Wertvolle Ernte
Nachhaltige Lieferketten stabilisieren Geschäfte. Ein Besuch in Ghana zeigt, wie die GIZ Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden unterstützt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Firmen stärkt.
Ghana stillt seit langem den süßen Hunger der Welt. Das westafrikanische Land ist nach Côte d’Ivoire der zweitgrößte Kakaoproduzent weltweit. Jedes Jahr ernten die 800.000 ghanaischen Kleinbäuerinnen und -bauern die wertvollen Früchte. Die Bohnen reisen dann in Schiffscontainern vor allem nach Europa. Bis zu 65 Prozent der Kakaoexporte des Landes gehen in die Europäische Union. Sie landen in den Häfen von Hamburg oder Rotterdam und werden von dort aus weiterverteilt.
Deutschland ist der größte Produzent von Schokoladenprodukten in der EU. Die Süßwarenindustrie braucht entsprechend viel Kakao. 60.000 Arbeitsplätze hängen direkt davon ab.
Wendepunkt für die Kakaoindustrie
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind deutsche Unternehmen auf stabile und nachhaltige Lieferketten angewiesen. Doch wie lässt sich nachhaltige Kakaoproduktion verlässlich belegen? Ghana hat in der Erntesaison 2025/26 einen Durchbruch erzielt: Das neue Ghana Cocoa Traceability System (GCTS) verfolgt den Weg jeder Kakaobohne lückenlos – von dem Moment, in dem Landwirte die Kakaoschoten von den Bäumen schlagen, bis zum Verladen der Bohnen in den Häfen.
betrug der Wert der in Deutschland hergestellten kakaohaltigen Schokoladenerzeugnisse im Jahr 2024.
Quelle: destatis
Die Spur der Kakaobohne
Benutzen Sie die Links, um mehr über die nachhaltige Lieferkette bis in die Regale der Schokoladennation Deutschland zu erfahren.
Start in den Kakaofeldern
Der Weg der Kakaobohne beginnt bei den fünf bis sechs Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, die entlang des Äquators im sogenannten Kakaogürtel die Frucht anbauen: von Lateinamerika über Westafrika bis nach Südostasien – Menschen wie Luther aus Indonesien. Wer Wälder schützen und faire Einkommen sichern will, muss Kakaofarmer*innen systematisch unterstützen. Genau das ist das Ziel der Team-Europe-Initiative zu entwaldungsfreien Wertschöpfungsketten, an der die GIZ mitwirkt. Finanziert wird diese Initiative von der EU, dem BMZ, dem niederländischen Außenministerium sowie dem französischen Ministerium für ökologische Transformation.
Genossenschaften stärken Produzent*innen
Lokale Genossenschaften spielen im nächsten Schritt eine wichtige Rolle. Sie sind der Hebel, der aus kleinen Kakaobetrieben starke Handelspartner macht. Für bessere Marktzugänge bringt die GIZ die Akteure entlang der Lieferkette zusammen. In der Demokratischen Republik Kongo etwa wurden 20 Genossenschaften gegründet – trotz der instabilen Lage. Ihnen gehören 15.000 kleine Kakaoproduzent*innen an. Sie können ihre Bohnen so direkt an Unternehmen in Belgien, Deutschland, den Niederlanden und Frankreich verkaufen. Dieser direkte Vertrieb ist eher ungewöhnlich.
Ghana macht seinen Kakao transparent
Wie kann verlässlich belegt werden, dass Kakao nachhaltig produziert wird? Ghana hat hierzu in der Erntesaison 2025/26 das neue zentrale System zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit von Kakao – Ghana Cocoa Traceability System (GCTS) – etabliert. Es bietet Transparenz, die für den Export in die EU zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bei der landesweiten Einführung dieses Systems wurde das Ghana Cocoa Board, die staatliche Dachorganisation für Kakao in Ghana, von der GIZ unterstützt. Mit dem GCTS zeigt das westafrikanische Land, wie wichtig es ist, dass kakaoproduzierende Staaten Reformen im Sinne lokaler Kleinbetriebe durchführen. Denn damit stärken sie nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit und den Exportzugang, sondern verbessern auch langfristig das Einkommen der Betriebe.
The Sustainable Cocoa Initiative – International Partnerships
Vom Kleinbetrieb zum globalen Markt
Nur selten können kleine Kakaofarmer*innen direkt an verarbeitende Betriebe im Ausland verkaufen. Deshalb übernehmen Rohstoffhändler wie Olam Food Ingredients (ofi) den nächsten Schritt. ofi gehört zur Olam Group, einem der weltweit größten Händler von Kakaobohnen und -produkten wie Kakaopulver oder -butter. Das Unternehmen ist ein Schlüsselakteur aus der Privatwirtschaft in der Kakaobranche. Im Kakaosektor setzt sich ofi dafür ein, eine resiliente, transparente und ethische Lieferkette aufzubauen, die „sowohl den Menschen als auch dem Planeten zugutekommt“. Langfristig sichert dieser nachhaltige Ansatz verlässlich den Nachschub und die benötigte Qualität für die Händler. Die GIZ arbeitet in Entwicklungspartnerschaften mit ofi zusammen: Projekte werden gemeinsam konzipiert, umgesetzt und zu je 50 Prozent privat und öffentlich finanziert.
