Vier Personen betrachten während eines Trainings ein technisches Gerät

Vernetzte Arbeitsweisen zeigen den Weg

Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts verlangen ganzheitliches Denken. Das verankert die GIZ schon heute in ihrer Strategie. Teams arbeiten über Ländergrenzen hinweg an gesellschaftlicher Transformation und Anpassungen an den Klimawandel. 

In der internationalen Zusammenarbeit stehen wir zunehmend vor komplexen, vielschichtigen Fragestellungen. Sie lassen sich nicht innerhalb eines einzelnen Bereichs, Landes oder Projekts lösen. Dass es dafür übergreifende Ansätze braucht, hat die GIZ früh erkannt.  

Wie Zusammenarbeit Klimaschutz effizient macht

Ein Beispiel ist das Programm Proklima. Es wurde 1995 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung als eines der ersten Klimaschutzvorhaben beauftragt. Proklima entstand als Reaktion auf das Montreal-Protokoll der Vereinten Nationen, das nach der Entdeckung des Ozonlochs 1985 weltweit ozonschädliche Chemikalien verbot.

Die öffentliche Aufmerksamkeit für das Programm war groß. Schnell wurde klar, dass wir für gute Lösungen nicht nur die vielen Auftraggeber, sondern auch zahlreiche Partner aus Fachgebieten wie Gesundheit, Transport, Energie oder auch Ernährungssicherheit zusammenbringen müssen. Um diese Vielfalt effizient zu steuern, haben wir übergreifende Strukturen geschaffen.  

Ein Team am GIZ-Standort in Eschborn mit 20 Mitarbeitenden koordiniert die Proklima-Initiativen weltweit. Steuerung, Finanzen, Kommunikation und Wissensmanagement sind dort gebündelt. Kolleginnen und Kollegen, die etwa in Afrika und Asien an ähnlichen Herausforderungen arbeiten, tauschen sich regelmäßig aus. „Die Herausforderungen sind in unterschiedlichen Ländern oft ähnlich“, sagt Guntram Glasbrenner, Leiter bei Proklima. „Wir prüfen fortlaufend, ob es Schnittstellen gibt.“ 
 

Portraitfoto von Guntram Glasbrenner.

„Die Herausforderungen sind in unterschiedlichen Ländern oft ähnlich. Wir prüfen fortlaufend, ob es Schnittstellen gibt.“

Guntram Glasbrenner

Risiken mindern, um Katastrophen zu verhindern

Zwei Einsatzkräfte in orangefarbener Schutzkleidung und Helmen stehen mit Schaufel und einem motorbetriebenen Gebläse auf einer Wiese.
Zwei Mitglieder des Zivilschutzes von Cartagena de Chairá, Kolumbien, während der Fachausbildung zur Prävention und Bekämpfung von Waldbränden.

Ein weiteres Beispiel für vernetztes Arbeiten ist die Globale Initiative Katastrophenrisikomanagement (GIKRM). Die Initiative ist in Asien, Afrika, im Kaukasus und in Lateinamerika aktiv. Dort sind Menschen zunehmend von Naturereignissen wie Erdbeben, Stürmen, Dürren und Überschwemmungen betroffen. Die Auswirkungen dieser Ereignisse bedrohen Entwicklungserfolge, zum Beispiel bei der Armutsbekämpfung, beim Klimaschutz, bei der Friedensförderung oder beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das Ziel der GIKRM ist es, dass Entwicklungsfortschritte und die darin investierten Ressourcen nicht durch Katastrophen verloren gehen. Dafür integriert sie ein umfassendes Risikomanagement systematisch in Entwicklungsprojekte. 

In der Vergangenheit wurden diese Risiken oft nicht systematisch bedacht. Das ändert die GIKRM. „Wir arbeiten an einem Wandel im Denken: weg vom bloßen Reagieren auf Katastrophen, hin zur Prävention von Risiken. Wir wollen in unseren Projekten ein Risikoverständnis schaffen, das in alle Planungsprozesse integriert wird – sowohl innerhalb unserer Projekte, aber auch bei unseren Partnern“, sagt Projektleiterin Jacqueline Begerow.

