Förderung des Mikrofinanzsektors in Tunesien
Projektdetails
- Projektnummer:2012.2492.2
- Status:Projekt beendet
- Zuständige Organisationseinheit: 3600 Nordafrika
- Ansprechpartner: Transparenzteam transparenz@giz.de
- Partnerländer: Tunesien
Zusammenfassung
- Ziele:
Die regulativen und institutionellen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Entwicklung des Mikrofinanzsektors sind gestärkt.
- Auftraggeber:
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit u. Entwicklung
- Projektpartner:
Tunesisches Finanzministerium
- Finanzier:
nicht verfügbar
Auftragsvolumen
- Aktuelles Projekt:2 500 000 Euro
Kombifinanzierung
nicht verfügbar
Vorgänger-Projekt
nicht verfügbar
Nachfolger-Projekt
- nicht verfügbar
Laufzeit
- Gesamtvorhaben:
(inklusive aller vorangegangenen, aktuellen und nachfolgenden Projektphasen, soweit vorhanden) 06.12.2012 - 24.10.2018 - Aktuelles Projekt:06.12.2012 - 24.10.2018
Sonstige Beteiligte
- nicht verfügbar
Weitere Informationen
- Projekt-Webseitenicht verfügbar
Entwicklungspolitische Kennungen
- Gleichberechtigung der Geschlechter
Signifikantes Nebenziel
CRS-Schlüssel
24010 Finanzsektorpolitik und -verwaltung
Projektbeschreibung (DE)
Ausgangssituation
Nur ungefähr ein Drittel der Bevölkerung Tunesiens verfügt über ein Bankkonto; die Mehrheit hat keinen Zugang zu Dienstleistungen registrierter Finanzinstitutionen. Insbesondere für geringverdienende Personen und Haushalte sind die statt dessen zur Verfügung stehenden informellen Finanzierungsquellen teurer, unterliegen zudem keiner Kontrolle und sind daher mit größeren Risiken verbunden.
Diese Situation bedeutet insbesondere für Kleinunternehmen eine unter Umständen erhebliche Einschränkung ihrer unternehmerischen Möglichkeiten. Neben dem mangelnden Kreditzugang fehlen, vor allem im ländlichen Raum, Möglichkeiten, Ersparnisse zu anzulegen oder im Notfall entsprechende Versicherungsleistungen in Anspruch nehmen zu können.
Die soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung breiter Schichten, insbesondere junger Menschen, hat zu den politischen und sozialen Unruhen in Tunesien erheblich beigetragen und gefährdet auch weiterhin den sozialen Frieden.
Die Förderung des Mikrofinanzsektors soll dieser wirtschaftlichen Ausgrenzung entgegenwirken. Mikrofinanzdienstleistungen bieten einkommensschwachen Personen, Familien und Kleinunternehmen Möglichkeiten, ihre wirtschaftliche Lage zu verbessern. Zudem sind sie gegen Einkommensschwankungen oder wirtschaftliche Notfallsituationen besser gewappnet.
Das tunesische Finanzministerium hat bereits 2011 eine Strategie zur Entwicklung des Mikrofinanzsektors verabschiedet. Ziel dieser Strategie ist ein sozial verantwortungsbewusstes, nachhaltiges Mikrofinanzwesen. Ein landesweit verbesserter Zugang zu Finanzdienstleistungen soll der finanziellen Ausgrenzung entgegenwirken sowie zur Entwicklung der Regionen und zur Stimulierung der Wirtschaft beitragen. Seit dem Inkrafttreten eines neuen Mikrofinanzgesetzes im November 2011 können erstmals neben tunesischen auch ausländische Mikrofinanzanbieter eine Zulassung für Mikrofinanzdienstleistungen in Tunesien, zunächst nur Mikrokredite, beantragen.
Das neue Gesetz schafft erste rechtliche Grundlagen für einen nachhaltigen, nachfrageorientierten Mikrofinanzsektor. Zur Umsetzung der nationalen Mikrofinanzstrategie sind jedoch weitere Maßnahmen zur Unterstützung der Sektorentwicklung erforderlich.
Ziel
Regulative und institutionelle Rahmenbedingungen, die eine stabile und nachhaltige Entwicklung des Mikrofinanzsektors ermöglichen, wurden geschaffen. Eine Aufsichtsbehörde für die Zulassung und Aufsicht über Mikrofinanzinstitutionen wurde aufgebaut. Der Schutz der Kunden ist nach internationalen Standards sichergestellt.
