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Kälte durch Sonne: Indonesiens leistungsstärkstes, solares Kühlhaus

Weniger Verluste, mehr Einkommen, weniger Diesel: In Bogor zeigt Indonesiens leistungsstärkstes, solarbetriebenes Kühlhaus, wie klimafreundliche Kühlketten zukünftig in der Praxis funktionieren können.

Mehrere Personen im neuen Kühlhaus in Bogor, darunter Bundesministerin Reem Alabali Radovan.

Auf dem Gelände der Universität Bogor ist Mitte August 2026 Indonesiens leistungsstärkstes, solarbetriebenes Kühlhaus in Betrieb gegangen. Von außen wirkt die Anlage wie jede andere, drei gedämmte Kühlkammern, Kompressoren brummen. Der Unterschied zeigt sich beim Blick aufs Dach: Mehrere Reihen von Solarmodulen versorgen die gesamte Kühlung mit Strom, teilweise unabhängig vom öffentlichen Netz, das in manchen Gegenden Indonesiens instabil ist.

Bundesministerin Reem Alabali Radovan hält eine Rede
Kühlhaus in Bogor, Indonesien
Projektleiter Frank Stegmüller hält eine Rede
Bundesministerin Reem Alabali Radovan im Publikum
Alle Beteiligten zerschneiden ein Band zur Eröffnung des Kühlhauses
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Die drei Kammern sind auf unterschiedliche Aufgaben zugeschnitten: Eine friert Fleisch bei minus 18 Grad ein, eine zweite taut es energieeffizient bei plus 1 Grad auf, eine dritte hält Gemüse bei plus 7 Grad frisch. Die Niedrigtemperaturkammer, die mit Abstand am meisten Energie verbraucht, läuft komplett über ein eigenes Photovoltaik-Batteriesystem. Als Kältemittel kommt das natürliche Propan (R290) zum Einsatz. Im Vergleich zu herkömmlichen Kältemitteln trägt es kaum zur Erderwärmung bei.

Für Indonesien, den größten Inselstaat der Welt, ist das mehr als eine technische Spielerei. Wo Stromnetze instabil sind und Kühlketten Lücken haben, verdirbt mancherorts über 40 Prozent des Fangs oder der Ernte, bevor er verkauft werden kann, vor allem im Fischereisektor. Genau hier setzt das Kühlhaus an: Es sichert Qualität entlang der Lieferkette und senkt damit Verluste, und die Solarmodule verringern die Abhängigkeit von Diesel.

Internationales Bündnis aus Forschung und Wirtschaft

Möglich wurde die Anlage durch ein Bündnis ganz unterschiedlicher Partner: Die Universität Bogor stellte den Standort im Agri-Technik Business Park und übernahm die Gebäudefinanzierung. Das technische Konzept entwickelten das deutsche Start-up Solar Cooling Engineering und das Institut für Luft- und Kältetechnik Dresden, koordiniert von der Beratungsfirma Integration Umwelt & Energie. Die Kältetechnik selbst kommt größtenteils aus Deutschland: zentrale Komponenten von den Mittelständlern Güntner und BITZER, ergänzende Technik von SMA Solar Technology, Siemens, ZIEHL-ABEGG, ebm-papst und Intarcon. Auf indonesischer Seite steuerte der Photovoltaik-Anbieter PT Surya Energi Indotama Hardware bei. Die GIZ hat das Vorhaben koordiniert.

Frank Stegmüller, GIZ-Projektleiter vor Ort, sagt: „Mit dem solarbetriebenen Kühlhaus in Bogor zeigen wir, dass Kühlketten universell und zuverlässig funktionieren können – und zwar überall, wo die Sonne scheint. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu resilienten Lieferketten und klimafreundlicher Kälteversorgung.“

Von der Eismaschine zum Kühlhaus

Ganz neu ist die Idee dahinter nicht. Seit 2016 arbeitet die GIZ in Indonesien zu solarbetriebenen Eismaschinen. Die so genannten „Solar Ice Makers“ nutzen neben Sonnenstrom natürliche Kältemittel. Mit den nachhaltig produzierten Eisblöcken wird frischer Fisch gekühlt.

Der erste Solar Ice Maker ging 2022 in Betrieb. Seitdem wurden Anlagen an verschiedenen Orten erprobt. Sehr erfolgreich ist beispielsweise die Anlage im Dorf Kawa auf Maluku: Rund 120.000 US-Dollar zusätzliches Einkommen jährlich erzielen der Fischproduzent und die beteiligten Fischerinnen und Fischer dort, weil sie gekühlten Fang teurer verkaufen können. Zwei weitere Anlagen für die Molukken sind derzeit im Bau, finanziert durch eine Partnerschaft mit der Global Energy Alliance for People and Planet (GEAPP) und IPNLF. Insgesamt wurden dafür mehr als eine Million Euro mobilisiert.

Solar Ice Maker Anlage in Kawa Maluku, Indonesien.
Solar Ice Maker Anlage in Kawa Maluku, Indonesien, von oben.
Zwei Männer halten Eisblöcke hoch.
Zwei Männer heben Eisblöcke mechanisch aus einer Anlage heraus.
Eisblöcke in Nahaufnahme
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Um das Konzept weiter zu verbreiten, veröffentlichte die GIZ im Jahr 2025 einen Herstellungsleitfaden für Solar Ice Maker. Das Kühlhaus in Bogor überträgt das zugrundeliegende Prinzip nun erstmals auf Kühlketten für Landwirtschaft und Fleischverarbeitung. Der Machbarkeitsnachweis nützt dabei nicht nur Indonesien. Er ist zugleich ein Testfeld für deutsche Kältetechnik unter tropischen Bedingungen – auf einem der am schnellsten wachsenden Kühlmärkte Südostasiens.

Ob aus der Anlage in Bogor ein Modell für ganz Indonesien wird, hängt jetzt von der Skalierung ab. Die GIZ setzt darauf, das Konzept künftig in landesweite Programme zur Nahrungsgrundversorgung zu integrieren sowie über kommerzielle Geschäftsmodelle zu skalieren. Gelingt das, könnten solarbetriebene Kühlhäuser in vielen Regionen Indonesiens Ernteverluste senken, Einkommen stabilisieren und den Dieselverbrauch verringern.

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