Wo Kakao zur Schokolade wird
Deutschland ist der größte Produzent von Schokoladenwaren in der EU. Hier werden die gemahlenen Kakaobohnen weiterverarbeitet sowie Schokolade für den deutschen Konsum und Export produziert. Im Forum Nachhaltiger Kakao e.V. haben sich die Bundesregierung, Schokoladenunternehmen, der Einzelhandel und die Zivilgesellschaft zusammengeschlossen und setzen sich gemeinsam für einen nachhaltigen Kakaosektor ein. Das Sekretariat des Vereins wird von der GIZ koordiniert. Für den Vorstandsvorsitzenden Aldo Cristiano (Ferrero Deutschland GmbH) steht das Forum für Dialog, das gemeinsame Ringen um tragfähige Lösungen und eine geteilte Verantwortung der Mitglieder. Nachhaltige Kakaolieferketten sichern langfristig Rohstoffe und schaffen Arbeitsplätze in der Süßwarenindustrie.
Kaufen mit Haltung
Vom Schokoladenhersteller geht das Naschwerk in die Handelsregale. Doch der Nachschub an Kakao ist keine Selbstverständlichkeit mehr: Weil die Ernten durch den Klimawandel unsicherer werden und viele Bauernfamilien ihre Arbeit aufgeben, ist die Versorgung mit Schokolade in Gefahr. Darauf reagieren Händler und Hersteller. dm-drogerie markt, der Schokoladenhersteller Maestrani, Fairtrade Deutschland und Fairtrade Africa setzen sich gemeinsam mit der GIZ für nachhaltig bessere Einkommen für Kakaobäuerinnen und -bauern in Sierra Leone ein, damit auch die, die den Kakao anbauen, vom Kauf der Schokolade profitieren und ihre Lebenssituation verbessern können. Mit dem Kauf einer Bio-Schokoladentafel von dm setzen Verbraucher*innen ein Zeichen: für die Umwelt und für die Menschen entlang der gesamten Lieferkette. Für unternehmensübergreifendes Engagement wurde dm bereits 2024 mit dem Fairtrade Award ausgezeichnet und ist 2026 erneut mit dem Projekt nominiert.
Das System in Ghana verknüpft landesweit Daten zu Farmen, Erntemengen und Transportwegen – per GPS-Kartierung, Barcodes und mobiler Datenerfassung. So belegt es verlässlich, dass Betriebe ethische Arbeitsbedingungen einhalten und die tropischen Wälder schützen. Außerdem bindet es die Bäuerinnen und Bauern über digitale Identifikationen direkter an: Sie erhalten besseren Zugang zu Setzlingen, bekommen Beratung zu umweltfreundlichen Anbaumethoden und können sich für ein Rentensystem der ghanaischen Kakaobehörde registrieren.
Vom Flickwerk zur verlässlichen Lösung
Zuvor nutzten viele Händler und Importeure eigene, sehr unterschiedliche Systeme. Darüber ließ sich der Kakao oft nur bis zur Genossenschaft zurückverfolgen, nicht bis zum Anbau auf dem Feld. Damit sich das ändert, hat die GIZ die staatliche Dachorganisation für Kakao in Ghana dabei unterstützt, das Ghana Cocoa Traceability System einzuführen. Die Einführung war Teil der Sustainable Cocoa Initiative – einer Global-Gateway-Initiative der Europäischen Union.
von der Privatwirtschaft konnte SASI mobilisieren.
Plattform für globale Agrarlieferketten
Das Kakao-Beispiel zeigt, wie die GIZ daran arbeitet, nachhaltige Partnerschaften mit Produzenten im Globalen Süden zu stärken und damit Lieferketten zukunftsfähig aufzustellen. Dafür hat sie eine zentrale Plattform im Agrarbereich aufgebaut: die Sustainable Agricultural Supply Chains Initiative (SASI). Sie bringt zusammen, was entlang landwirtschaftlicher Lieferketten oft nebeneinander herläuft: Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Das Netzwerk umfasst weltweit 940 Partner. Ob Kakao, Kaffee, Baumwolle, Palmöl oder Kautschuk – hier entstehen gemeinsame Ansätze, die Nachhaltigkeit, Resilienz und wirtschaftliche Tragfähigkeit zusammen denken.
Finanziert wird die Plattform im Rahmen von Deutschlands internationaler Zusammenarbeit – insbesondere durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); je nach Vorhaben kommen weitere Partner hinzu. Öffentliche Mittel und privates Kapital ergänzen sich dabei gegenseitig.
Die SASI-Plattform gewährleistet für alle Beteiligten, ob in Ghana oder Deutschland, Transparenz und verlässliche Partnerschaften. Wenn der Weg vom Baum bis in die Häfen Europas nachvollziehbar ist, wird aus der kostbaren Ernte mehr als ein Rohstoff: Die Ernte wird zur Grundlage für bessere Perspektiven vor Ort sowie für stabile Geschäfte und verlässliche Lieferbeziehungen über Kontinente hinweg.
Die Sustainable Agricultural Supply Chains Initiative (SASI) setzt sich dafür ein, dass wichtige Agrarrohstoffe verlässlich und nachhaltig beschafft werden können. Dabei blickt sie nicht nur auf den Handel, sondern auch auf die sozialen und ökologischen Herausforderungen in den Herkunftsländern. Gemeinsam mit ihren Partnern übersetzt SASI europäische Standards in konkrete Verbesserungen vor Ort.
Mit Netzwerken in über 60 Ländern verschafft SASI Unternehmen Zugang zu Fachwissen, regionaler Expertise und Marktkenntnis. Das hilft, neue Märkte zu erschließen und Risiken für Investitionen zu verringern.
SASI bringt außerdem zentrale Akteure entlang der Lieferkette an einen Tisch: Unternehmen, Produzent*innenorganisationen, NGOs und Regierungen. Sie unterstützt mit praxisnahem Know-how und digitalen Lösungen – damit Lieferketten rückverfolgbar und nachhaltige Rohstoffe in guter Qualität verfügbar sind, damit Erträge und Einkommen steigen und damit Agrarprodukte ohne Entwaldung erzeugt werden.
Kontakt: Moritz Heldmann