Hallo aus Amman,
Mein Name ist Maryana Al-Haddad. Mein Weg zur GIZ war eher ungewöhnlich: Fast zehn Jahre lang stand ich als Torhüterin für die jordanische Nationalmannschaft auf dem Platz.
Nach meiner aktiven Karriere wurde ich Trainerin. Schließlich kam ich zur GIZ, die damals in Jordanien ein Projekt zu Sport und Entwicklung aufbaute, mitten im syrischen Bürgerkrieg.
Neben dem Fußball studierte ich außerdem Betriebswirtschaft. Beides hat mich geprägt. Torhüterinnen sind typischerweise die Anführerinnen auf dem Platz. Das kam mir zugute, als ich später als Finanzmanagerin bei der GIZ arbeitete. Für das Projekt „Sport for Development“ gab ich auch Workshops vor Ort und schrieb Handbücher für Trainer*innen, Sportlehrer*innen und Jugendleiter*innen.
Wir vermittelten soziale Kompetenzen in ganz Jordanien, in Flüchtlingslagern und in aufnehmenden Gemeinden. Im Sport spielt die Herkunft keine Rolle. Menschen aus Syrien, Jordanien und Palästina kamen zusammen, fair, tolerant und sportlich. Wer Mannschaftssport betreibt, lernt fürs Leben: Man gewinnt Selbstvertrauen und lernt, mit anderen zusammenzuarbeiten.
Am meisten motivierte mich, Frauen und Jugendliche zu stärken. Mindestens die Hälfte unserer Teilnehmenden waren Frauen und Mädchen, die zum ersten Mal Fußball spielten. Es war bewegend zu sehen, wie sie Sport endlich freier genießen konnten.
Wir stießen aber auch auf Herausforderungen. In den konservativeren Teilen des Landes war es für einige Leute ungewohnt, einer Frau als Trainerin zu begegnen. Diese Situationen lehrten mich Toleranz, Einfühlungsvermögen und Respekt für andere Sichtweisen. Im Laufe der Jahre hat sich die gesellschaftliche Einstellung tiefgreifend verändert. Trainerinnen und Sportlehrerinnen sind keine Ausnahme mehr und überall im Land sieht man Mädchen Fußball spielen.
Auch wenn das Projekt 2024 endete, ist seine Wirkung bis heute spürbar. Der jordanische Fußballverband hat die Zentren, die wir gemeinsam aufgebaut haben, wiederhergestellt. Die Mädchen und Jungen, die am Jugendprogramm teilnahmen, sind heute Ärzt*innen, Ingenieur*innen und Lehrer*innen. Sie geben das Gelernte an die nächste Generation weiter.
Rückblickend würde ich alles noch einmal genauso machen. Ich habe so viel gelernt und so viele meiner Träume in Erfüllung gehen sehen. Mädchen und Frauen, die Fußball, Handball, Basketball und Ultimate Frisbee spielen. Manche von ihnen sind heute Trainerinnen, Lehrerinnen und Vorbilder für andere.
Als ehemalige Nationalspielerin freue ich mich sehr zu sehen, wie die jordanische Männermannschaft zum ersten Mal an der FIFA-Weltmeisterschaft teilnimmt. Viele der Spieler haben in den Zentren angefangen, die wir unterstützt haben. Eine echte Erfolgsgeschichte, auf die ich sehr stolz bin!
مع السلامة و كل الحب من الأردن
Mit herzlichen Grüßen aus Jordanien
Maryana