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„Wir glauben fest an den Wiederaufbau, und die Ukraine ist ein wichtiger Markt“

Die Ukraine braucht medizinisches Fachpersonal. Zusammen mit Siemens Healthineers schult die GIZ dringend benötigte Radiologiefachkräfte.

Ein Porträtfoto einem mittelalten Mann mit weißem Hemd und blauem Jackett
Hagen Weissapfel, Leiter des Bereichs Kapazitätsaufbau in Schwellenmärkten bei Siemens Healthineers

Radiologie ist ein wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung in der Ukraine. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH und Siemens Healthineers arbeiten zusammen, um Fachkräfte auszubilden. Im Interview erläutert Hagen Weissapfel, Leiter des Bereichs Kapazitätsaufbau in Schwellenmärkten bei Siemens Healthineers, warum das Unternehmen sich für die Zusammenarbeit über das Förderprogramm develoPPP entschieden hat. Dieses Programm setzt die GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um.

Mit wie vielen Teilnehmenden wird die Ausbildung starten und wie realisieren Sie das unter Kriegsbedingungen?

Die Ausbildung richtet sich an 100 Personen mit Pflegeausbildung und zusätzlich 20 mit vertiefter radiologischer Erfahrung. Letztere bilden wir zu Trainerinnen und Trainern weiter, die das Wissen künftig landesweit weitergeben können. Die Auswahl der Teilnehmenden wird das Gesundheitsministerium der Ukraine zusammen mit der GIZ koordinieren. Die Ausbildung startet Mitte 2026. Wir bauen parallel zu der Schulung eine Online-Lernplattform auf, die die Trainer später weiter nutzen können. Wir haben zudem ein Simulatortraining entwickelt, mit dem die Schülerinnen und Schüler an den radiologischen Geräten üben können.

Schulungen für Radiologiefachkräfte

Wie entstand die Idee zu dem Schulungsprogramm?

Wir haben die Nutzerinnen und Nutzer unserer Geräte natürlich auch schon in der Vergangenheit geschult. Dabei haben wir festgestellt, dass den Fachkräften in der Ukraine fundiertes Wissen fehlt. Sie können die Geräte nicht so nutzen, dass auch klinisch aussagekräftige Bilder dabei entstehen. Diese brauchen die Ärztinnen und Ärzte jedoch, um eine gute Diagnostik zu machen. Der Bedarf steigt nicht zuletzt aufgrund der vielen Kriegsverletzungen rasant. 

Welchen Nutzen hat Siemens Healthineers davon? 

Wir sehen einen hohen Bedarf in der Ukraine, und wir wollen einen Markt kreieren. Das geht nur, wenn genügend Fachkräfte verfügbar sind, die diese komplexen medizinischen Geräte bedienen können. Deshalb haben wir uns entschlossen, ein herstellerunabhängiges Schulungsprogramm zu initiieren. Natürlich profitieren dann auch unsere Wettbewerber davon. Wir haben jedoch den Vorteil des „First-Market-Movers“, also desjenigen, der als erster mit seinen Dienstleistungen am Markt war. Wir glauben fest an den Wiederaufbau des Landes und die Ukraine ist schon jetzt ein wichtiger Markt. Deshalb haben wir uns mit unserer Projektidee beim develoPPP-Programm beworben. Auch die Finanzierung ging rasch über die Bühne. Die Hälfte der Kosten tragen wir, die andere Hälfte das BMZ.

Klassenraum Schulung Radiologie

Warum haben Sie die GIZ mit ins Boot geholt?

Wir wollen diese Ausbildung in der Ukraine fest verankern. Dafür braucht es vertrauensvolle Kontakte vor Ort. Die GIZ war uns hier eine riesige Hilfe. Sie hat die Kooperation mit dem Gesundheitsministerium vermittelt. Außerdem hat sie Kontakte zu mehreren Krankenhäusern sowie Berufskollegs in unterschiedlichen Regionen der Ukraine geknüpft. Gemeinsam mit unserer Partnerin, der Uniklinik Freiburg, planen wir ein Curriculum, das auf das Land zugeschnitten ist. Das ukrainische Ministerium will die Ausbildung anschließend als Bachelorstudium anbieten. Das ist wichtig, damit der Mangel an Radiologiefachkräften nachhaltig behoben wird. Ohne die GIZ wäre uns diese Verankerung nicht gelungen.

Die GIZ arbeitet weltweit – für dieses Vorhaben hier: Passende Expertise der GIZ:
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