19.12.2018

Nachhaltige Wirtschaft: Grünes Wachstum in Vietnam

Die Regierung in Vietnam ist auf Kurswechsel hin zu nachhaltigem Wachstum. Im Sinne der Agenda 2030 werden dabei wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung verknüpft.

Vietnams Wirtschaft boomt. Seit sich das Land in den Achtzigerjahren für den Weltmarkt geöffnet hat, hat es einen beeindruckenden Weg zurückgelegt. Die rasante Entwicklung hat bewirkt, dass Millionen Menschen der Armut entkommen sind. Doch es gibt auch Schattenseiten: Die Umweltzerstörung hat drastische Ausmaße angenommen. Hoher Ressourcenverbrauch, starke Luftverschmutzung und belastete Böden und Gewässer gehören zu den Folgen.

Um die Herausforderungen zu meistern, müssen wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung enger verwoben werden. Diese Erkenntnis liegt dem „integrierten Ansatz“ der Agenda 2030 zugrunde, die von der internationalen Gemeinschaft als Zielbild zur nachhaltigen Entwicklung verabschiedet wurde. Auch Vietnam setzt darauf, die drei Dimensionen nachhaltiger Entwicklung stärker zu verknüpfen.

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das Land bei wirtschaftspolitischen Reformen. Ziel ist ein grünes Wachstum. Dazu hat die Regierung Vietnams eine Strategie und einen Aktionsplan verabschiedet. So wurde zum Beispiel eine Ökosteuer eingeführt, die unter anderem auf Kohle, Benzin und bestimmte Chemikalien erhoben wird. Die Einnahmen der Ökosteuer erhöhten sich von 2012 bis 2018 um das Fünffache auf ca. 2,1 Milliarden US-Dollar. Der Verbrauch natürlicher Ressourcen wird teurer; Investitionen in grüne, effizientere Technologien werden attraktiver. Die GIZ berät die vietnamesische Regierung in rechtlichen Fragen und ermöglicht den Austausch mit internationalen Experten.

Bei der ökonomischen Entwicklung sind Staat und Privatwirtschaft gefragt. So wird die öffentliche Haushaltsführung modernisiert, um vorausschauender zu planen und öffentliche Mittel effizienter zu bewirtschaften. Unter finanzieller Beteiligung der Europäischen Union wurden durch die GIZ und ihre Partner seit 2015 mehr als 5.000 Beamte weitergebildet. Ein weiterer Schwerpunkt liegt darin, mehr private Finanzmittel zu mobilisieren. 26 Banken des Landes haben grüne Kredite aufgelegt, die Investitionen etwa in Energieeffizienz, erneuerbare Energie oder Biolandwirtschaft ermöglichen.

Um grünes Wachstum mit sozialer Politik zu verknüpfen, wurden spezielle Folgeabschätzungen im politischen Prozess verankert. Dabei werden politische Vorhaben etwa im Hinblick auf Armut, Gesundheitsversorgung oder Geschlechtergerechtigkeit analysiert. Mit Unterstützung der GIZ wurde zum Beispiel untersucht, aus welchen Gründen Arbeitnehmer das System der Sozialversicherung verlassen. Die Folgeabschätzungen ermöglichen es, betroffene Gruppen und die Wirkungen neuer Gesetze besser zu berücksichtigen.