Gute Ausbildung schafft Zukunftsperspektiven für Jugendliche

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der Beruflichen Bildung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Afghanische Berufsbildungsbehörde (TVET Authority)
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2022

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Ausgangssituation

In Afghanistan leben ca. 3,2 Millionen junge Menschen, die eine formale Berufsausbildung machen könnten. Während rund eine Millionen der 15- bis 19-Jährigen eine allgemeinbildende Schule besuchen, nehmen nur 65.000 an einer formalen vollschulischen Berufsausbildung teil. Etwa 2,2 Millionen Jugendliche werden direkt auf ihren Arbeitsplätzen informell qualifiziert.

Rund 20 Prozent der Jugendlichen durchlaufen ohne Unterstützung des Staates eine traditionelle, etwa dreijährige Lehre in der informellen Wirtschaft. Etwa weitere 50 Prozent der Jugendlichen im Alter von 15 bis 19 Jahren haben nie eine Schule besucht oder die Schule abgebrochen. Sie sind als Tagelöhner oder Straßenhändler tätig. Auch sie werden maximal ein Jahr am Arbeitsplatz qualifiziert. Besonders schwierig ist die Ausbildungssituation für junge Frauen. Etwa 80 Prozent von ihnen haben keinen Zugang zu einer Berufsausbildung. 
So fehlt Berufsanfänger*innen häufig das theoretische Hintergrundwissen, um Arbeiten zielgerichtet und effizient durchzuführen.

Die afghanische Regierung hat damit begonnen, die Defizite dieser Ausbildungen mit ausbildungsbegleitendem Berufsschulunterricht für Lehrlinge zu ergänzen. Die Kombination aus Theorie und Praxis fördert die Beschäftigungsfähigkeit der Jugendlichen.

Ziel

Das afghanische Berufsbildungssystem verbessert die Beschäftigungsfähigkeit von Jugendlichen durch Berufsschulunterricht, der die Schwächen betrieblicher Ausbildungen ausgleicht.

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Vorgehensweise

Gemeinsam mit der Berufsbildungsbehörde (TVET-A) erarbeitet das Vorhaben Aus- und Weiterbildungen für Lehrkräfte, Berufsabschlussprüfungen sowie Ausbildungsberufe, die sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren. Die Neuerungen werden an 66 Pilotschulen erprobt. Diesen Pilotschulen wird die notwendige Ausstattung zur Verfügung gestellt, um die betriebliche Praxis in der Ausbildung zu ergänzen. Die Beschäftigten der TVET-A und der lokalen Schulaufsicht erhalten zudem Trainings, um ihre Verwaltungs- und Managementfähigkeiten zu verbessern.

Die schrittweise Modernisierung der traditionellen Lehrlingsausbildung ist bereits auf dem Weg: Ausgewählte Pilotschulen in 16 Provinzen bieten Zugang zu moderner Technik und zeitgemäßem Wissen für Lehrlinge der informellen Wirtschaft. Dazu zählen nahezu 90 Prozent der afghanischen Betriebe. Lehrlingen mit Abschluss der Klasse 9 wird ein dreijähriger, die betriebliche Ausbildung begleitender, Berufsschulunterricht angeboten. Der Abschluss dieser Ausbildung ist dem Abschluss der vollzeitschulischen Berufsausbildung gleichgestellt.

Die Kombination aus Arbeiten und begleitendem Berufsschulunterricht soll zudem analphabetischen jungen Frauen und Männern ermöglicht werden. Besonders für junge Frauen sollen Berufsbildungsangebote geschaffen werden. Ein weiteres Handlungsfeld ist die Entwicklung von Ausbildungsmöglichkeiten für Handwerker*innen auf Meisterniveau, sowie für Ingenieur*innen auf Fachhochschulniveau.

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Wirkungen

  • Vom Vorhaben initiierte und durchgeführte Studien zur Analyse von Berufsbildungspraktiken und -traditionen in Afghanistan bilden die Basis für die im November 2019 verabschiedete Berufsbildungsstrategie 2019-2023.
  • Eigens ausgebildete Schulinspektor*innen haben einen Qualitätsrahmen für die Analyse, Bewertung und Unterstützung von Berufsschulen entwickelt. Bisher wurden 20 Schulen evaluiert.
  • 51 Berufsschulen wurden bereits neu ausgestattet und fünf komplett saniert. Derzeit werden 17 Berufsschulen renoviert, bis Ende 2020 sollen es insgesamt 30 sein.
  • 2018 wurden acht reformierte und arbeitsmarktorientierte Lehrpläne für den Schulunterricht der Klassen 10-12 von der TVET-A genehmigt. Ingesamt wurden sieben Lehrpläne für den ausbildungsbegleitenden Lehrlingsunterricht entwickelt in den Fächern KFZ-Technik, Elektrotechnik, Elektronik, Metallbearbeitung, Schneiderhandwerk, Kosmetik und seit 2019 auch Einzelhandel.
  • 2019 schlossen die ersten 100 Lehrlinge den dreijährigen ausbildungsbegleitenden Unterricht ab. Knapp 2.000 Lehrlinge, davon 23 Prozent Frauen, erhalten aktuell Unterricht an 27 Berufsschulen. Bis Ende 2021 wird an 45 Berufsschulen ausbildungsbegleitender Unterricht für 4.200 Lehrlinge angeboten.
  • Bis 2018 wurden 28 Master-Trainer*innen qualifiziert, die bereits 13.222 Lehrkräfte (Mehrfachzählungen) weitergebildet haben.
  • Im Zeitraum 2012 bis 2018 haben 43.433 Jugendliche ein vierwöchiges Betriebspraktikum in 3.458 (Mehrfachzählungen) afghanischen Unternehmen absolviert.
  • 2018 bestanden 142 Schulverwaltungsbeamte Abschlusstests von 15 Weiterbildungsmaßnahmen. Diese tragen nun dazu bei, das Management der Berufsschulen zu verbessern.

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