18.12.2019

Ukraine: Neue Heimat im eigenen Land

1,5 Millionen Menschen sind wegen des Konflikts in der Ostukraine in westlichere Landesteile gezogen. Mit Unterstützung ihrer Landsleute bauen sie sich nun eine neue Existenz auf.

Fast sechs Jahre ist es her, seit im Frühjahr 2014 der Konflikt in der Ostukraine zwischen pro-russischen Separatisten und dem ukrainischen Militär begonnen hat. Ein Friedensprozess wurde zwar auf den Weg gebracht, dennoch kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Rund 1,5 Millionen Menschen mussten ihre Heimat aufgrund des Konfliktes verlassen. Etwa 800.000 Menschen haben allein in den umliegenden Gebieten der Konfliktregion eine neue Heimat gefunden. Sie sind Vertriebene im eigenen Land. Die Regionen, in die die Menschen ziehen, stehen vor großen Herausforderungen. Noch immer gibt es in vielen Gemeinden weder ausreichend Wohnraum noch soziale Angebote oder Dienstleistungen.

Seit 2015 arbeitet die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH dafür, die Lage in den betroffenen Regionen zu stabilisieren. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt sie aufnehmende Gemeinden und zugezogene Binnenvertriebene. Für die Bewältigung der Krise brauchen die Gemeinden schnelle Hilfe. Gleichzeitig müssen aber auch Maßnahmen mit langfristiger Wirkung durchgeführt werden, denn die Neuankömmlinge sollen langfristig in ihrer neuen Heimat Fuß fassen. So wurden etwa Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in der Nähe der Konfliktregion neu ausgestattet. Eine Million Menschen haben so Zugang zu besserer medizinischer Versorgung. Auch 40 Schulen in der Region wurden renoviert, wovon 75.000 Kinder profitieren.

Die Lage führt auch zu ungewöhnlichen Maßnahmen: In Melitopol, rund 300 km westlich von Donezk, haben sich die städtischen Büchereien nicht nur zu Bürgerhäusern und Begegnungsstätten entwickelt. Hier erhalten die Binnenvertriebenen außerdem neue Ausweise und Hilfe, um eine Unterkunft zu finden. Auch Weiterbildungskurse für neue Jobperspektiven stehen auf dem Programm. Zudem kommen die Einheimischen und ihre zugezogenen Landsleute hier ins Gespräch. Eines ist Inna Efimenko, Leiterin der fünf Bibliotheken von Melitopol dabei besonders wichtig: „Bei uns werden alle gleich behandelt. Egal, ob ein Mensch schon immer hier gelebt hat oder zu uns fliehen musste.“

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