Zugang zu Trinkwasser

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Programm zur Verbesserung der Wasserversorgung
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( BMZ)
Land: Afghanistan
Politischer Träger: Afghanisches Ministerium für Städtebau; Afghanisches Ministerium für Energie und Wasser; Städtische Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Afghanistans
Gesamtlaufzeit: 2008 bis 2018

Afghanistan. Kinder füllen ihre Wasserbehälter an einer öffentlichen Wasserzapfstelle in Kart-e-Naw, Kabul. © GIZ

Ausgangssituation

Eine geregelte Versorgung mit qualitativ hochwertigem Trinkwasser – für die meisten Menschen in Afghanistan ist dies bis heute ein Wunschtraum. Nur jeder zehnte Einwohner der Hauptstadt Kabul und nur jeder fünfte in den Provinzhauptstädten ist an das marode Trinkwassersystem angeschlossen. Die ländliche Bevölkerung ist auf Brunnen, fließende Gewässer oder die Versorgung über Wassertankwagen angewiesen. Es fehlen neue Leitungsnetze, alte bedürfen der Instandhaltung, denn bis zu 40 Prozent des Wassers gehen durch Leckagen verloren.

Die verfügbaren Wasserressourcen nutzt das Land oftmals unsachgemäß und Vorkehrungen zu deren Schutz fehlen bislang. Obwohl Afghanistan mit einer Neuordnung des Wassersektors begonnen hat, sind die angestrebte Dezentralisierung, die Betreiberautonomie und der Ressourcenschutz nicht umgesetzt.

Ziel

Die nachhaltige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in den städtischen Zentren ist aufgebaut, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen sind geschaffen und die afghanischen Institutionen betreiben die Wasserinfrastruktur eigenständig und bauen sie weiter aus.

Vorgehensweise

Die KfW Entwicklungsbank sorgte für den Aufbau der Wasserinfrastruktur, das Projekt arbeitet mit den afghanischen Institutionen daran, die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung bedarfsorientiert zu betreiben und auszubauen.

Mit den für die Wasserpolitik zuständigen Ministerien, besonders dem Ministerium für Energie und Wasser, erarbeitet das Projekt Grundsatzentscheidungen zur Wasserpolitik und unterstützt das Ministerium dabei, diese in die Tat umzusetzen.

Das Projekt berät und qualifiziert seit 2008 das Personal der Gesellschaft für die städtische Wasserversorgung und Abwasserentsorgung hinsichtlich seiner technischen und kaufmännischen Kenntnisse.

Damit das Stadtentwicklungsministerium eine funktionierende städtische Abwasserentsorgung planen und aufbauen kann, schult das Projekt die verantwortlichen Mitarbeiter sowohl fachlich als auch in organisatorischen Fragestellungen.

Mit der nationalen Umweltbehörde erarbeitet das Projekt ein Qualitätsmanagementsystem für die städtische Trinkwasserversorgung.

Die Consultingfirma GOPA Infra unterstützt die Umsetzung des Vorhabens.

Wirkungen

Zwischen 2011 und 2013 besuchten rund 2.000 Angestellte aller Institutionen im Wasserbereich Managementschulungen; sie können ihre Aufgaben heute besser wahrnehmen.

In Kunduz ist die Zahl der an die Trinkwasserversorgung angeschlossenen Haushalte zwischen Anfang 2007 und Ende 2013 von 370 auf 7.700 gestiegen. Bei acht bis zehn Familienangehörigen pro Haushalt entspricht dies in Kunduz rund 75 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner. Die Anzahl der angeschlossenen Haushalte stieg in Kabul von 33.776 (2010) auf 43.300 (2013).

Afghanistan. Wasserentnahme in einem Fluss und Transport mit einem Esel nahe Faizabad. © GIZ

130.000 Menschen in den Satellitenstädten Herats haben seit Ende 2013 einen Wasseranschluss. 45.300 Anschlüsse hat der dortige Wasserversorgungsbetrieb in Herat und den Satellitenstädten gelegt, die alle mit einem Wasserzähler ausgerüstet sind. Damit versorgt der Betrieb nahezu die gesamte Bevölkerung der Stadt und 30 Prozent der Satellitenstädte. Seit 2008 erwirtschaftet der Versorger Überschüsse und kann die Instandhaltung dieser Infrastruktur selbst finanzieren.

Im Juli 2012 führte die Regierung einen neuen Wassertarif ein, der die Einnahmen der Wasserversorger beträchtlich steigert: So stieg der Anteil des „bezahlten“ Wassers in Kabul von 37 auf 54 Prozent, in Herat von 58 auf 84 Prozent und in Kunduz von 52 auf 59 Prozent an. In Herat, Kunduz und Mazar-e Sharif haben die Städte mit Unterstützung des Projekts sechs neue Abwasserbehandlungsanlagen errichtet und betreiben diese.