Jugendlichen durch gute Ausbildung Zukunftsperspektiven bieten

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der Beruflichen Bildung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Bildungsministerium / Vizeministerium für berufliche Bildung
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2020

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Ausgangssituation

Schätzungsweise 3,3 Millionen Jugendliche sind in Afghanistan alt genug, um eine Berufsausbildung zu beginnen. Laut einer Studie der Asia Foundation benennen über 70 Prozent der afghanischen Jugendlichen Arbeitslosigkeit als ihr größtes Problem. Für eine qualitativ hochwertige Berufsbildung reichen jedoch die staatlichen Kapazitäten nicht. Zudem können nur wenige Familien darauf verzichten, dass ihre heranwachsenden Kinder zum Familieneinkommen beitragen. Junge Frauen haben es aufgrund soziokultureller Vorbehalte noch schwerer, einen Beruf zu erlernen oder auszuüben. Während rund 1 Million Jugendliche im Alter von 15 bis 19 Jahren eine allgemeinbildende Schule besuchen, machen nur 56.000 junge Erwachsene eine formale theorielastige schulische  Berufsausbildung.

Im Jahr 2017 unterrichteten in den landesweit knapp 300 staatlichen Berufsschulen rund 2.700 Lehrkräfte die Jugendlichen. Doch den meisten Lehrkräften fehlt die berufliche Fachpraxis. Die Lehrpläne und Prüfungen sind uneinheitlich. Zudem sind die Berufsschulen schlecht ausgestattet und arbeiten nicht mit der Wirtschaft zusammen. Das hat zufolge, dass die Jugendlichen eine formale Berufsausbildung abschließen, ohne für ihren Beruf wirklich handlungsfähig zu sein.

Geschätzte 20 bis 30 Prozent der Jugendlichen durchlaufen ohne Unterstützung von Staat und Gesellschaft eine traditionelle Berufsausbildung in den Betrieben der informellen Wirtschaft. Diesen Berufsanfängern fehlt häufig das moderne technische Hintergrundwissen, um Arbeiten zielgerichtet und effizient durchzuführen.

Weitere etwa 50 Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren haben nie eine Schule besucht oder die Schule abgebrochen und sind als Tagelöhner oder Straßenhändler tätig.

Ziel

Durch eine stärkere zielgruppenspezifische Orientierung am Arbeitsmarkt und an für die Wirtschaft relevante Ausbildungsaspekte verbessert das afghanische Bildungssystem die Zukunftsperspektiven von Jugendlichen. Die Leitungs- und Steuerungsstrukturen des verantwortlichen Vizeministeriums für Berufliche Bildung (DM TVET) sind verbessert.

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Vorgehensweise

Gemeinsam mit dem Vizeministerium für berufliche Bildung (DM TVET) erarbeitet das Projekt Aus- und Weiterbildungen für Lehrkräfte, Berufsabschlussprüfungen sowie Ausbildungsberufe, die sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren. Die Neuerungen werden an 51 Pilotschulen erprobt. Den Pilotschulen stellt das Projekt die notwendige Ausstattung für die praktische Ausbildung zur Verfügung gestellt. Durch Schulungen verbessern die Beschäftigten des Vizeministeriums – unter Einbindung der Schulaufsicht auf Provinzebene – ihre Verwaltungs- und Managementfähigkeiten.

An vier Pilotschulen bekommen Lehrlinge, Gesellen und Betriebsinhaber des informellen Sektors Zugang zu moderner Technik und zeitgemäßem Wissen. Lehrlingen mit Abschluss der Klasse neun wird eine dreijährige betriebsbegleitende Schulbildung angeboten, den Teilnehmende mit einem der vollschulischen Berufsausbildung gleichwertigen Abschluss beenden können.

Ustad Shagerdi Apprentice Exam Day in Kabul

Wirkungen

2017 haben mehr als 9.000 Auszubildende – davon 25,4 Prozent Frauen – bei afghanischen Unternehmen ein vierwöchiges Betriebspraktikum absolviert. Pädagogische und fachpraktische Trainingslinien für Lehrkräfte an Pilotschulen wurden weiterentwickelt. Diese kamen von 2014 bis 2017 fast 8.000 Lehrkräften zugute. Die dafür benötigten Master Trainer wurden im Vorfeld entsprechend qualifiziert: Bis 2017 wurden 83 Mastertrainierende (circa 20 Prozent Frauen)  im Rahmen von Seminaren geschult.

Um angestoßene Veränderungsprozesse besser nachhalten und die Funktionalität der Berufsschulen in Teilbereichen verbessern zu können, wird seit Ende 2014 in allen 34 Provinzen intensiv mit der für Berufsbildung zuständigen Schulaufsicht auf Provinzebene gearbeitet. Gestärkt in ihrer Funktion durch insgesamt acht Trainings konnte ein gemeinsames Konzept zur Qualitätssicherung auf Schulebene entwickelt werden. Das Konzept wird für Monitoring und Evaluierungszwecke genutzt. Dies betrifft Bereiche wie Gebäudemanagement, Budgetierung und Gebrauchsgüterbeschaffung. Eng verzahnt mit den von der Schulaufsicht bearbeiteten Problemstellungen wurden außerdem acht Fortbildungen mit den die Leitenden der 51 Pilotschulen durchgeführt.

2011 hat das erste Ausbildungszentrum für Berufsschullehrkräfte in Kabul seinen Betrieb aufgenommen, 2012 eröffnete in Mazar-i-Sharif ein weiteres. An beiden Standorten haben sich bis 2017 knapp 3.400 Studierende eingeschrieben, davon sind knapp 39 Prozent weiblich. 2016 haben 370 Studierende, darunter rund 47 Prozent Frauen, ihre Ausbildung abgeschlossen.

Das 2014 zwischen dem Vizeministerium, der afghanischen Handwerkskammer und dem Projekt unterzeichnete Abkommen zur Modernisierung der traditionellen Lehrlingsausbildung ermöglicht mehr als 500 Lehrlingen im zweiten Jahr den Berufsschulunterricht. Basierend auf den ersten Erfahrungen wurde ab 2017 ein institutionalisierter Ansatz an vier Pilotschulen erprobt, den die afghanische Regierung ab 2018 landesweit umsetzen möchte. Damit wird der Beitrag der informellen Wirtschaft zur Berufsausbildung erstmals gesamtgesellschaftlich anerkannt und für den Aufbau des Berufsbildungssystems in Wert gesetzt.