16.11.2018

Systemtraktoren, Biogas und Seife: frische Ideen für ein besseres Zusammenleben

In einem internationalen Wettbewerb wurden Lösungen für Geschäftsbeziehungen zwischen Menschen auf der Flucht und aufnehmenden Gemeinden gesucht – und gefunden.

Menschen auf der Flucht finden häufig keine Arbeit, die ihnen eine Existenzgrundlage gibt. Wenn sie doch eine Tätigkeit finden, bietet diese meist keinen Gewinn für die Einheimischen, im Gegenteil stehen sie häufig eher in Konkurrenz mit ihnen. Auf der Suche nach neuen Ansätzen in diesem Bereich veranstaltete die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH einen internationalen Ideenwettbewerb. Für eine Region in Ruanda sollten konkrete Lösungen entwickelt werden.

Start-ups, wissenschaftliche Institute, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen aus der ganzen Welt folgten dem Aufruf und präsentierten mehr als 100 Lösungen. Im Anschluss wertete eine internationale Jury die Einreichungen aus und entschied sich für drei Gewinner:

Der erste ausgewählte Vorschlag ist der sogenannte AgRover, ein dreirädriger Systemtraktor, der auf unwegsamem Terrain fahrbar ist und schweres Gerät oder Lasten auf die Felder transportieren kann. Menschen auf der Flucht und die lokale Bevölkerung können den AgRover gemeinsam bauen und vertreiben. Außerdem können sie das Fahrzeug als eine Art Taxi für landwirtschaftliche Services anbieten und so zusätzliches Einkommen erzielen. Alle Materialien, die für den Bau des Fahrzeugs benötigt werden, sind im südlichen Afrika vorhanden. In Uganda, Kenia, Guinea und Nigeria wird der AgRover bereits gebaut und genutzt.

Der zweite Gewinnerbeitrag will eine selbständige Biogasproduktion ermöglichen. Bisher ist zum Kochen die Verwendung von Holzkohle üblich, was dazu führt, dass Bäume rund um die Camps gefällt werden. Dies führt auch zu Konflikten zwischen den Campbewohnern. Stattdessen unterstützen einfache technische Hilfsmittel die lokale Bevölkerung und die Menschen in den Camps dabei, aus organischen Abfällen selbst Biogas zu produzieren. Das Erzeugnis können sie anschließend als Brennstoff zum Kochen verwenden oder weiterverkaufen. So können beide Seiten zusätzliches Einkommen erzielen und haben Zugang zu einer preisgünstigen und ökologischeren Alternative für ihren Energiebedarf. In mehr als 15 Ländern wurden bereits rund 250 dieser Biogassysteme an lokale Produzenten verkauft.

Der dritte prämierte Lösungsansatz schlägt vor, einen Teil der lokalen Obst- und Gemüseernte als Aufwertung für die Seifenproduktion zu nutzen. Hierfür verpachtet die lokale Bevölkerung ihr Land an Flüchtlinge, die dort neben Gurken und Tomaten auch Zitronengras und Zwiebeln als Nahrungsmittel anbauen. Gerade Zitronengras und Zwiebeln eignen sich wegen ihrer desinfizierenden Eigenschaften als Seifenzutaten. Die fertigen Produkte werden anschließend nicht nur als Hygiene- sondern auch als Hautpflegeprodukte verkauft.

Alle drei ausgewählten Lösungsansätze werden nun weiterentwickelt und vor Ort in Ruanda in einem fünftägigen Workshop, einem sogenannten „Innovation Lab“, im Januar gemeinsam mit Menschen auf der Flucht und der Gemeinde auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Durch die Zusammenarbeit sollen nicht nur die geschäftlichen Kontakte verbessert werden. Auch die sozialen Beziehungen zwischen Campbewohnern und Einheimischen sollen profitieren. Mehr Informationen zu den Gewinnervorschlägen und alle weiteren Einreichungen sind auf solutions.giz.de zu finden.

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