Eine lächelnde Frau mit gelbem Schal steht auf einem schmalen Weg in einem üppig grünen Garten mit vielen Pflanzen und Blumen. Foto: privat

Hallo aus Suva,

mein Name ist Anina Vontobel, ich bin Schweizerin und seit mehr als zehn Jahren bei der GIZ.

Aktuell berate ich mit meinem Team die Regierung auf Fidschi zu einem Thema, das in vielen Ländern wie Zukunftsmusik klingt, aber im Pazifik schon Realität ist: geplante Umsiedlungen von Gemeinden, die von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen sind.

Nach einem Politikstudium, einem zweiten Master in Entwicklungszusammenarbeit und Stationen in Uganda, Kenia und Genf bin ich als Juniorberaterin bei der GIZ in Nepal eingestiegen. Dort half ich, ehemalige Rebell*innen der Maoisten – darunter auch Frauen, Kinder und Jugendliche – wieder in ein ziviles Leben einzugliedern. Es war beeindruckend zu erleben, wie aus anfänglichem Misstrauen langsam Vertrauen und Zusammenhalt entstanden. Frieden entwickelt sich hauptsächlich im Alltag, wenn Menschen wieder Perspektiven schaffen und gemeinsam an ihrer Zukunft arbeiten – so wie eine ehemalige Kämpferin und eine Frau aus der Gemeinde, die sich in der Ausbildung zur Elektrikerin über unser Projekt kennengelernt hatten. Sie gründeten im Anschluss gemeinsam ein Unternehmen.

Nach einer Zwischenstation bei einer Schweizer NGO, für die ich im Norden Sri Lankas kriegsversehrte Frauen dabei unterstützte, neue Einkommensmöglichkeiten aufzubauen, kehrte ich 2016 als Beraterin zur GIZ in Bonn zurück. Dort arbeitete ich drei Jahre an der Schnittstelle von humanitärer Hilfe, Friedensförderung und langfristiger Entwicklung. Kurz bevor ich anschließend in den Sudan ausreiste, begann dort die Revolution. Die Situation war fragil, besonders in der Projektregion Darfur. Oft mussten wir mit Planungen von vorne anfangen, weil sich die Umstände verändert hatten.

Aufgrund der Sicherheitslage und wegen der Covid-19-Pandemie musste ich mein Team mehrmals über längere Phasen von Deutschland aus führen. Diese Zeit hat mir gezeigt, was es bedeutet, mit Unsicherheit umzugehen und dennoch handlungsfähig zu bleiben. Ich habe erlebt, wie wichtig Vertrauen, Eigenverantwortung und ein engagiertes lokales Team sind – insbesondere dann, wenn man selbst nicht vor Ort sein kann.

Fidschi ist ein kleines Land, viele Akteure kennen sich persönlich. Das schafft kurze Wege und großes Vertrauen. Mich beeindruckt sehr, mit wie viel Engagement Ministerien und zivilgesellschaftliche Akteure mit uns an der Weiterentwicklung eines der weltweit ersten staatlichen Systeme für geplante Umsiedlungen im Kontext der Klimakrise arbeiten.

Rückblickend waren die Herausforderungen in den verschiedenen Ländern oft sehr unterschiedlich, die Themen aber ähnlich: Menschen wünschen sich Sicherheit, Perspektiven und die Möglichkeit, ihr Leben selbst gestalten zu können. Die Begegnungen mit den Menschen vor Ort, ihre Geschichten und die kleinen und großen Veränderungen, die daraus entstehen, sind für mich das Schönste an meiner Arbeit.

Moce sota tale!

Anina Vontobel

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