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„Die Sicherheit Deutschlands entscheidet sich auch jenseits unserer Grenzen“

Mehr Sicherheit weltweit und auch bei uns: Welchen Beitrag internationale Zusammenarbeit leistet, erklärt GIZ-Sicherheitsexpertin Anne-Katrin Niemeier im Interview.

GIZ-Sicherheitsexpertin Anne-Katrin Niemeier sitzt im Büro und lächelt in die Kamera.
Anne Katrin-Niemeier arbeitet bei der GIZ an der Schnittstelle von Sicherheit, Governance und Konfliktbearbeitung.

Was sind die größten Bedrohungen für die Sicherheit in Deutschland?

Dazu zählen hybride Angriffe wie Cyberattacken, Spionage und Sabotage, aber auch Terrorismus, gewaltbereiter Extremismus oder grenzüberschreitende organisierte Kriminalität. Besonders herausfordernd ist, dass diese Bedrohungen immer stärker miteinander vernetzt sind. Organisierte Kriminalität etwa nutzt internationale Netzwerke, schleust Menschen, Drogen und Waffen über Grenzen, finanziert sich über illegale Märkte und Geldwäsche und unterwandert staatliche Strukturen. Deshalb müssen wir nicht nur einzelne Gefahren betrachten, sondern verstehen, wie sie zusammenwirken.

Wie stärkt internationale Zusammenarbeit die Sicherheit weltweit – und in Deutschland?

Innere und äußere Sicherheit lassen sich nicht trennen. Das zeigte sich vor einigen Wochen am Flughafen Leipzig-Halle, als dort eine mit Sprengstoff besetzte Drohne bei ukrainischen Transportflugzeugen entdeckt wurde. Deutschlands Sicherheit entscheidet sich auch jenseits unserer Grenzen. Internationale Zusammenarbeit ist deshalb so wichtig, weil sich viele dieser globalen, grenzüberschreitenden Bedrohungen nur gemeinsam mit Partnern und über Ländergrenzen hinweg wirksam angehen lassen. Wer bei der internationalen Zusammenarbeit kürzt, kürzt deshalb auch bei der Sicherheitsvorsorge für Deutschland.

Wer bei der internationalen Zusammenarbeit kürzt, kürzt auch bei der Sicherheitsvorsorge für Deutschland.

Anne Katrin-Niemeier

Welches Verständnis von Sicherheit liegt der Arbeit der GIZ zugrunde?

Sicherheit ist zentral für die gesellschaftliche Stabilität und Entwicklung eines Landes. Wo sie fehlt, verschlechtern sich Lebensbedingungen, staatliche Institutionen geraten unter Druck und der gesellschaftliche Zusammenhalt wird geschwächt. Sicherheit bedeutet, dass Staat und Gesellschaft in der Lage sind, selbst Krisen zu bewältigen und mit inneren wie äußeren Bedrohungen umzugehen. Dabei kommt es nicht nur auf Polizei, Streitkräfte und Nachrichtendienste an, sondern auch auf funktionierende Institutionen, eine lebendige Zivilgesellschaft und den Schutz der Bevölkerung und ihrer Grundrechte. Damit rückt die Sicherheit des einzelnen Menschen in den Mittelpunkt. Dieses Prinzip der menschlichen Sicherheit leitet unsere Arbeit: Jeder Mensch hat ein Recht darauf, ein Leben in Freiheit und Würde zu führen, frei von Not, Verzweiflung, Armut und Furcht.

Wie genau arbeitet die GIZ im Sicherheitsbereich?

Die GIZ engagiert sich auf vielfältige Weise - zum Beispiel im Bereich der Biosicherheit. Geraten etwa Krankheitserreger oder Viren aus Laboren in falsche Hände, können sie zu biologischen Waffen werden. Deswegen unterstützen wir unsere Partnerländer dabei, sich auf den Ernstfall vorzubereiten und Notfallpläne zu entwickeln, wie zivile und militärische Akteure im Falle eines Missbrauchs praktisch zusammenarbeiten. Da Labore zur kritischen Infrastruktur zählen, unterstützen wir außerdem dabei, ihre IT-Infrastruktur gut aufzustellen, sodass sensible Daten vor Cyberangriffen geschützt sind. In einem anderen Projekt helfen wir, Schleuserkriminalität und Menschenhandel auf dem Westbalkan zu bekämpfen. Dafür unterstützen wir Polizei, Staatsanwaltschaft, Justiz und Grenzschutz in sechs Ländern dabei, grenzübergreifend zusammenzuarbeiten und vernetzen sie etwa mit Ermittlungsagenturen wie Europol. Gleichzeitig spielt der Opferschutz eine wichtige Rolle: Wir schulen Grenzbeamte darin, sensibel mit Betroffenen umzugehen und sie an geeignete medizinische, psychologische oder juristische Hilfsangebote zu vermitteln.

Worin liegen die Stärken der GIZ?

Wir haben eine langjährige Erfahrung im Sicherheitsbereich und arbeiten zu einer Vielfalt an Themen – ob es darum geht, hybride Bedrohungen zu bekämpfen, Grenzen effektiv zu managen, leistungsfähige Polizeistrukturen aufzubauen oder organisierte Kriminalität einzudämmen. Im Auftrag der Bundesregierung sind wir zudem in mehr als 120 Ländern der Welt präsent, haben umfassende Netzwerke und kennen durch unsere langjährigen Partnerschaften die lokalen Gegebenheiten sehr gut. Wesentlich ist hierbei, dass wir staatliche, regionale und zivilgesellschaftliche Akteure zusammenbringen und Vertrauen zwischen ihnen aufbauen. Dadurch bleiben wir auch in schwierigen und fragilen Kontexten handlungsfähig. In Syrien zum Beispiel haben wir uns auch während des Kriegs für die Bevölkerung eingesetzt und waren über zivilgesellschaftliche Partner engagiert. Deshalb können wir jetzt vertrauensvoll vor Ort weiterarbeiten und gemeinsam den Wiederaufbau des Landes vorantreiben. Neben der langfristigen Begleitung von Sicherheitsreformen in unseren Partnerländern können wir gleichzeitig flexibel auf konkrete Bedarfe reagieren. Das macht uns zu einem vielseitigen Instrument deutscher Außen- und Sicherheitspolitik.

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