Vorgehensweise
Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) berät die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das Finanzministerium bei der Umsetzung der Mikrofinanzstrategie. Das Projekt umfasst folgende
Schwerpunkte:
Aufbau einer Aufsichtsbehörde über den Mikrofinanzsektor. Schwerpunkt des Vorhabens ist Aufbau und Unterstützung dieser staatlichen Stelle, die für die Erteilung von Zulassungen an Mikrofinanzinstitutionen sowie deren Finanzaufsicht verantwortlich ist.
Unterstützung der Umsetzung und Weiterentwicklung der nationalen Mikrofinanzstrategie. Das Projekt unterstützt das tunesische Finanzministerium bei Umsetzung, Monitoring und Weiterentwicklung der nationalen Mikrofinanzstrategie. Vor allem der Zugang zu Finanzdienstleistungen für Frauen und für die ländliche Bevölkerung soll dabei berücksichtigt werden.
Förderung und Ausweitung der rechtlichen und institutionellen Rahmenbedingungen sowie der Sektorinfrastruktur. Die Entwicklung eines stabilen, nachhaltigen Mikrofinanzsektors erfordert unterstützende Institutionen. Dazu gehört zum Beispiel ein Kreditinformationssystem, das den Austausch von Kundendaten ermöglicht und einer möglichen Überschuldung von Kreditnehmern vorbeugt. Vorgesehen ist darüber hinaus von tunesischer Seite die Einrichtung einer Institution zur Marktbeobachtung.
Wirkungen
Die Aufsichtsbehörde für den Mikrofinanzsektor hat ihre Arbeit Ende 2012 aufgenommen und bearbeitet seitdem Anfragen von größtenteils international agierenden Mikrofinanzanbietern, die eine Zulassung für Tunesien erhalten möchten. Das Vorhaben hat den bisherigen Aufbau durch technische, logistische und finanzielle Maßnahmen begleitet und trägt weiterhin zur Qualifizierung der tunesischen Fachkräfte und der Leitung der Aufsichtsbehörde sowie zum Aufbau von Netzwerken und Kooperationsbeziehungen auf tunesischer wie internationaler Ebene bei.
Der Mikrofinanzaufsichtsbehörde liegt eine Reihe von Zulassungsanträgen für neue, teilweise durch internationale Investoren finanzierte Mikrofinanzinstitutionen vor. Diese Institute verstehen sich zeitgemäß als professionelle Banken für Mikrofinanzkunden. Hinter ihrer Einrichtung stehen weltweit agierende Fachorganisationen, die ihre internationale Kompetenz mit dem örtlichen Know-how junger tunesischer Fachkräfte verbinden.
Auch wenn die neu entstehenden Institute nach der aktuellen Gesetzgebung noch nicht berechtigt sein werden, ebenfalls Ersparnisse ihrer Kunden anzulegen, erfordert der Sektor schon jetzt eine wirksame, entwicklungsfähige und zukunftsorientierte Mikrofinanz-Bankenaufsicht. Sie sollte nicht nur die klassischen Kreditrisiken und die Sicherheit späterer Kundeneinlagen überwachen, sondern auch eine verantwortungsbewusste Kreditvergabe, Kundenschutz oder die entwicklungspolitischen Auswirkungen des Mikrofinanzwesens in Tunesien im Blick haben. Die GIZ entwickelt in Zusammenarbeit mit internationalen Zentralbankberatern ein modernes Bankenaufsichtsverfahren für den neu entstehenden Mikrofinanzsektor.
Breiten Raum nimmt die Ausbildung der tunesischen Fachkräfte der Aufsichtsbehörde sowie der Direktion ein. In der engen Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde und dem Finanzministerium, sowie zukünftig auch mit der Zentralbank, liegen Potenziale für eine aktive Rolle der deutschen Internationalen Zusammenarbeit: in der weiteren strategischen Sektorentwicklung, beim zukünftigen Finanzdienstleistungsangebot und dem weiteren Ausbau der finanziellen Infrastruktur.
Seit März 2014 ist die tunesische Mikrofinanz-Aufsichtsbehörde Mitglied der Alliance for Financial Inclusion (AFI), eines weltweiten Netzwerkes politischer Akteure der Finanzsektorentwicklung aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Auch die tunesischen Partner des Vorhabens, wie das Finanzministerium und die Mikrofinanz-Aufsichtsbehörde, fühlen sich dem Ziel der finanziellen Inklusion verpflichtet, des verbesserten Zugangs der Bevölkerung mit geringem Einkommen zu Finanzdienstleistungen.
