Hintergrund

Energie fürs Überleben

Die Ukraine braucht Energie: für den Alltag, die Wirtschaft und die Verteidigung gegen russische Angriffe. Die GIZ unterstützt das Land langfristig mit dem Ausbau dezentraler Energieinfrastruktur und leistet zugleich schnelle Hilfe.

Ein Mann läuft über ein Flachdach mit installierten Solarpanels, im Hintergrund stehen viele Hochhäuser einer Stadt.

Mittlerweile herrscht seit über vier Jahren Krieg in der Ukraine. Dabei sind Energieanlagen ein besonders häufiges Ziel, denn Russland führt systematisch Angriffe auf Kraftwerke und Umspannwerke durch. Als Folge legen Stromausfälle regelmäßig die überlebenswichtige Infrastruktur lahm. Die unsichere Energie- und Wärmeversorgung bedroht die Bevölkerung, die Wirtschaft und die medizinische Versorgung des Landes.

Deshalb baut die Ukraine verstärkt auf dezentrale erneuerbare Energiequellen und kleinere Anlagen. Sie sind nur schwer angreifbar, machen das Land unabhängiger von Öl und Gas – und legen den Grundstein für eine zukunftsfähige, dezentrale Energieversorgung. Die GIZ unterstützt die Ukraine dabei – und hat seit 2022 rund 7,7 Millionen Menschen erreicht, die dadurch wieder Strom und Wärme bekommen haben.

Solarstrom für ein Krankenhaus in der Ostukraine

Zum Beispiel in einer ostukrainischen Stadt in der Region Charkiw. Dort ist das kommunale Gesundheitszentrum sowohl Krankenhaus, Poliklinik als auch Rettungsstelle in einem. Entsprechend wichtig ist es als einzige größere medizinische Einrichtung der näheren Umgebung für die Menschen. Allerdings ist der Osten besonders umkämpft, der Strom fällt häufig aus.

Deshalb erhält das Gebäude nun Solarpaneele und einen Batteriespeicher. Damit kann der Betrieb auch bei Stromausfall weiterlaufen – und rund 12.700 Patient*innen jährlich versorgen.

Das Gesundheitszentrum in der Ostukraine ist Teil des Programms „Renewable Energy Solutions (RES)“. Das Bundesumweltministerium (BMUKN) und die Europäische Investitionsbank (EIB) haben es 2025 im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) gestartet. RES finanziert erneuerbare Energieanlagen für öffentliche Gebäude wie Krankenhäuser, Schulen und Verwaltungen. Die GIZ setzt das Programm gemeinsam mit dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) um.

Die Aufgaben sind klar verteilt: Die EIB wählt gemeinsam mit dem ukrainischen Ministerium für Regionalentwicklung die Gebäude aus, die GIZ erstellt zusammen mit den ukrainischen Partnern die grundsätzlichen Projektentwürfe und zeigt den Kommunen, wie sie die neuen Anlagen betreiben können. Das UNDP beschafft und baut die Anlagen vor Ort.

Neue Partnerschaft mit der Europäischen Investitionsbank

RES ist ein Vorzeigeprojekt: Zum ersten Mal hat die GIZ eine Kooperationsvereinbarung mit der EIB unterzeichnet – technische und finanzielle Unterstützung greifen so direkt ineinander. Eine Kooperation, die Schule machen und Wirkungen vervielfältigen kann.

Porträt eines grauhaarigen Mannes im Anzug vor hellem, kreisförmigem Hintergrund.

„Die EIB setzt sich gemeinsam mit ihren Partnern dafür ein, den Wiederaufbau der Ukraine und den grünen Wandel zu unterstützen. Russlands Angriffe haben die Energieinfrastruktur schwer beschädigt – umso dringlicher sind robuste, dezentral organisierte Lösungen. Indem wir in erneuerbare Energien investieren, decken wir akute Bedürfnisse und schaffen zugleich die Grundlage für eine sichere, saubere Energiezukunft in ukrainischen Gemeinden.“

Karl Nehammer

Spenden und Winterhilfe

Schnelle Hilfe bei der Energie- und Wärmeversorgung bekommt die Ukraine auch über eine Spendenkampagne der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE). Über diese Kampagne liefern deutsche Unternehmen Transformatoren und andere dringend benötigte Energietechnik in die Ukraine. Ein Beispiel: Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin hat der Ukraine 31 Transformatoren zur Verfügung gestellt. Insgesamt sind mittlerweile bereits 34.500 Spendengüter im Land angekommen, 1,4 Millionen Menschen werden so wieder mit Strom und Wärme versorgt.

Eine Person mit Schutzhelm arbeitet auf einem Container, auf dem ein Banner mit GIZ-Logo und deutsch-ukrainischer Zusammenarbeit hängt.
Erste Lieferung von Blockheizkraftwerken Anfang 2026 in Kyjiw - beschafft von der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Dazu kommt die Winterhilfe der GIZ im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), finanziert durch die Übergangshilfe. Sie stellt sicher, dass Menschen und öffentliche Einrichtungen auch im Winter mit Strom und Wärme versorgt werden – selbst bei zerstörter Infrastruktur und häufigen Ausfällen. Dafür hat die GIZ im Rahmen der Winterhilfe für 2025/26 72,3 Millionen Euro erhalten, um kurzfristig dringend benötigte Energie- und Heiztechnik für die Ukraine, wie etwa Blockheizkraftwerke, PV-Anlagen, Batteriespeicher und Baufahrzeuge für schnelle Reparaturen, zu beschaffen.

Die Güter ergänzen die laufenden Maßnahmen der GIZ und stabilisieren die Versorgung insbesondere von Wärmeversorgern, in Krankenhäusern, Schulen und Kommunen. Ein Großteil der Technik stammt dabei von deutschen Unternehmen.

Strom und Wärme zu sichern, bleibt eine dauerhafte Aufgabe – und die Ukraine braucht dabei weiter internationale Unterstützung. Die GIZ steht dem Land seit Kriegsbeginn zur Seite: mit schneller Nothilfe, langfristigen Projekten und einer Energieversorgung, die auch für die Zukunft trägt.

Eine Frau und ein Mann stehen vor einem Lkw mit Container und geöffneter Technikklappe, durch die eine blaue Maschine sichtbar ist.
Ukraines Ministerpräsidentin Yulia Svyrydenko und der deutsche Botschafter in der Ukraine, Heiko Thoms, Anfang 2026 bei der Übergabe von mobilen Blockheizkraftwerken in Kyjiw.
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