© GIZ/Yonas Tadesse

26.04.2022

Äthiopien: Innovative Anbaupraktiken sichern regionale Versorgung

Viele Staaten sind abhängig von den Getreideimporten aus der Ukraine. Durch den Krieg stehen nun vor allem die ärmeren Länder vor einer Hungersnot. Innovative Ansätze sind gefragt.

Russland und die Ukraine bedienen zusammen rund 20 Prozent der Mais- und 30 Prozent der Weizen-Exporte weltweit. Damit hat der Ukraine-Krieg globale Auswirkungen: Er treibt nicht nur die Energiepreise nach oben, auch Nahrungsmittel sind deutlich teurer geworden. Die Produktion in der Ukraine ist zusammengebrochen, Lieferketten sind gestört.

Experten rechnen mit besonders schweren Folgen für die ärmsten Menschen etwa in Afrika, die den größten Teil ihres Einkommens für Essen ausgeben. Gerade Länder wie Libyen oder Äthiopien hängen von Getreideimporten ab. Letzteres importiert derzeit gut ein Viertel seines Weizenbedarfs aus der Ukraine. Der Konflikt und die gestörten Lieferketten stellen das Land vor neue Herausforderungen und erfordern ein Umdenken in der Landwirtschaft.

Regionale Versorgung für 115 Millionen Menschen   

Bereits seit Jahren plant die äthiopische Regierung, die Produktivität im Land zu vergrößern und damit unabhängiger von Getreideimporten zu werden. Die regionale Versorgung mit Weizen soll bis Ende 2023 vollkommen autark sein, das heißt die 115 Millionen Einwohner*innen des Landes versorgen. Im Auftrag des Bundesentwicklungsministeriums (BMZ) unterstützt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das äthiopische Landwirtschaftsministerium dabei, dieses Ziel zu erreichen.

Im Rahmen der „Grünen Innovationszentren“ gibt die GIZ beispielsweise Trainings zu nachhaltigeren Anbautechniken, berät zu Wirtschaftlichkeit und versorgt die kleinbäuerlichen Betriebe mit hochwertigem Saatgut.

Innovativ: Getreideanbau auf Wasser

Das Landwirtschaftsministerium hat im letzten Jahr auf einer Fläche eineinhalb Mal so groß wie das Saarland ein Pilotprojekt zur Weizenproduktion ins Leben gerufen. Die GIZ unterstützt die Initiative mit Schulungen und Beratung zu innovativen und nachhaltigen Anbaumethoden. Gemeinsam mit dem Agrarforschungsinstitut CIMMYT erprobt sie im Auftrag des BMZ seit 2021 den Anbau von Weizen mit verschiedenen Anbau- und Bewässerungstechniken. Dieser Weizen gedeiht auch in der Trockenzeit und ermöglicht so eine zweite Erntesaison. Durch bessere Techniken und angepasstes Saatgut erhält der Boden ausreichend Nährstoffe. Das trägt zur Qualität des Getreides bei, erhöht die Erträge und laugt die Böden dabei nicht aus. Im Rahmen der Testphase hat das Innovationszentrum auch 143 Jungbauerngruppen in nachhaltigen Anbau- und Bewässerungsmethoden geschult. Sie haben dieses Jahr während der Trockenzeit knapp 120 Tonnen Weizen auf 43,5 Hektar Fläche produziert.

Auch die Ernte des staatlichen Pilotprojekts kann sich sehen lassen: Über eine Millionen Tonnen zusätzlicher Weizen wurden auf 400.000 Hektar erwirtschaftet. Kommendes Jahr soll das Areal auf eine Million Hektar anwachsen. Die geplanten 3,5 Millionen Tonnen zusätzliche Produktion entsprechen grob der Menge, die nötig ist, um unabhängig von Weizenimporten aus Ländern wie der Ukraine zu werden und das Ziel Äthiopiens zu erreichen.