GIKRM ist ein Vorbild für den Übergang zu ganzheitlichen Ansätzen. Je mehr Einzelfälle die Mitarbeitenden analysierten, desto klarer zeigten sich Muster und gemeinsame Fragen. Wurden lokale Behörden für Katastrophenschutz mit ihrem Wissen in die Entwicklungs­planung einbezogen? Welche Daten zu Katastrophenrisiken stehen überhaupt zur Verfügung? Schnell wurde klar: Prävention erfordert, dass Katastrophen­risiken von Beginn an bei Projekten, auch etwa bei der Nutzung von Wasser, der Stadt­ent­wicklung oder öffentlichen Investitionen, mitgedacht werden müssen. Gerade in diesen Bereichen bietet die umfassende Bewertung von Risiken großes Potenzial, um die Wirksamkeit und Nachhaltig­keit der Projekte weiter zu stärken. Mit dieser Erkenntnis suchte GIKRM gezielt nach Projekten, die mögliche Berührungs­punkte mit dem Katastrophen­risiko­management hatten. Heute arbeiten viele GIZ-Mitarbeitende dieser Projekte in geteilten Stellen, sowohl für GIKRM als auch für andere Vorhaben. 

Dieses Modell funktioniert. Um Anknüpfungs­punkte leichter zu erkennen, werden Länderportfolios gezielt auf mögliche Synergien geprüft. Nach mehreren Überflutungen in Pakistan beteiligten sich beispielsweise die Kolleg*innen vor Ort und Risikoexpert*innen von GIKRM an der Planung von zwei neuen Projekten. Neun Mitarbeitende aus Pakistan arbeiten nun zum Teil auch bei GIKRM. Ihre Aufgabe ist es, Katastrophen­risiko­management in ihre Projekte und in ihre Partner­ministerien zu tragen. Andererseits sorgen sie mit ihrer Fach-, Prozess- und Länderkompetenz dafür, dass GIKRM die Bedarfe vor Ort besser erkennt und unterstützen kann. 

Starke Allianzen und Standards für alle

Grafik: Ein Kühlschrank, neben dem eine Schneeflocke schwebt.
100 %
der Kühlschränke in der EU und 70 Prozent weltweit laufen inzwischen vollständig mit natürlichen Kältemitteln. 

Bei langfristigen Vorhaben ist die Zusammenarbeit auf Beständigkeit ausgelegt. Daraus entstehen stabile Allianzen mit gemeinsamen Zielen. Das ist gut so, denn die großen Herausforderungen unserer Zeit betreffen alle. Es braucht sinnvolle globale Lösungen, zu denen alle Akteure einen Beitrag leisten können.  

Im Fall umweltfreundlicher Kühlschränke kam die Lösung aus Deutschland. Eine Firma aus dem Erzgebirge experimentierte bereits zu DDR-Zeiten mit natürlichen Kältemitteln, weil bestimmte Chemikalien nicht zugänglich waren. Anfang der 1990er Jahre entwickelten Ingenieure den ersten FCKW-freien Kühlschrank der Welt. Eine Lösung, die den Markt revolutionierte und der Welt heute eine Menge Emissionen erspart. Proklima baute ein Netzwerk mit mehr als 200 Partnern auf, um diese grüne Technologie global zu verbreiten. 

