Windenergie – Angewandte Forschung und Ausbildung (II)

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Windenergie – Angewandte Forschung und Ausbildung, Phase II
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Politische Träger: Ministry of Education of the People’s Republic of China (MoE), State Grid Corporation of China (SGCC), China Guodian Corporation (Guodian)
Land: China
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2014

Ausgangssituation
Kohle ist in China die wichtigste Energiequelle. Rund 80 Prozent des Stroms werden in Kohlekraftwerken erzeugt. Seit der Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes 2006 versucht die chinesische Regierung, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu durchbrechen. Anfang 2010 setzte sich China im Zuge der internationalen Klimaverhandlungen offiziell das Ziel, bis 2020 15 Prozent des Primärenergieverbrauchs durch nicht fossile Energieträger zu decken. Ab 2005 wurden Windparks mit einer Kapazität von 1,3 Gigawatt (GW) Leistung errichtet, bis Ende 2012 betrug die gesamte ans Netz angeschlossene Windenergie-Leistung rund 63 GW.

Wegen des unkoordinierten Netzausbaus werden jedoch nur etwa zwei Drittel der neu installierten Windparks rechtzeitig ans Netz angeschlossen. Windparkplanung, Netzanbindung und -integration sowie Betrieb und Wartung der Turbinen stellen die chinesischen Energieversorgungsunternehmen und Netzbetreiber vor große technische, regulative und personelle Herausforderungen, die den nachhaltigen Erfolg der Windenergie in China gefährden.

Ziel
Die Rahmenbedingungen für den nachhaltigen Ausbau und die effiziente Nutzung der Windenergie in China sind verbessert. Ausgewählte Schlüsselinstitutionen und Multiplikatoren haben Kompetenzen in technischen und regulativen Fragen aufgebaut. Es gibt Curricula und eine standardisierte Aus- und Fortbildung für Windenergie-Servicetechniker. Die Netzintegration von erneuerbaren Energien und die effiziente Planung, der Bau und Betrieb von Windparks werden in Workshops und Fachdialogen gefördert.

Vorgehensweise
Das Vorhaben befasst sich vorrangig mit vier Arbeitsfeldern:

  1. Politische Beratung zu erneuerbaren Energien und Führungskräfte-Dialog
  2. Angewandte Forschung und Fortbildung im Bereich Netzintegration von Windenergie
  3. Fortbildung von Windenergie-Servicetechnikern und angewandte Forschung im Windpark-Management, in Betrieb und Wartung von Windkraftanlagen
  4. Curriculumentwicklung, Pilotierung und Standardisierung der Fachausbildung für Windenergie-Servicetechniker (an Berufscolleges)

Mit Workshops und Seminaren für energiepolitische Entscheidungsträger, Vertreter der Wissenschaft, einflussreiche Verbände und Institutionen fördert das Vorhaben den deutsch-chinesischen Austausch zu Schlüsselthemen der nachhaltigen Nutzung erneuerbarer Energien, zum Beispiel regulative Rahmenbedingungen für die Netzintegration erneuerbarer Energien.

In Zusammenarbeit mit dem China Electric Power Research Institute (CEPRI) finden Trainings zur Windparkplanung, Windleistungsvorhersage, Messtechnik und -methodik sowie Netzintegration statt. Diese werden durch Studienreisen und Workshops ergänzt. Die Teilnehmer kommen aus Energieversorgungsunternehmen (EVU) und von Windpark- und Netzbetreibern.

Die China Longyuan Power Group Corporation Limited (CLYPG) erhält Unterstützung beim Aufbau eines neuen Trainingszentrums für die Fortbildung von Windenergie-Servicetechnikern. Dieser Prozess wird mit Trainings zur fachlichen, didaktischen und organisatorischen Konzeption begleitet. Das Suzhou Longyuan Bailu Wind Power Training Center erhält Fachberatungen, um sein in der ersten Phase entwickeltes Ausbildungsangebot für Betriebs- und Wartungstechniker weiter auszubauen. Veranstaltungen zum Fachaustausch und Fachtrainings für Ingenieure von CLYPG und anderen Windparkbetreibern tragen dazu bei, den Wissensbedarf der Windparkbetreiber zu decken.

Zusammen mit dem Ministry of Education wird die (Weiter-) Entwicklung und Standardisierung eines Curriculums für die Fachausbildung bzw. Spezialisierung „Windenergie-Servicetechniker“ unterstützt. Ausgewählte Einrichtungen der höheren Berufsbildung (Berufscolleges) nehmen an einem Pilotprogramm zur Umsetzung einer praxisnahen Ausbildung in Anlehnung an deutsche Erfahrungen teil. Zu den Maßnahmen gehören fachliches und didaktisches Training von Lehrkräften, Kompetenzbildung von Rektoren und Managementpersonal sowie die Definition und Kontrolle von Qualitätsstandards für die Aus- und Fortbildung.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde
Netzbetreiber, Energieversorgungsunternehmen und politische Entscheidungsträger in China wurden darin unterstützt, den Ausbau der Windenergie effizienter zu gestalten, und so den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix zu erhöhen.

Bisher hat das Vorhaben erreicht, die Akteure im Windenergiesektor stärker zu vernetzen. Das Verständnis der Partner für die Belange der jeweils anderen Seite ist gewachsen, damit ist eine gute Basis für eine produktive Zusammenarbeit gelegt. Mit der zweiten Phase (2010 bis 2014) sind das Ministry of Education und die Berufscolleges als Institutionen der Berufsbildung für Windenergie-Anlagen-Servicetechniker hinzugekommen. Die Colleges sind nun besser untereinander und mit den Windparkbetreibern und Verbänden vernetzt. So arbeiten fünf Colleges gemeinsam an einem Curriculum und bringen dabei ihre Erfahrungen aus fortgeschrittenen Ausbildungsgängen ein.

Kontakt

Sandra Retzer
sandra.retzer@giz.de