Förderung der Stabilität und Konflikttransformation in Süd-Kirgisistan

Projektkurzbeschreibung

Bezeichnung: Förderung der Stabilität und Konflikttransformation in Süd-Kirgisistan
Auftraggeber: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)
Land: Kirgisistan
Politischer Träger: Wirtschaftsministerium
Gesamtlaufzeit: 2011 bis 2014

Kirgisistan. Auslieferung von Saatkartoffeln in besonders abgelegenen Dörfern. © GIZ/Thominski

Ausgangssituation

Nach dem Regierungsumsturz in Kirgisistan kam es im Juni 2010 im Süden des Landes vor allem in den Städten Osch und Dschalalabat zu heftigen Gewaltausbrüchen zwischen Kirgisen und Usbeken. Über 470 Menschen wurden getötet, 400.000 flüchteten. Märkte, Handel und landwirtschaftliche Produktion brachen zusammen.

Die internationale Hilfe war zunächst auf die Bewältigung der humanitären Krise ausgerichtet. Diese gilt seit Juni 2011 als beendet, Hilfsleistungen konzentrieren sich nun vor allem auf den Wiederaufbau. Noch immer besteht aber ein großer Bedarf an Not- und Übergangshilfe. Über eine halbe Million Menschen in den drei Südprovinzen gelten als ernährungsgefährdet.

Die Lage in den von den Ausschreitungen betroffenen Gebieten gilt inzwischen als stabil. Aber immer wieder kommt es auf lokaler Ebene zu Konflikten und inter-ethnischen Zusammenstößen. Die durch die Unruhen erheblich verstärkten sozialen Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen behindern den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Entwicklung.

Ziel

Die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung in ausgewählten Regionen in Süd-Kirgisistan sind stabilisiert.

Vorgehensweise

Vorhaben der Entwicklungsorientierten Not- und Übergangshilfe (ENÜH) helfen, nach Krisen und Konflikten kritische Ernährungssituationen schnell zu überwinden, Lebensgrundlagen wiederherzustellen und den Wiederaufbau durch wirtschaftliche und bauliche Maßnahmen in Gang zu setzen. Begleitende konfliktmindernde Maßnahmen werden eingesetzt, wenn soziale Spannungen den Wiederaufbau behindern. Genau diese Aufgaben stellen sich im ENÜH-Vorhaben in Süd-Kirgisistan.

Schwerpunkt ist die Förderung der landwirtschaftlichen Produktion. Bauern erhalten Saatgut, Beratung und Unterstützung bei der Instandsetzung von Bewässerungsanlagen. In diesem Kontext werden auch Konflikte um Bewässerungswasser beispielhaft bearbeitet. Mit schnell wirkenden, Einkommen schaffenden Maßnahmen wird ein Beitrag zur lokalen Wirtschaftsentwicklung geleistet. Durch Freizeit- und Sportaktivitäten wird die ethnienübergreifende Begegnung und Zusammenarbeit vor allem unter Jugendlichen gefördert.

Wirkung – Was bisher erreicht wurde

In der Startphase hat sich das Vorhaben auf die Nahrungsmittelhilfe konzentriert. Im Winter 2011/2012 wurden bedürftige Familien in 130 Dörfern in den drei Südprovinzen im Grenzgebiet zu Usbekistan mit Saatgut versorgt (630 Tonnen Weizen, Kartoffeln und Gerste). Damit wurde die Ernährungslage von mehr als 2.000 Familien kurz- und mittelfristig verbessert. Durch die aufgebauten Saatgutfonds wird die Zahl der profitierenden Haushalte noch steigen. Die landwirtschaftliche Produktivität wurde auch durch spezielle Beratungen verbessert.

Im extremen Winter 2011/2012 kam es zudem zu Engpässen bei der Versorgung mit Tierfutter, schätzungsweise 20.000 Tiere verendeten. Das Vorhaben unterstützte die Nothilfemaßnahmen der Regierung (Transport von Futtermittel in die Südprovinzen) und trug so zum Erhalt der Lebensgrundlagen vieler Familien im Süden bei.