Förderung der beruflichen Bildung

Programmkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Förderung der beruflichen Bildung in Afghanistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Vizeministerium für berufliche Bildung; Bildungsministerium
Gesamtlaufzeit: 2010 bis 2017

Ausgangssituation
Der Aufbau eines flächendeckenden Berufsbildungssystems ist Teil der Modernisierungsstrategie Afghanistans. In den landesweit 250 Berufsschulen unterrichteten im Jahr 2014 rund 2.700 Lehrkräfte etwa 90.000 der etwa 1,7 Millionen Jugendlichen im berufsbildungsfähigen Alter. Den meisten Lehrkräften fehlt die Fachpraxis der Berufe, Lehrpläne und Prüfungen sind uneinheitlich. Zudem sind die Berufsschulen schlecht ausgestattet und eine Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist nicht etabliert. Sehr viele Jugendliche schließen daher die formale Berufsausbildung ab, ohne für ihren Beruf wirklich handlungsfähig zu sein.

Ohne Unterstützung von Staat und Gesellschaft bilden die afghanischen Kleinbetriebe im informellen Sektor etwa 600.000 Jugendliche auf traditionelle Weise erfolgreich aus. Diesen Berufsanfängern fehlt jedoch häufig das moderne technische Hintergrundwissen ihrer Berufe, um Arbeiten zielgerichtet und effizient durchführen zu können. Hinzu kommt etwa eine Million Jugendliche, die nie eine Schule besucht haben oder sie vorzeitig verlassen mussten. Auch sie gilt es in das Berufsbildungssystem zu integrieren.

Um die gesamte Zielgruppe zu erreichen, braucht das Land rund 1.000 Berufsschulen und etwa 70.000 Lehrkräfte, die praxisnah und nach einheitlichen Standards ausbilden.

Ziel
Ein an die Bedarfe der Wirtschaft und die verschiedenen Zielgruppen angepasstes Berufsbildungssystem ist pilothaft eingeführt.

Vorgehensweise
Das Projekt unterstützt das Vizeministerium für berufliche Bildung beim Aufbau eines leistungsfähigen formalen Berufsschulsystems. Gemeinsam werden Aus- und Weiterbildungen für Lehrkräfte, Berufsabschlussprüfungen sowie Ausbildungsberufe, die sich an den Bedürfnissen der Wirtschaft orientieren, erarbeitet und in einem System aus 50 Pilotschulen landesweit implementiert und erprobt. Mitarbeitende des Vizeministeriums werden zudem darin geschult, ihre Verwaltungs- und Managementfähigkeiten zu verbessern, um ihre Aufgaben professioneller wahrzunehmen. Den Pilotschulen stellt das Projekt die notwendige Ausstattung für die praktische Ausbildung zur Verfügung.

Gemeinsam mit dem Vizeministerium und der afghanischen Handwerkskammer werden Ansätze entwickelt, die Lehrlingen, aber auch Gesellen und Betriebsinhabern des informellen Sektors, Zugang zu moderner Technik und zeitgemäßem Wissen verschaffen sollen.

Um Analphabeten und Schulabgänger zu erreichen, konzipiert das Consultingunternehmen GFA im Auftrag des Vorhabens Berufsbildungsangebote und erprobt sie an ausgewählten Berufsschulen und Einrichtungen auf Kommunalebene.

Wirkungen
Insgesamt sind bislang 6 neue gewerblich-technische Ausbildungsberufe entstanden. Etwa 18.829 Jugendliche (23,4 Prozent Frauen) werden derzeit an 35 Berufsschulen darin ausgebildet. 2014 haben 6.658 Auszubildende (22,2 Prozent Frauen) aus den 50 Pilotschulen bei 577 afghanischen Unternehmen ein vierwöchiges Betriebspraktikum absolviert.

2011 hat das erste Ausbildungszentrum für Berufsschullehrkräfte in Kabul seinen Betrieb aufgenommen, 2012 eröffnete in Mazar-e-Sharif ein weiteres. An beiden Standorten absolvieren derzeit rund 1.427 Studierende (38,8 Prozent Frauen) die fünfsemestrige Berufsschullehrerausbildung. 9.949 bereits tätige Lehrkräfte (20 Prozent Frauen) wurden in den letzten drei Jahren berufspädagogisch oder fachlich fortgebildet.

Zwei nationale Berufsbildungsmessen lockten insgesamt 15.000 Besucher an. Am Kongress „Berufliche Bildung in öffentlicher Verantwortung“ nahmen 250 Vertreter aus Ministerien und Gemeinden teil. Die Veranstaltungen dienten der Information der interessierten Öffentlichkeit, zudem wurden Eltern und Jugendlichen Perspektiven für das Berufsleben aufgezeigt.

2014 wurde zwischen dem Vizeministerium, der afghanischen Handwerkskammer und dem Projekt ein Abkommen zur Modernisierung der traditionellen Lehrlingsausbildung unterzeichnet. Bis 2016 werden 3.000 Lehrlinge der informellen Wirtschaft die Möglichkeit haben, ausgewählte Berufsschulen zu besuchen.

Bis 2016 sollen 1.500 jugendliche Analphabeten mit auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten beruflichen Aus- und Weiterbildungen erreicht werden.

Kontakt

Gustav Reier
gustav.reier@giz.de