Hallo aus Bonn,
mein Name ist Nana Odoi. Ich leite die Arbeitsgemeinschaft Frieden und Entwicklung, kurz FriEnt. Dieses deutsche Netzwerk bringt staatliche und zivilgesellschaftliche Organisationen, kirchliche Hilfswerke und politische Stiftungen zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass internationale Zusammenarbeit die Welt friedlicher und sicherer macht.
Mein Weg zur GIZ begann vor fast 20 Jahren. Nach einer Station für den Deutschen Entwicklungsdienst in Ghana ging ich für die GIZ nach Nigeria zur ECOWAS, der Wirtschaftsgemeinschaft westafrikanischer Staaten. Dort erlebte ich, wie Westafrika mitten in einem Transformationsprozess steckte: Autokratien wandelten sich zu Demokratien und die Rolle regionaler Organisationen wurde immer wichtiger. Deutschland gehörte zu den ersten Ländern, die Berater*innen an Regionalorganisationen andockten.
Persönlich war die Situation herausfordernd: Ich war Anfang 30, eine Woman of Colour und Zivilistin, umgeben von Polizei- und Militärberatern aus verschiedenen europäischen Ländern. Auch der Bereich Frieden und Sicherheit in der ECOWAS-Kommission war sehr männlich besetzt. Es hat gedauert, bis ich als Beraterin akzeptiert wurde. Aber schließlich hat es funktioniert und die Zusammenarbeit mit den externen Beratern sowie den Kolleg*innen der ECOWAS-Kommission wurde sehr partnerschaftlich und eng.
Diese Erfahrung vertiefte sich, als ich sechs Jahre am Kofi Annan International Peacekeeping Training Centre in Accra arbeitete – mit drei verschiedenen Generälen. Das bedeutete jedes Mal Vertrauen aufbauen, Zusammenarbeit etablieren, sich Gehör verschaffen. Meine Erkenntnis: Gute Partnerschaften sind der Schlüssel zum Erfolg, besonders dann, wenn es holprig wird.
Was Partnerschaften neben Vertrauen noch brauchen? Ehrlichkeit. Kolleginnen und Kollegen von der Afrikanischen Union brachten es vor kurzem klar auf den Punkt: Sie wünschten sich, dass wir offen sagen, welche Interessen wir verfolgen. Genau das ist meine Überzeugung, Interessen müssen auf den Tisch. Wir haben sie schließlich schon immer gehabt. Die Frage ist nur, ob wir ehrlich darüber sprechen. Nicht um sie durchzudrücken, sondern um gleichberechtigte Partnerschaften zu ermöglichen.
Eines der Projekte, die mich am stärksten bewegt haben, war in Uganda. Wir haben in Kooperation mit der ugandischen Regierung, UNHCR und lokalen Communities die Wasserversorgung von der Nothilfe in lokale und nachhaltige Strukturen überführt, um die Geflüchteten aus dem Südsudan, aber auch die lokale Bevölkerung im Norden Ugandas langfristig mit Trinkwasser zu versorgen. Die Skepsis war anfangs groß, aber wir machten weiter. Mit langem Atem, kleinen Schritten sowie sehr viel Abstimmungen und Kompromissen. Mit Erfolg.
Nach vielen Jahren in Afrika kehrte ich nach Deutschland zurück. Ich vertrete jetzt ein Netzwerk, das heißt nicht nur die GIZ, sondern auch alle Mitgliedsorganisationen mit ihren unterschiedlichen Perspektiven, Interessen und Kulturen. Das macht den Job komplex und gleichzeitig unglaublich spannend. Gerade jetzt, in einer Welt, die kräftig in Unordnung geraten ist.
Für viele Länder ist diese Unordnung nicht neu. Aus der Perspektive vieler Staaten im sogenannten Globalen Süden ergeben sich aus den aktuellen Verschiebungen neue Möglichkeiten, andere Gesprächsgrundlagen, neue Gestaltungsräume und neue Handlungsoptionen. Diese Räume müssen auch wir in der Entwicklungszusammenarbeit nutzen. Mit dem Mut, unsere Art der Zusammenarbeit neu zu denken und, wo nötig, radikal zu verändern. Dabei gilt für mich: Neue Räume und Veränderungen müssen immer menschenrechtsbasiert sein und Gerechtigkeit zum Ziel haben.
Viele Grüße!
Nana Odoi