Thema

Deutsche Kommunen profitieren von internationaler Zusammenarbeit

Städte und Gemeinden gehen immer häufiger Entwicklungspartnerschaften ein. Eine Studie belegt erstmals deren positive Wirkungen – für beide Seiten.

Eine Gruppe von Jugendlichen sitzt auf einer Treppe
Gemeinsam geht’s besser: Jugendliche aus Gießen und Mubende beim Klimacamp in der hessischen Stadt.

Die Städte Baruth/Mark in Brandenburg und Mörön in der Mongolei haben mehr gemeinsam, als auf dem ersten Blick scheint: „Auf kommunaler Ebene stehen wir vor den gleichen Herausforderungen, beispielsweise bei den Themen Infrastruktur und Bildung“, sagt der ehemalige Bürgermeister Peter Ilk. Beide Städte verbindet seit mehr als 15 Jahren eine Entwicklungspartnerschaft. Dass solche Partnerschaften wirken, zeigt eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die dafür Daten aus mehr als 180 Partnerschaften erhoben und 16 Fallstudien durchgeführt hat.

Austausch und Dialoge fördern ein besseres Miteinander

Mörön sei ähnlich reich an Wald und Wasser wie Baruth, sagt Ilk. Der Wissenstransfer habe dazu geführt, dass sich in der mongolischen Stadt bis heute – wie in der Mark – Holz.  und Wasserwirtschaft, Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten entwickeln konnten. Weiterhin hat die Partnerschaft die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung verbessert. Auf der deutschen Seite hätten die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit dazu geführt, stärker auf Bürgerdialoge zu setzen. „Wir haben sehr davon profitiert, wie wir die Bürger*innen jetzt bei kommunalen Entscheidungen besser mitnehmen können“, so Ilk.

Die Stadt Baruth/Mark, die stadteigene Stiftung sowie der eigens gegründete Verein IGNEZ organisieren zudem Reisen von Stadtverordneten und Bürger*innen in die Mongolei. „Das hat die auch Akzeptanz für das Engagement in der Stadt enorm erhöht“, sagt auch Frank Zierath vom Baruther Wasserbetrieb WABAU. Außerdem organisiert die Stadt alle zwei Jahre internationale Jugendcamps, in diesem Jahr mit Teilnehmenden aus der Mongolei, der Ukraine, Polen und Kroatien. „Damit fördern wir auch ein besseres Verständnis füreinander und ein schöneres Miteinander“, sagt Ilk.

Vorurteile ab- und Toleranz aufbauen

Ähnliche Erfahrungen hat auch der hessische Landkreis Gießen durch seine Klimapartnerschaft mit der ugandischen Gemeinde Mubende gemacht. „Wir haben in Mubende erkannt, wie wichtig es ist, junge Menschen für Zukunftsthemen zu mobilisieren und dass wir sie ganz anderes ansprechen müssen“, sagt Manfred Felske-Zech vom Kreisausschuss für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Klimaschutz. Formelle Anschreiben oder Aufrufe habe man inzwischen durch informelle Treffen mit Jugendbewegungen und Klimacamps mit deutschen und ugandischen Jugendlichen ersetzt. Denn auch Gießen ringt mit den Folgen des Klimawandels. „Der Grundwasserspiegel ist bereits so weit gesunken, dass wir zum Wassersparen aufrufen mussten und bestimmte Dinge anders machen müssen“, sagt Felske-Zech. Die Jugend für diese Themen zu sensibilisieren und deren Vorschläge aufzunehmen, sei dabei existenziell. 

Junge Menschen halten längs aufgeschnittene Plastikflaschen wie eine Kette aneinander
Jugendliche in Mörön üben Feuerlöschen mit einer improvisierten Wasserrinne aus Plastikflaschen. Die Partnerschaft mit Baruth/Mark macht viele große und kleine Aktionen möglich.

Die Klimapartnerschaft mit Mubende besteht seit 2020. In gemeinsamen Projekten haben die Partnergemeinden solarbetriebene Straßenleuchten in besonders unsicheren Stadtteilen installiert und Haushalte mit kleinen Solarleuchten ausgestattet. Im November werden sie zudem eine Biogasanlage einweihen, die organischen Abfall in saubere Energie verwandelt. Noch kochen viele Menschen in Mubende auf offenem Feuer mit Holz. Das gefährdet die Gesundheit der Menschen, lässt den Wald verwinden und birgt somit weitere Klimarisiken. 

Als ein weiteres Ergebnis der Partnerschaft ist eine Schulpartnerschaft zwischen einer ugandischen Schule und einer Brennpunktschule im Landkreis Gießen etabliert worden. „Das baut enorm Vorurteile ab und Toleranz auf, was wichtig ist für unser globales Miteinander“, sagt Felske-Zech. 

Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt die GIZ in mehr als 100 Ländern die Arbeit mit kommunalen Partnerschaften für eine lebenswerte Zukunft. 

Wird geladen