichterstattung zu fördern, die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt und Konflikte nicht weiter verschärft.

Der Projektleiter zeigt Beispiele für Fake News

Damaskus, Syrien. Der Seminarraum liegt im Dunkeln, nur das kalte Blau der Bildschirme zeichnet Licht auf konzentrierte Gesichter. Der Trainer drückt „Play" – ein Video eines brennenden alawitischen Schreins erscheint auf der Leinwand. Die Nachwuchsjournalist*innen erkennen mithilfe ihrer frisch erlernten Techniken binnen Minuten die Falschbehauptung: Das Video stammt vom 2. Dezember 2024, aufgenommen während der Eroberung Aleppos. Als das Video am 25. Dezember erneut im Netz kursierte, gaben Unbekannte die drei Wochen alte Aufnahme gezielt als aktuelles Ereignis aus. Die Folge waren gewaltsame Auseinandersetzungen.

Desinformation wirkt wie Brandbeschleuniger

In polarisierten Zeiten genügt ein einzelner Clip, um Gerüchte in Umlauf zu bringen und Konflikte weiter anzuheizen. Jahrzehntelange Unterdrückung hat tiefe Wunden hinterlassen: Zensur, Überwachung und willkürliche Festnahmen unter dem Assad-Regime haben jede unabhängige Berichterstattung verhindert. Viele syrische Journalist*innen hatten nie die Möglichkeit, verantwortungsvollen Journalismus zu praktizieren.  

Heute können in Syrien deutlich mehr Menschen Informationen selbst verbreiten – über soziale Medien, Messenger und andere digitale Kanäle. Umso wichtiger ist es, verlässliche Nachrichten von manipulativen Inhalten unterscheiden zu können. Denn diese neue Vielfalt an Stimmen und Informationen nutzen verschiedene gesellschaftliche und politische Gruppen und setzen Bilder und Informationen strategisch ein, um ihre Narrative zu befördern. Doaa Moslly, eine der Nachwuchsjournalist*innen, die am Pilotprojekt der Journalismusschule teilgenommen hat, beschreibt die Situation wie folgt:  

„Unter dem alten Regime konnte einen ein einziges Wort ins Gefängnis bringen. Heute haben wir Freiheit – aber viele wissen noch gar nicht, was sie damit anfangen sollen. Es wird gepostet, ohne zu prüfen, und so verbreiten sich die Fakes". 

Doaa Moslly, syrische Nachwuchsjournalistin

Eine Journalismusschule für Damaskus

Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) den Aufbau einer Journalismusschule in Damaskus unterstützt. AmalNews, eine gemeinnützige Mediengesellschaft, die geflüchtete Journalist*innen fördert und sich zugleich für den Aufbau einer unabhängigen Medienlandschaft in deren Herkunftsländern einsetzt, setzt das Projekt gemeinsam mit der syrischen Organisation Taqaddum (Center for Dialogue and Peacebuilding) um.

Am Anfang stand ein sechsmonatiges Pilotprojekt. Junge Journalist*innen aus Print-, Online- und Radioredaktionen sowie politische Influencer*innen lernten, Desinformation zu erkennen und konfliktsensibel zu berichten – also so, dass ihre Berichterstattung bestehende Spannungen nicht weiter verschärft. Vor wenigen Wochen wurde die Schule schließlich offiziell eröffnet. Ein modernes Videostudio und gut ausgestattete Computerräume bieten den kommenden Jahrgängen nun Raum für kreatives Arbeiten. Die Räume sind in der Syrischen Akademie für Medien untergemietet. Die Teilnehmenden lernen, zwischen verlässlichen und irreführenden Informationen zu unterscheiden und Quellen kritisch zu prüfen. Ihr Wissen geben sie anschließend in ihren Redaktionen und Communities weiter.

Verständnis fördert Sensibilität

Das Trainer*innenteam von Amal News vermittelt in den Lerneinheiten mehr als technisches Know-how. Im Zentrum steht eine sensible, menschennahe Berichterstattung. Der Jahrgang bringt bewusst Syrer*innen mit unterschiedlichen Hintergründen und Konfessionen zusammen und bildet damit die Vielfalt der syrischen Gesellschaft ab. Sie teilen ihre Erfahrungen und sprechen über ihre Hoffnungen für die Zukunft. Dieser Austausch ist ein wichtiger Teil der Ausbildung – denn wer unterschiedliche Perspektiven kennt und versteht, kann auch sensibler über Konflikte berichten. Taqaddum (Center for Dialogue and Peacebuilding) bringt dafür sein großes Netzwerk und seine langjährige Erfahrung in Dialog und Vertrauensbildung ein.

Die dreimonatige Ausbildung endet mit einem Praktikum bei einem syrischen Medium. Ziel ist, dass die Absolvent*innen gute Stellen finden und Redaktionen professioneller arbeiten. Viele Absolvent*innen des Pilotprojekts sind inzwischen selbst Trainer*innen und geben ihr Wissen an die nächste Generation weiter. So tragen sie dazu bei, das Vertrauen in die Medien in Syrien wiederherzustellen und unterstützen damit den demokratischen Wiederaufbau des Landes.

Vier der Teilnehmerinnen sitzen an einem Tisch vor einer syrischen Flagge
Die Nachwuchsjournalistinnen tauschen sich im Training über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit Desinformationen aus.
Der erste Jahrgang der Journalismusschule
Der erste offizielle Jahrgang an Nachwuchsjournalist*innen der Journalismusschule
Der Pilotjahrgang hat seine Abschlusszertifikate erhalten
Der Jahrgang des Pilotprojekts hat feierlich seine Abschlusszertifikate überreicht bekommen
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