Proklima arbeitet außerdem seit Jahrzehnten mit Nationalen Ozoneinheiten zusammen, die auf Länderebene die Programme zur Einhaltung des Montreal-Protokolls verwalten. Mit ihnen entwickelte Proklima zum Beispiel neue Mindeststandards für Energieeffizienz. Das Vorhaben unterstützt zudem deutsche Mittelständler beim Markteintritt im Ausland, um dort das in Deutschland vorhandene Know-how in der Kältetechnik zu nutzen. Ein weiterer wichtiger Baustein ist, die Ausbildungssysteme für Kältetechnik zu verbessern. Über 600.000 Technikerinnen und Techniker lernten, wie sie Lecks vermeiden, Energieeffizienz verbessern und klimafreundliche Kältemittel einsetzen können. Zahlreiche Trainingsinstitute erhielten moderne Ausstattung und Lehrpläne wurden ergänzt.  

GIKRM pflegt Allianzen mit zahlreichen UN-Institutionen. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) unterstützt GIKRM seit Jahren bei der Umsetzung und setzt sich als multilateraler und politischer Partner zusammen mit dem Vorhaben dafür ein, dass internationale Zusammenarbeit risikoinformierter gestaltet wird.  

Ein wesentliches Instrument dafür sind die skalierbaren Standardlösungen, die GIKRM entwickelt hat. Acht Leistungsangebote („technical offers“) mit Checklisten und Handlungsempfehlungen bündeln das gesammelte Wissen aus 13 Jahren. Damit können Katastrophenrisiken künftig bei neuen Projekten von Beginn an bedacht werden – GIZ-intern wie -extern.  

Portraitfoto von Ronald Jackson

„Die Zusammenarbeit mit der GIZ im Rahmen der Globalen Initiative Katastrophenrisikomanagement (GIKRM) hat uns gezeigt, wie wertvoll es ist, wenn eine Partnerschaft politische Strategien in konkrete Programme übersetzt und dazu beiträgt, auf lokaler Ebene fundiertere Entscheidungen zu treffen.“

Ronald Jackson
Grafik: Eine Hand, auf der CO2 steht, mit Ökostrom-Stecker unter einem Regenschirm.
Über 120
Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente

wurden durch die Arbeit der GIZ für den Einsatz natürlicher Kältemittel eingespart. Das entspricht den jährlichen Emissionen von mehr als 30 Kohlekraftwerken. 

Vernetztes Arbeiten erzielt große Wirkung

Die Beispiele belegen: Wer komplexe Herausforderungen umfassend angeht, erzielt größere Wirkung. Proklima trägt zu 15 der 17 Nachhaltigkeitsziele bei. Durch die Arbeit der GIZ für den Einsatz natürlicher Kältemittel wurden mehr als 120 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente eingespart. Das entspricht den jährlichen Emissionen von mehr als 30 Kohlekraftwerken. 60 Länder haben wir bisher dabei unterstützt, klimafreundliche Kühltechnik mit natürlichen Kältemitteln einzuführen.  

Bei GIKRM liegt die Wirkung in einem gewachsenen Bewusstsein für Katastrophenrisiken und in standardisierten Checklisten, die künftig zur DNA aller Projekte gehören werden. So werden die Erfolge der GIZ – und die Investitionen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit – davor geschützt, von Naturgefahren zerstört zu werden.

Auch Einzelinitiativen der GIZ-Risikomanager*innen können weit reichen. In Textilfabriken in Bangladesch schützen auf Anregung von GIKRM nun Werksfeuerwehren die Näher*innen. Die Philippinen sind sicherer, weil Hotelmitarbeitende durch Trainings auf den Katastrophenfall vorbereitet sind, und im kolumbianischen Amazonasgebiet sind die Menschen dank GIKRM besser vor Waldbränden geschützt.

Mit vernetzten Strukturen, gebündelter Expertise und stabilen Allianzen setzt die GIZ Vorhaben um, die wirken – in Deutschland, Europa und in Partnerländern weltweit. Das schafft Synergien, beschleunigt die Umsetzung und macht uns wettbewerbsfähig in Zeiten internationaler Umbrüche.

Die GIZ arbeitet weltweit – für dieses Vorhaben hier: Passende Expertise der GIZ: Relevante nachhaltige Entwicklungsziele (SDGs):
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