Projektbeschreibung (EN)
Context
Only around one third of people living in Tunisia have their own bank account. Most of the population has no access to services from registered financial institutions. Informal sources of financing accessible to everybody, and especially to low-income earners and households, are typically expensive, not subject to controls and thus inherently risky.
This situation limits business opportunities, especially for small businesses. In addition to lacking access to credit, above all in rural areas, methods of building up savings or accessing insurance benefits in case of emergency are not available.
The social and economic exclusion of broad sections of the population, especially young people, played a key role in the political and social unrest in Tunisia, and continues to jeopardise social peace.
The promotion of the microfinance sector serves to counteract this economic exclusion. Microfinance services offer low-income people, families and small businesses ways of improving their economic position and prepare them better to deal with fluctuations in income or financial emergencies.
Tunisia's Ministry of Finance adopted a national strategy to develop the microfinance sector in 2011. This strategy aims to create a socially responsible, sustainable microfinance system. Better access to financial services throughout the country should help to combat financial exclusion, improve regional development and stimulate the economy. Since a new microfinance law took effect in November 2011, Tunisian and foreign microfinance providers have for the first time been able to apply for a licence to offer microfinance services in Tunisia; initially only micro loans.
The new law lays the legal foundation for a sustainable, needs-oriented microfinance sector. However, further actions are needed to implement the national microfinance strategy to support the sector’s development.
Objective
Regulatory and institutional frameworks have been created to enable stable and sustainable development of the microfinance sector. A supervisory board that licences and oversees microfinance institutions has been established. Customers are protected in line with international standards.
Approach
The Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH is working on behalf of the German Federal Ministry for Economic Cooperation and Development (BMZ) to advise the Ministry of Finance as it implements the microfinance strategy. The project focuses on the following areas:
Establishing a supervisory authority to oversee the microfinance sector. The main focus of the project is establishing and supporting a public body that will be responsible for licensing and supervising microfinance institutions.
Implementing and refining the national microfinance strategy. The project is supporting the Tunisian Ministry of Finance as it implements, monitors and refines the national microfinance strategy. Consideration is to be given above all to providing access to financial services for women and the rural population.
Fostering and improving the legal and institutional framework and sector infrastructure. Developing a stable, sustainable microfinance sector requires supporting institutions. This includes a credit information system for sharing customer data, thereby preventing borrowers from taking on too much debt. There are also plans for the Tunisian side to set up a market observation institution.
Results achieved so far
The supervisory authority for the microfinance sector started operating at the end of 2012 and has since been handling enquiries from microfinance providers, most of them active on the international stage, that wish to acquire a licence for Tunisia. The project has supported developments to date with technical, logistic and financial measures and is continuing to help train the Tunisian professionals and manage the supervisory authority as well as to build up networks and cooperative relationships at Tunisian and international level.
The microfinance supervisory authority has received a number of applications for licences for new microfinance institutions, some of them financed by international investors. In line with the times, these institutions see themselves as professional banks for microfinance customers. Their establishment is backed by globally operating specialist organisations that combine their international expertise with the local know-how of young Tunisian professionals.
Even though under the current legislation the newly emerging institutions will not yet be licensed to also invest the savings of their clients, the sector already needs an effective and forward-looking microfinance bank supervisory authority that can be developed further. This authority should not only supervise the classic credit risks and the safety of subsequent customer deposits, but also keep an eye on responsible lending, customer protection and the development impacts of the microfinance sector in Tunisia.
In cooperation with international central bank advisors, GIZ is developing a modern bank supervision procedure for the newly emerging microfinance sector.
A large part of the work consists of training the Tunisian professionals at the supervisory authority and at management level. The close cooperation with the supervisory authority and the Ministry of Finance, as well as with the Central Bank in future, holds potential for German international cooperation to play an active role in further strategic development of the sector and in the future range of financial services provided, as well as in further expansion of the financial infrastructure.
Since March 2014 the Tunisian microfinance supervisory authority has been a member of the Alliance for Financial Inclusion (AFI), a global network of financial policy-makers from developing countries and emerging economies. The Tunisian partners of the project, such as the Ministry of Finance and the microfinance supervisory authority, also feel committed to the goal of financial inclusion, i.e. improved access for the low-income population to financial services.