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Reisanbau in Thailand: Zwei Millionen Euro hebeln 120 Millionen

Klimafreundlicher Reisanbau senkt Kosten, bringt geprüften Reis ins Supermarktregal und zieht Investitionen an. Davon profitieren Bauern und Unternehmen.

Zwei Menschen schütteln Reis aus geflochtenen Körben.

Die Provinz Ubon Ratchathani im Nordosten Thailands, kurz nach Sonnenaufgang. Thanu Thanhakij geht am Rand seines Reisfelds entlang. Um acht Uhr brennt die Sonne bereits hoch am Himmel. Wasser ist knapp, doch Reis braucht viel davon. Früher stand sein Feld monatelang unter Wasser. Heute flutet der Bauer sein Feld nur noch in Phasen. Das spart Wasser und Geld - und senkt obendrein den Methanausstoß. Denn ist der Boden nicht dauerhaft nass, bilden die Mikroorganismen darin weniger von dem klimaschädlichen Gas.

Thanhakij ist einer von 3,7 Millionen Reisbauern in Thailand. Sein Feld ist Teil einer der größten Klimapartnerschaften im Reissektor. An deren Anfang stehen zwei Millionen Euro aus dem Bundesentwicklungsministerium. Heute umfasst das Vorhaben 120 Millionen Euro. Das Geld kommt von Unternehmen, Klimafonds und thailändischen Partnern. Die GIZ führt alle zusammen.

Zeitstrahl zum nachhaltigen Reisanbau in Thailand von 2013 bis 2029.

Viele Jahre Zusammenarbeit mit Olam Agri

Die Zusammenarbeit mit Olam Agri begann vor über 10 Jahren. Das Unternehmen gehört zu den größten Reishändlern weltweit. Die GIZ schulte mit thailändischen Trainerteams und Olam mehr als 36.000 Bauernfamilien. Sie lernten, Dünger und Wasser gezielter einzusetzen. Emissionen sanken um 21 Prozent, Einkommen stiegen um 20 Prozent. Die Menge zertifizierten Qualitätsreises wuchs von null auf 400.000 Tonnen.

Den Standard für nachhaltigen Reis setzt die Sustainable Rice Platform (SRP), ein internationaler Zusammenschluss, den das Internationale Reisforschungsinstitut (IRRI), das UN-Umweltprogramm und die GIZ 2011 gründeten. Gemeinsam entwickelten sie den weltweit ersten Standard für nachhaltigen Reisanbau. Er legt fest, wie viel Wasser, Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden und wie die Reisbauern fair entlohnt werden. Das SRP-Siegel macht nachhaltigen Reisanbau überprüfbar – und damit auch für den Markt nachvollziehbar.

Vom Reisfeld ins deutsche Supermarktregal

Genau darauf baut Olam Agri. Das Unternehmen kauft den Reis in garantierten Mengen. Feste Abnahmeverträge und Prämien belohnen die Bauern für nachhaltigen Anbau. Paul Nicholson leitet bei Olam Agri den Bereich Reisforschung und Nachhaltigkeit. Er sagt: „Die Kleinbäuerinnen und -bauern konnten ihr Einkommen verbessern und gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck des Reisanbaus verringern. Sie haben ihren Wasser- und Düngemitteleinsatz sowie die Treibhausgasemissionen erheblich reduziert.“

Olam Agri ist nicht allein. Auch andere große Unternehmen im Lebensmittelsektor wie Mars, Ebro und PepsiCo beteiligen sich und nehmen den Reis ab. Ignacio Yuste Sanchez führt die Ebro-Tochter Herba Bangkok. Für ihn ist die Partnerschaft ein vorwettbewerblicher Raum: Die Unternehmen arbeiten bei Schulungen und Standards zusammen, im Verkauf bleiben sie Konkurrenten. Kein Unternehmen stemmt die Klimarisiken im Reisanbau allein. SRP-zertifizierter Reis liegt heute bei Lidl in Deutschland im Regal. Auch die Supermarktkette Albert Heijn in den Niederlanden führt ihn.

Person im einem grünen Reisfeld.

Klimafinanzierung: Öffentliches Geld öffnet die Tür

Den Rahmen bildet develoPPP, das Programm für die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft des Bundesentwicklungsministeriums. Die GIZ setzt die Vorhaben gemeinsam mit den Firmen um. Diese tragen mindestens die Hälfte der Kosten. Die GIZ schult Bauern, berät Ministerien und koordiniert zwischen allen. Die Unternehmen vermitteln Standards und erschließen Absatzmärkte. Seit 2024 beteiligt sich auch der Green Climate Fund (GCF), der weltweit Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungs- und Schwellenländern finanziert.

Eine Herausforderung bleibt der Zugang zu Kapital. Viele Reisbauern in Thailand sind verschuldet. Weniger als ein Prozent besitzen eine Erntemaschine. Die GIZ und ihre Partner arbeiten deshalb mit der thailändischen Agrarbank zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Kredite für klimafreundliche Technik, die Investitionen ermöglichen sollen, ohne die Verschuldung weiter zu erhöhen.

Privatinvestitionen als Hebel für den Klimaschutz

Im Oktober 2026 tagen Weltbank und Internationaler Währungsfonds in Bangkok. Ganz oben auf der Tagesordnung: das fehlende Geld für den Klimaschutz. Ärmere Länder brauchen dafür rund 1,3 Billionen US-Dollar im Jahr. Zugesagt haben die Industriestaaten 300 Milliarden. Dazwischen klafft eine Lücke von einer Billion Dollar – jedes Jahr. Öffentliche Kassen alleine schließen sie nicht. Das thailändische Reisfeld zeigt einen möglichen Ausweg.

Reis ernährt die Hälfte der Menschheit. Wer seinen Anbau klimafest macht, sichert Ernährung und schont das Klima zugleich. Thanu Thanhakij rechnet nüchterner: „Wenn wir unsere Kosten senken, haben wir mehr Geld zur Verfügung, um unsere finanzielle Situation zu verbessern und den Lebensunterhalt unserer Familien zu sichern.“

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